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2511 Konzerte hat der britische Singer/Songwriter Frank Turner bisher in seiner Solo-Karriere gespielt. Eine beeindruckende Zahl eines beeindruckenden Musikers, der wie alle Künstler derzeit darunter leidet, dass bis auf ein paar Live-Stream-Shows erstmal keine weiteren „echten“ Konzerte dazukommen werden. Eigentlich wohnt Frank Turner in London. Wenn gerade keine Pandemie die Welt heimsucht, ist er dort aber äußerst selten, denn er ist am liebsten auf Tour. Irgendwo muss die Zahl 2511 ja auch herkommen. Über dieses Leben auf Tour hat Frank Turner ein Buch geschrieben. SWR3-Musikmann Matthias Kugler ist Fan von Frank Turner und hat dieses Buch natürlich verschlungen.

Ich weiß nicht wie es euch geht. Aber mir fehlen gerade neben dem echten Kontakt zu vielen Freunden und Bekannten, vor allem eines: Live-Konzerte. Normalerweise habe ich das große Glück entweder beruflich oder privat im Schnitt 50 Mal im Jahr dieses Erlebnis mit vielen anderen teilen zu dürfen. Das geht zurzeit nicht. Aber immer dann, wenn es besonders schlimm ist, nehme ich dieses Buch in die Hand und lese ein Kapitel daraus. Und dann saugt es mich unwillkürlich hinein in die Fernweh-Konzert-Welt von Frank Turner.

„Ich erinnere mich an Krach. Feedbackgewitter, Ohrensausen, den bitteren Geschmack der Niederlage.“ So beginnt The Road Beneath My Feet, also die „Straße unter meinen Füßen“, angelehnt an The Road, einen der bekanntesten Songs von Frank Turner. Es ist ein 320 Seiten starkes Tour-Tagebuch, das chronologisch aufgebaut ist.

Vom unbekannten Punksänger zum angesagtesten Singer/Songwriter Englands

Ausgangspunkt ist das letzte Konzert seiner Hardcoreband Million Dead, das am 23. September 2005 in Southampton stattfand. Der Endpunkt ist Konzert Nummer 1216 vom 13. April 2012 in der Wembley-Arena in London vor 15.000 Fans. In diesen knapp sieben Jahren hat sich Frank Turner vom unbekannten Punk-Sänger zu einem der besten und angesagtesten Singer/Songwriter Englands entwickelt.

Als mit Million Dead Schluss war, dachte Frank Turner eigentlich, das sei das Ende seiner Musikerkarriere, aber er hat das Leben „on the road“ so sehr lieben gelernt, dass er unter allen Umständen weiterhin Musik machen wollte. Also zieht er los, nur mit seiner Akustikgitarre, bucht sich seine eigenen Konzerte, fährt mit dem Zug durch ganz England, erlebt hin und wieder auch abenteuerliche Auftritte im Ausland, zum Beispiel in Russland oder im Baltikum und baut sich so eine immer größer werdende und sehr treue Fan-Base auf. Am Anfang lebt er tatsächlich von der Hand in den Mund und schläft nach den Konzerten oft bei Leuten auf dem Sofa. Nach und nach wird er bekannter, die Konzerte werden größer, er veröffentlicht Alben und gründet seine Band, die Sleeping Souls.

Einblick in den Tour-Alltag mit spannenden Anekdoten

Das Schöne an diesem Tagebuch ist: Frank Turner trägt sein Herz auf der Zunge, nimmt sich selbst nicht allzu wichtig und er hat alles selbst geschrieben, mal humorvoll, mal nachdenklich, mal traurig. Und so bekommen wir einen Einblick, wie der Alltag eines Musikers auf Tour aussieht, wir blicken hinter die Kulissen und erfahren spannende Anekdoten. Ihm selbst dient das Buch als Versuch, seinen Songs einen Kontext zu verleihen. Es soll erklären, wer er war und wie er dahin gekommen ist, wo er jetzt steht, erklärt er uns im Vorwort.

Für uns Fans und für alle Menschen, die gerne auf Konzerte gehen, aber gerade nicht können, ist Road Beneath My Feet zwar kein Ersatz, aber es ist ein perfektes Lesevergnügen, das man an einem Stück genießen kann oder auch Kapitel für Kapitel bzw. Konzert für Konzert. Am besten mit ein paar Frank-Turner-Songs im Ohr.

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