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Den Internet-Anbieter zu wechseln ist gar nicht so einfach. Vor allem, weil viele Verbraucher danach erst einmal ohne Internet dastehen – so lange, bis einige Hotline-Telefonate und Techniker-Besuche später alle Probleme endlich behoben sind. Verbraucherschützer kritisieren, dass das immer häufiger passieren würde. Wir geben dir Tipps, wie es reibungsloser funktionieren kann.

Eigentlich sollte durch den Wechsel des Internet-Anbieter alles günstiger, schneller und besser werden. Im Alltag ist oft genau das Gegenteil der Fall: Der Anschluss kommt gar nicht zustande, das mit der schnelleren Verbindung war nur ein leeres Versprechen und wenn dann auch noch der alte Anbieter weiter Geld fordert, ist der Ärger groß.

Verbraucherschützer fordern die Anbieter auf, sich zu bessern und ein Grünen-Politiker ist der Meinung, dass nur hohe Strafen helfen. Selbst wenn diese Wünsche in die Praxis umgesetzt würden, wird es eine ganze Zeit dauern. Dabei kann auch jeder jetzt schon selbst eine Menge richtig machen, bevor der Netzanbieter gewechselt wird.


1. Vertrag kündigen

Wichtigster Schritt beim Internetanbieter-Wechsel ist, den laufenden Vertrag zu kündigen. Nur wer eine bestätigte Kündigung hat, kann wirklich wechseln!

Zwar gibt es die Empfehlung, das Kündigen dem neuen Anbieter zu überlassen, aber das ist nur bequem und nicht so sicher wie selbst zu kündigen.

2. Kündigung vom Internetanbieter aufheben

Die schriftliche Bestätigung der Kündigung gut aufheben. Erst aus der Bestätigung geht eindeutig hervor, wann der Vertrag tatsächlich endet. Unbedingt diese Frist berücksichtigen, denn es nutzt nichts, wenn der neue Vertrag zwar günstiger ist der alte Vertrag, aber noch parallel weiter läuft.

3. Checken: Wie schnell ist die Verbindung wirklich?

Messen, wie schnell die vorhandene Internet-Verbindung ist und wie schnell die Internet-Verbindung laut Anbieter sein sollte.

Die einfachste Methode um das festzustellen: Einen Speed-Test beim jetzigen Internet-Dienst machen und dann als Vergleich messen, welche Download-Geschwindigkeit die Webseite fast.com anzeigt.

Sind es über 10 MBit/s, reicht das schon für zwei Personen und Filme streamen in HD. 50 MBit/s sind mehr als üppig und lohnt sich eigentlich erst, wenn der Anschluss von Vielen geteilt wird – also für eine WG oder ein Home-Office.

router anschließen; Foto: dpa/picture-alliance

Risiko beim Anbieter-Wechsel, plötzlich geht nichts mehr.

dpa/picture-alliance



4. Den Nachbarn fragen

Fragen, was der Nachbar hat. Ob nebenan oder im gleichen Haus: Einfach mal fragen, wie die Erfahrungen der Nachbarn mit ihrem Anbieter sind. Das sind tatsächlich die nützlichsten Erfahrungsberichte, da es vor allem bei DSL-Verbindungen sehr große Unterschiede von einer Straße zur anderen geben kann.

Hierbei ganz wichtig: Jeweils aufschreiben, welche Leistung der Anbieter tatsächlich liefert. Immer wieder kommt es vor, dass einem der 50 Mbit/s-Tarif verkauft wird, obwohl nur unter 25 Mbit/s geliefert werden können. Da ist man mit einer günstigeren Unter-20 Mbit/s-Leistung zwar langsamer aber viel günstiger unterwegs.

5. Checken: Lohnt sich der Anbieterwechsel überhaupt?

Ausgestattet mit den Infos für den eigenen Anschluss (aktuelle Internet-Geschwindigkeit, mögliche Internet-Geschwindigkeit und Wunschgeschwindigkeit) kann nun verglichen werden, ob sich ein Wechsel tatsächlich lohnt. Die Vergleiche am besten aufschreiben und bereithalten, denn bevor der Tag des Vertrags-Endes naht, kommt garantiert noch ein Anruf von dem Anbieter, bei dem gekündigt worden ist.

6. Vor der Kundenrückgewinnung: nicht unterschreiben!

Bevor dieser Anruf von der sogenannten Kundenrückgewinnung nicht erfolgt ist, nicht bei einem neuen Anbieter unterschreiben. Denn oft kommen hier wirklich gute Angebote, um den Kunden davon abzuhalten, wirklich zu einem anderen Anbieter zu gehen.

7. Notfall-Plan für ein Leben ohne Internet erstellen

Einen Plan machen für den Fall, dass es bei der Umstellung für ein paar Tage kein Internet gibt und folgende Fragen beantworten:

  • Wie viele Daten kann das eigene Smartphone über Handynetz runterladen?
  • Kann ich einen Hot-Spot einrichten?
  • Funktioniert die Software für meine Arbeit im Offline-Betrieb?
  • Wie weit ist es bis zum nächsten kostenfreien Wi-Fi (Freunde, Eltern, städtisches Internet, Arbeit, Café)?

8. Bei Anruf: cool bleiben!

Die Kundenrückgewinnung ruft an. In aller Ruhe das Angebot anhören und am besten für den nächsten Tag ein weiteres Gespräch vereinbaren. Anschließend Ersparnis, technische Zuverlässigkeit und tatsächlichen Bedarf abwägen und entscheiden.

Läuft die Leitung beim bisherigen Anbieter stabil, ist es meist keine schlechte Entscheidung, den Vertrag zu verlängern. Haben die Nachbarn tatsächlich gute Erfahrung mit dem Vergleichsangebot, dann lohnt es sich eventuell wirklich, einen neuen Vertrag abschließen.

Wichtig: Auf keinen Fall von der einen oder anderen Seite drängen lassen und schließlich einen Vertrag abschließen.

9. Vertrag des neuen Internet-Anbieters prüfen

Hat der alte Anbieter den Zuschlag bekommen, unbedingt die schriftlichen Details des verlängerten Vertrags prüfen. Ist es ein neuer Anbieter, am besten am Tag der Umstellung daheim sein und von jemanden aus dem Freundeskreis unterstützt werden, der sowas schon einmal erfolgreich gemacht hat.

10. Neue Vertragskündigung einplanen

Den Termin für die nächste mögliche Vertragskündigung (steht jeden Monat in der Rechnung) im Kalender eintragen und vier Wochen vor dem Kündigungsstichtag kündigen. Dann fängst du einfach wieder bei Punkt 1 an.

Autor
Kai Karsten
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SWR3