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In dem Buch „Shiva Moon“ erzählt Helge Timmerberg sehr amüsant von Indien. Eine komplett andere Welt, in die SWR3-Moderator Kristian Thees gerne eingetaucht ist, lieber als in den Ganges selber, in den auch Timmerberg nicht steigen wollte.

Helge Timmerberg ist bekannt für seine amüsanten Reiseerzählungen. In dem Buch "Shiva Moon" erzählt er von Indien. Er reist den Ganges entlang, den heiligen Fluss, der unten im Indischen Ozean mündet, dessen Quelle aber in den Bergen in 3200 m Höhe ist. Und entlang des Ganges zeigt sich Indien in all seinen Facetten. Eine komplett andere Welt, in die ich gerne eingetaucht bin, lieber als in den Ganges selber, in den auch Helge Timmerberg nicht steigen wollte.

Wir lernen Indien in diesem Buch von innen kennen. Helge Timmerberg begegnet Asketen, die aus den ausgekochten Schädeln ihrer Yogis trinken. Er besucht das sechstausend Jahre alte Varanasi, die heiligste Stadt der Hindus - in der die Hindus die Asche ihrer Verstorbenen an den Ganges übergeben. Nicht nur die Asche, wie man bei ihm erfährt, auch Knochen, Schädel und verkohlte Fleischreste geraten bei diesen Flussbestattungen massenhaft mit ins Wasser und tragen zu der sagenhaften Verschmutzung des Ganges bei. Zusammen mit den industriellen Abfällen kommen da 1,5 Mio Kolibakterien auf 100 Milliliter. 500 wären die Höchstgrenze für Wasser, in dem man baden will.

Es ist ein ganz persönlicher Reisebericht voller Anekdoten, wunderbar humorvoll erzählt.

Am Anfang fragt er im Hotel, wie teuer das Zimmer ist. 280 US only? Das "only" ist ironisch gemeint. Das sagen die Inder nach jedem Preis. Alles in Indien kostest irgendwas "only". Und Timmerberg schreibt weiter: ich frage, ob die Bar noch geöffnet habe, denn ich muss mich betrinken, um diesen Preis zu akzeptieren. Er erzählt, wie schwer es ist, ein Zugticket zu kaufen. Man muss ein Formular ausfüllen, das mal ein Visumantrag werden will. Oder als er einen Guru vorbeilaufen sieht, lange Haare, dicker Bauch. Sagt er: Ich weiß nicht, was er kann, wahrscheinlich nicht so viel wie Jesus, aber der Vorteil von dem Dicken ist: er lebt.

Und dann immer wieder der große Widerspruch in Indien. Der Stadtrand von Delhi: Nur noch Industrie und Verkehr. Luft ist abgeschafft, die Blumen sind erstickt, nicht mal Gras hat überlebt. Und dann stehen da im Herzen des Smogs plötzlich riesige Vergnügungsparks mit fluoreszierenden Neonpalmen in Originalgröße. Er erzählt aber auch von den Honigsuchern und Holzarbeitern in den Sümpfen, die Gesichtsmasken am Hinterkopf tragen, weil sie glauben, dass ein Tiger nur ungern frontal angreift.

Ein Buch, dass Indien sehr lebendig werden lässt - und weil Helge Timmerberg auch immer von seinen persönlichen Dramen, zum Beispiel mit den Frauen erzählt, ist das Buch so authentisch und unterhaltsam.

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