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Es ist ein kleines, ein ruhiges Buch, ein Buch, das so wunderschön geschrieben ist, dass fast weh tut, zur letzten Seite zu kommen. Es sind nur 127. Doch erst beim zweiten Mal lesen, versteht ihr auch all das, was zwischen den Zeilen geschrieben ist.

Es ist ein kleines Buch, es ist ein ruhiges Buch, ein Buch, das so wunderschön geschrieben ist, dass es mir fast wehgetan hat, als ich auf der letzten Seite angekommen war.

Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung ist die Geschichte eines alten Mannes, Monsieur Linh. Aus welchem Land er kommt? Ich weiß es nicht. Es könnte Syrien sein. Oder Afghanistan. Oder Vietnam? Bomben haben alles zerstört, was Monsieur Linh hatte: Familie, Haus, Freunde. Der kleine Mann geht weg. Für immer. Seine kleine Enkeltochter, die nimmt er mit; sie konnte er retten, gerade mal sechs Wochen ist sie alt. Ihr Name bedeutet süßer Morgen. Wie das Land heißt, in dem die beiden schließlich landen? Wird auch nicht verraten. Ist aber auch gar nicht wichtig. Wichtiger ist, wie es in diesem Land riecht, wie es klingt. Und Autor Philippe Claudel beschreibt so bildlich und anschaulich die Tristesse der neuen Heimat, dass ich glaubte, den Geruch der Straßen riechen, die Geräusche der fremden Stadt hören zu können.

Monsieur Ling spricht nicht, er hört zu - seinem dicklichen Freund Monsieur Bark. Ihn hat er kennengelernt, in dem neuen Land, auf einer Parkbank. Und langsam, leise, fast unbemerkt entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden alten Männern: Sie sprechen die Sprache des andern nicht und doch reden sie, ja unterhalten sich. Vermissen sich, wenn sie einander nicht finden. Lachen und teilen ihre unausgesprochene Hoffnung, trotz ihrer Schicksalsschläge weiter an das Leben zu glauben. Und "süßer Morgen", die kleine Enkeltochter ist immer dabei. Doch wer genau hinschaut, der merkt: irgendwas ist anders an ihr. Aber vielleicht wirkt es auch nur so, weil Monsieur Linh auch so anders ist, anders als alle Figuren, die ich jemals in einem Buch kennengelernt habe?

Es sind 127 Seiten. Und die letzten zweieinhalb Seiten werdet ihr zweimal lesen. Vielleicht auch dreimal. Und dann werdet ihr euch das ganze Buch noch einmal vornehmen. Denn erst beim zweiten Mal lesen, versteht ihr auch all das, was zwischen den Zeilen geschrieben ist.

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