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Das Nachkriegsschicksal eines jungen Liebespaares in Frankreich: Jede Seite dieses Buches ist voll von ironischem Witz und einem Blick für Details, was Leon und Louise zu einer ganz besonderen Geschichte macht.

Wer gerne wie ich auf die letzte Seite spickt, um mal eben nach dem Schluss zu schauen - bei Léon und Louise brauchen wir das nicht, denn Alex Capus zieht die Geschichte von hinten auf.

Es beginnt mit der Beerdigung von Leon - der als Familienvater alt geworden ist - und jetzt so wie er es verfügt hat, in Notre Dame beerdigt wird. Während der Beerdigung, taucht Louise auf, küsst den Toten, klingelt zweimal auf ihrer Fahrradklingel und lässt die spießige Familie zurück. Der Enkel von Leon ist der Erzähler, er hat die Briefe von Louise gefunden und erfahren, dass sein Großvater ein Doppelleben führte!

Der unentschlossene Leon kommt mit 17 an die französische Atlantikküste, arbeitet während des ersten Weltkriegs bei der Bahn, als Louise ihn auf ihrem klapprigen Fahrrad überholt! Von der lebenslustigen und selbstbewussten Louise ist Leon sofort begeistert, die Louise, die dem Ort irgendwie zugelaufen scheint und für den Bürgermeister den Job übernommen hat, den Familien die Nachrichten der Gefallenen zu bringen. Das macht sie so einfühlsam und mit Herz, dass der ganze Ort Louise vermisst, als sie nach einem Bombenangriff nicht mehr zurückkehrt.

Leon und Louise hatten gemeinsam mit dem Fahrrad einen Wochenendausflug gemacht, Leon überlebt schwerverletzt – Louise ist unauffindbar!

Es wird viele Jahre dauern, bis sich Leon und Louise durch Zufall im dichten Straßenverkehr von Paris wieder sehen und erst wieder verlieren. Leon inzwischen als Familienvater, Louise als unabhängige und genauso eigenwillige Angestellte einer Bank. Aus ihrem klapprigen Fahrrad ist ein schicker Wagen geworden, was aus ihnen wird - wissen wir ja eigentlich schon und trotzdem ist jede Seite voll mit leicht ironischem Witz, mit tollem Sprachgefühl und einer genauen Beobachtung für Details, dass Leon und Louise zu einer ganz außergewöhnlichen Geschichte macht.

Da habe ich am Ende, dann nochmal auf den ersten Satz gespickt und musste wirklich lachen, weil ich mir die alte Louise mit Fahrradklingel bewaffnet mitten in der Beerdigung auftauchend so gut vorstellen konnte, Hollywood würde an dieser Stelle den Toten nochmal schmunzeln lassen – schön, dass gute Bücher kein Hollywood brauchen.

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