Autor
Christine Langer
SWR3.Online-Redakteurin Christine Langer; Foto: SWR3 - Stephanie Schweigert
Stand:

Verschmiert im Gesicht, nackt auf dem Topf, glasige Augen nach dem Wutanfall: Manche Eltern posten solche Fotos ihrer Kinder im Netz. Eine Fotokampagne soll uns zum Nachdenken bringen, welche Bilder wir von Kindern besser nicht posten sollten.

Wilson Gonzalez Ochsenknecht ist eines der Motive der Fotokampagne, die Eltern dafür sensibilisieren soll, welche Fotos sie von ihren Kindern ins Netz stellen: Oberkörper nackt, ein Lätzchen um den Hals, der Mund ist mit Brei verschmiert. Vor ihm die Schüssel mit dem Brei, in der Hand einen gelben Plastiklöffel. Darunter steht: „So ein Bild von dir würdest du nie posten? Dein Kind auch nicht.“

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Die Bloggerin Toyah Diebel hat sich die Kampagne #DeinKindAuchNicht ausgedacht. Sie unterscheidet für sich verschiedene Kategorien von Bildern. Die einen sind die, die Motive ähnlich ihrer Kampagne zeigen. Bei einer anderen Kategorie hat sie aber noch größere Bedenken. Im Gespräch mit SWR3 sagt sie:

Bilder, die ich eindeutig am problematischsten finde, Bilder die in den sexuellen Kontext gezogen werden könnten. Es gibt einfach Bilder von nackten Babys und Kindern, die wir vielleicht süß finden. Es gibt aber Leute auf diesem Planeten, die finden diese Bilder mehr als nur süß. Da sollten wir drüber nachdenken.

Auch dass Eltern das Sorgerecht haben und die Erziehungsberechtigten sind, ist für Toyah Diebel kein Argument. Sie sieht Beratungsbedarf bei Eltern:

„Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, dass ein Kind kein Gegenstand ist, mit dem man machen kann, was man gerne möchte. Ein Kind hat trotzdem Rechte. Auch wenn die Eltern die Erziehungsberechtigten sind. Dieses Kind wird auch irgendwann mal erwachsen sein und sich über seine Rechte bewusst sein und dann „Prost Marie“, was dann die Kinder machen werden.“

Persönlich würde sie keine Fotos ihres Kindes posten. Auch nicht von hinten, auch nicht mit einem Smiley auf dem Kopf. Für sie gilt: Wer der Meinung ist, dass er sein Kind unbedingt posten muss, sollte sich folgende Fragen stellen:

  • Warum poste ich dieses Bild? Was ist der Mehrwert, was ist mein Antrieb?
  • Gibt es vielleicht eine Person auf dieser Welt, von der ich nicht möchte, dass sie dieses Bild sieht?
  • Warum möchte ich dieses Bild mit fremden Menschen teilen? Wer kann das überhaupt alles sehen?

Das Wichtigste von allem: Ist die Privatsphäre meines Kindes auf diesem Bild geschützt? Wenn das nicht der Fall ist, dann hat dieses Bild im Internet nichts verloren.

Toyah Diebel


Manche Eltern vermarkten ihre Kinder im Netz regelrecht. Aus Babys und Kleinkindern werden Kidfluencer, mit denen sich gut Geld verdienen lässt.

Die Initiative Schau Hin ist ein Medienratgeber für Familien und stellt viele Tipps und Infos zu aktuellen Entwicklungen im Netz zur Verfügung. Für die Frage, ob Kinderfotos posten oder nicht, haben die Macher diese Grafik erstellt:

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Kinder haben Recht auf Privatsphäre

In Deutschland haben Kinder fast alle Rechte, die Erwachsene auch haben. Und sie haben spezifische Rechte, was ihre Privatsphäre angeht. Luise Meergans vom Deutschen Kinderhilfswerk nennt im Gespräch mit SWR3 außerdem die Kinderrechtskonvention. Dort ist festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf Beteiligung haben – bei allen Dingen, die sie persönlich betreffen.

Rechtliche Schritte schwierig

In Deutschland sei zwar alles klar geregelt, so Meergans. Das heißt allerdings: Bis Kinder 14 sind, haben sie wenig Chancen ihre Recht einzuklagen, weil im Grundgesetz steht, dass die Erziehung in erster Linie Aufgabe der Eltern ist und nicht die der Kinder selbst oder des Staates.

Tipps: Was sollten Eltern bei Kinderfotos im Netz beachten?

Wer Fotos seiner Kinder ins Internet stellt, sollte ein paar Regeln beachten, die das Deutsche Kinderhilfswerk empfiehlt:

  1. Bezieht die Kinder immer ein. Ist das Kind dafür zu klein, muss das Foto noch warten.
  2. Vermeidet, das Gesicht des Kindes zu zeigen.
  3. Personenbezogene Daten vermeiden: keine Namen, keinen Wohnort, auch nicht den Namen des Kindergartens nennen.
  4. Überlegen: Wäre das ein Bild, das ich auch von mir selbst ins Internet stellen würde. Keine peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen zeigen.
  5. Regelmäßig die Privatsphäre-Einstellungen überprüfen, damit man ggf. Änderungen mitbekommt.