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Die alleinerziehende Mutter Jess versucht sich und ihre Kinder als Putzfrau und Kellnerin irgendwie über die Runden zu bringen. Mehr als eine Liebesgeschichte, ein Roadmovie mit viel Humor und ernsten Zwischentönen.

Beim Stichwort "Frauenroman" schlagen nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen die Hände über dem Kopf zusammen - ich gehöre normalerweise dazu. Da denkt man sofort "Aschenputtel findet Prinzen" oder "Businessfrau stellt ihre Gefühle irgendwann über den Job" oder so.. Und obwohl das neue Buch von Jojo Moyes auch ein Frauenroman ist, ist er anders. Denn er trieft eben nicht vor Klischees und vor allem: Weil Jojo Moyes in all ihren Romanen neben der Liebesgeschichte auch immer noch eine ernsthafte Thematik unterbringt. Klar, weiß man ziemlich schnell wohin die Reise am Ende geht. Aber bis dahin gibt’s viele Ereignisse im Plot mit denen man nicht gerechnet hat, und die Protagonisten müssen sich ihr Happy End echt erarbeiten. Bei "Ein ganzes halbes Jahr" ging’s ja neben der Liebesgeschichte auch noch um Sterbehilfe, jetzt bei "Weit weg und ganz nah" um die Kluft zwischen Arm und Reich.

Jess ist noch nicht mal 30, alleinerziehende Mutter einer Tochter und des Sohnes ihres Exmanns. Der zahlt keinen Cent Unterhalt und Jess versucht als Putzfrau und Barkellnerin sich und ihre Kinder irgendwie über die Runden zu bringen. Tochter Tanzie ist ein Mathegenie - aber das Geld für die Eliteschule reicht trotz eines Stipendiums hinten und vorne nicht. Stiefsohn Nicky fällt mit seinem Kajalstift um die Augen in dem kleinen englischen Kaff mehr als auf und wird regelmäßig von den Nachbarsjungen verprügelt. Und dann ist da Ed, bei dem Jess putzt, ein Computernerd, für den "Geldproblem" ein Fremdwort ist, der aber grade vor dem Scherbenhaufen seiner beruflichen Karriere steht. Ed hilft Jess, die kleine Tanzie zu einem Mathe-Wettbewerb nach Schottland zu bringen. Denn wenn Tanzie den gewinnt, könnte sie auf ihre Traumschule gehen. Und so hocken Jess, Tanzie, Nicky und der sabbernde und furzende Riesenhund Norman in Eds Luxusauto. So weit, so klischeehaft. Und eben auch nicht. Denn Jojo Moyes schafft es wiedermal, dass die Lebenssituationen realistisch bleiben, nachvollziehbar.

"Weit weg und ganz nah" ist mehr als eine Liebesgeschichte, es ist ein Roadmovie mit viel Humor aber auch vielen ernsten Zwischentönen.

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