Autor
Rebecca Rodrian
SWR3-Moderatorin Rebecca Rodrian; Foto: SWR / Alina Schröder
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Die Corona-Krise kann ganz schön auf die Laune schlagen: Abstand zu anderen Menschen halten, allein im Home-Office sitzen – Stress und auch Angst vor Ansteckung beschäftigen viele Menschen. Wir geben Tipps für die psychische Gesundheit.

Das alles kann für unseren Kopf – unsere Psyche – belastend sein. Psychologin Pia Kabitzsch hilft dir, in diesen Zeiten klar zu kommen.

Tipps für deine psychische Gesundheit in Coronavirus-Zeiten

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Warum kann uns die Corona-Krise psychisch so fertig machen?

Kurz gesagt: Dieser Zustand sorgt dafür, dass wir die ganze Zeit im Stress sind. Unsicherheiten, (Existenz-) Angst, Sorgen und der scheinbare Kontrollverlust sorgen dafür, dass unser Körper sich in einem Stresszustand befindet, der quasi Gefahr bedeutet. Das Gehirn reagiert darauf und so wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Aktuell befinden wir uns und unser Körper entsprechend im Dauerstress.

Corona-Seelsorge

Diese 5 Tipps helfen bei psychischen Stress

Tipp 1: Bewegung

Egal ob ein Homeworkout oder eine Runde draußen (alleine und mit Abstand zu anderen Menschen!) Joggen gehen. Sport verringert die Ausschüttung von Stresshormonen. Die Laune wird besser.

Tipp 2: Meditation

Funktioniert ähnlich wie Sport. Auch beim Meditieren werden weniger Stresshormone ausgeschüttet. Dabei reicht es schon ein paar Minuten die Augen zu schließen, zu atmen und sich nur auf sich zu konzentrieren.

Tipp 3: Gemeinsam einsam sein

Kontakt halten mit den Freunden, der Familie oder dem Partner/in schützt euch unter anderem vor Stress, Angst und Depressionen. Im Idealfall sogar im Video-Call, denn emotionale Unterstützung klappt noch besser, wenn man das Gegenüber sieht.

Tipp 4: Medien-Detox

Handy, Tablet, Smartwatch mal für ein paar Stunden zur Seite legen. Ein bis zweimal am Tag die aktuellen Nachrichten checken reicht.

Tipp 5: Struktur im Alltag schaffen

Kontrolle über das Leben zu haben ist sehr wichtig für unsere psychische Gesundheit. Deswegen versuche auch in diesen Zeiten deinen Alltag zu organisieren. Es hilft die normale Routine beizubehalten. Also zum Beispiel zur gewohnten Zeit aufzustehen, zu essen oder auch Feierabend zu machen. Auch ein Plan für jeden Tag in der Woche kann hilfreich sein.

Das gilt übrigens auch, wenn du neu im Home-Office bist und dort möglichst stressfrei und produktiv arbeiten willst.

Hier findest du Tipps gegen Schlafstörungen

Wichtig: Jede Emotion ist erlaubt

Jeder empfindet anders und nimmt die Coronavirus-Zeiten unterschiedlich wahr. Jedes Gefühl sollte ernst genommen werden. Verständnis haben ist genauso wichtig wie zusammenhalten.

Neues Psychologie-Funk-Format psychologeek

Das erste Video des neuen Funkformats psychologeek zeigt: Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass jeder diese Krise gerade anders empfindet. Dass es für Menschen mit einer psychischen Störung ganz besonders schlimm ist. Menschen mit Depression, die aus dem Grübeln und sich Sorgen machen überhaupt nicht mehr rauskommen. Oder Angstpatienten, die die ganze Situation nochmal viel bedrohlicher und katastrophaler empfinden, als Gesunde. Pia sagt: „Zeigt Verständnis für eure Mitmenschen und seid füreinander da.

In Zukunft geht es aber auch um Themen wie: Warum ist der Montag ein Arschloch? Was macht die Generation Tinder mit uns? Oder: Warum kaufen wir Dinge, die wir gar nicht brauchen? Psychologin Pia Kabitzsch räumt mit Vorurteilen über psychische Krankheiten auf oder erklärt auch wissenschaftliche Studien. Neue Folgen gibt es jeden Mittwoch um 7 Uhr auf youtube und funk.net

Corona-Psychologie

Fragen und Antworten für die persönliche Corona-Krise

Psychologin Pia Kabitzsch hat im Interview in der SWR3-Nachmittagsshow mit Volker Janitz Fragen der Hörer beantwortet.

Frage: Was kann ich gegen das Fehlen von Nähe tun?

Antwort: Es hilft sich zu sagen, hey das ist kein Dauerzustand. Die Situation geht auf jeden Fall vorbei. Auch wenn wir noch nicht genau wissen, wann das sein wird. Mach es dir gemütlich und sei in dieser Zeit besonders gut zu dir. Nehme vielleicht ein Bad oder kuschle dich ins Bett und schau dir zum 100. Mal deinen Lieblingsfilm an. Tu alles dafür, dass es dir gut geht. Und auch wenn du gerade auch keine körperliche Nähe bekommen kannst, es ist super wichtig, mit den Freunden in Kontakt zu bleiben und auch regelmäßig über Video miteinander zu sprechen. Da ist noch mal eine andere emotionale Unterstützung.

Frage: Problem Langeweile am Abend: Wie kriegen wir uns dahin, dass wir uns beschäftigen und nicht in eine solche Langeweile verfallen?

Antwort: Dadurch, dass wir gerade gezwungen sind, so viel zu Hause zu sitzen, ist es ganz natürlich, dass da Langeweile kommt. Ich kann dir den Rat geben, einfach mal überlegen, was du schon immer mal machen wolltest oder ob du vielleicht Lust auf ein neues Hobby hast. Zum Beispiel eine neue Sprache lernen oder eine Sport-Challenge (bei Youtube) mit anderen zu starten. Das kann auf jeden Fall eine gute Motivation sein, mal etwas Abwechslung in den Alltag rein zu bringen und damit auch gegen die Langeweile helfen. Etwas, das ich immer sehr gerne mache, sind Dinnerpartys mit Freunden über Video zu veranstalten. Das macht immer sehr viel Spaß und ich kann das sehr empfehlen.

Frage: Was kann ich tun, um die innere Unruhe und die große Angst vor dem was kommen könnte loszuwerden? Corona macht mir starke Angst und wenn ich höre, dass mein Chef davon redet, dass es nie wieder anders sein wird und es immer wieder mit vielen Toten und Kranken zurückkommen wird, bekomme ich leichte Panikattacken. Irgendwie ist die verrückte Angst da, dass man selbst oder die Familie und Freunde daran sterben.

Antwort: Das ist momentan eine absolute Ausnahmesituation und ich glaube, wir haben alle Angst vor dem, was jetzt noch kommt. Man muss sich aber ganz bewusst machen, dass die Ängste keine wahren Tatsachen widerspiegeln und das tatsächlich nur in unserem Kopf passiert. Es kann auch helfen, die Ängste zu hinterfragen. So nach dem Motto: „Ist die Angst gerade denn auch wirklich gerechtfertigt?“ Und dann unbedingt nach Lösungen suchen, statt sich auf die Ängste zu konzentrieren. Also überlegen, wenn das alles eintreten sollte, was könnte ich dann machen, um das Gefühl der Hilflosigkeit zu überwinden. Was auch immer hilft: Versuchen, das Positive zu sehen und zu überlegen, was die Krise vielleicht auch Positives mit sich bringt, wie zum Beispiel, dass man mehr Zeit für die Familie oder sich selbst hat, um zur Ruhe zu kommen.

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  • Telefonseelsorge: 0800 1110111 (Rund um die Uhr) telefonseelsorge.de
  • Nummer gegen Kummer: 116 111 (für Kinder und Jugendliche Mo - Sa von 11 bis 20 Uhr) nummergegenkummer.de
  • Corona-Hotline des Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen: 0800 7772244 (8 bis 20 Uhr) bdp-verband.de
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