Autor
Alexander Winkler
Alexander Winkler; Foto: SWR3 – Stephanie Schweigert
Stand:

Jede sechste Aufnahme machen Smart Speaker unbeabsichtigt und lauschen so privatesten Unterhaltungen. Davor können wir uns schützen – oder zumindest unsere Gäste.

Egal ob auf Plätzen in der Innenstadt oder in Geschäften: An dauerhafte Überwachung zum Beispiel durch Video-Kameras haben wir uns in der Öffentlichkeit längst gewöhnt. Doch mit smarten Lautsprechern im Wohnzimmer oder digitalen Assistenten auf dem Handy lassen sich viele von uns mittlerweile auch privat belauschen. Und das bringt Probleme mit sich.

Mitarbeiter hören jede 500. Aufnahme an

So kritisiert zum Beispiel der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags, dass Besucher bei uns zuhause möglicherweise gar nicht wissen, dass ein Smart Speaker Gespräche aufzeichnen könnte. Und auch Kinder könnten auf Zuruf an Inhalte kommen, die für Minderjährige gar nicht geeignet sind. Wären die Aufnahmen bei Amazon, Google und Co. gut genug geschützt, wäre das vielleicht noch zu verkraften. Doch bei denen hat der Datenschutz bisher seine Grenzen.

Zuletzt landeten 1.000 solcher Aufnahmen bei einem niederländischen Rundfunksender. Diese Aufnahmen hatte Google eigentlich Mitarbeitern und Partnerfirmen zur Verbesserung der Spracherkennung übergeben – das passiert mit etwa jeder 500. Aufnahme. Darunter sind Privatgespräche mit Namen und Adressen, Krankheitsgeschichten, Streits. Denn die smarten Lautsprecher zeichnen viel mehr auf, als ihren Besitzern vermutlich recht ist.

Jede sechste Aufnahme geschieht unbeabsichtigt

Eigentlich sollte die Aufnahmefunktion der Lautsprecher nur anspringen und Aufnahmen an die Server von Amazon und Google überspielen, wenn die Signalworte „OK, Google“ oder „Alexa“ genannt werden. Doch etwa 15 Prozent der geleakten Aufnahmen enthielten diese Signalworte nicht und hätten wohl niemals aufgezeichnet werden sollen. Ein ähnliches Datenleck gab es bereits im April bei Amazons Alexa. Dort waren sogar zum Teil Kundendaten mit den Aufnahmen verknüpft.

So schützt du dich vor ungewollten Aufnahmen

Zugegeben, echten Schutz gibt es vermutlich nur, wenn wir auf die digitalen Assistenten verzichten. Da die smarten Lautsprecher aber immer beliebter werden, ist abschaffen für viele wahrscheinlich keine Option mehr.

Eine Hilfe ist, Signaltöne zu aktivieren. Jedes Mal, wenn das Gerät sich aktiviert, ertönt dann ein Geräusch, das uns warnt, wenn eine Aufnahme startet. Lautsprecher von Drittanbietern, die zwar den Assistenten von Google oder Amazon haben, aber nicht von den beiden Konzernen selbst sind, haben solche Signaltöne jedoch oft nicht.

Sprachassistent auf dem Smartphone; Foto: Fotolia © Shinonome Production
Fotolia © Shinonome Production

Alternativ lässt sich auch die automatische Stimmerkennung deaktivieren. Dann hören die Lautsprecher nicht mehr dauerhaft mit, sondern müssen per Knopfdruck am Gerät aktiviert werden. Das schränkt natürlich den Komfort ein – denn gerade die Aktivierung „auf Zuruf“ macht ja den Reiz der Smart Speaker eigentlich aus. Auf dem Smartphone oder an der Smart Watch ist die Aktivierung auf Knopfdruck hingegen die einfachste und zumindest ein bisschen datensicherere Variante.

Tipp: Aufnahmen regelmäßig prüfen & löschen

Egal bei welchem Gerät lohnt es sich zuletzt aber immer, die Aufnahmen in den jeweiligen Einstellungen regelmäßig zu überprüfen. Bei Google geht das unter „Sprach- & Audioaktivitäten“, bei Amazon liegen die Aufnahmen im Alexa-Menü unter „Datenschutz“.
Wer die Aufnahmen anhört, bekommt auf jeden Fall ein Gefühl dafür, was Google und Amazon alles mithören und speichern. Und wer will, kann die Aufnahmen dann auch mit einem Klick löschen.