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Ein Unfall passiert, die Ersthelfer sind da – dann ist es wichtig, dass sie möglichst schnell wissen, mit wem sie es zutun haben, welche Allergien das Opfer beispielsweise hat oder wer im Notfall kontaktiert werden muss. Das soll der digitale Notfall-Pass im Handy erleichtern.

112 funktioniert immer – über alle Netze!

Notarzt 112; Foto: dpa/picture-alliance
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Du beobachtest einen Unfall und willst Hilfe rufen, dir fällt aber nicht die richtige Nummer ein. Das ist in Deutschland leider ganz normal. Laut Umfragen wissen weniger als 20 Prozent der Befragten zwischen Konstanz und Kiel die Nummer der Rettungsdienste. Die Nummer für den Notruf ist, egal ob aus dem Festnetz oder Handy: eins, eins, zwei.

Wer diese Nummer wählt, wird so schnell wie technisch möglich mit der Leitzentrale des Rettungsdienstes verbunden. Das klappt überall in Europa. Der Ruf geht durch, unabhängig davon welches Netz der Handybesitzer hat. Es wird immer der schnellste Weg gesucht – über alle Netze. Es können sogar Gespräche unterbrochen werden, damit ein 112-Ruf schneller durchkommt.

Notfall-Pass: Retter bekommen per Handy wichtige Infos

Knapp ein Jahrzehnt nach dieser Modernisierung, gibt es immer mehr kostenlose Möglichkeiten, im Notfall auf jedem Handy Hilfe zu rufen und somit Leben zu retten. Sowohl auf Android, als auch auf den iOS-Geräten, gibt es für den angemeldeten Nutzer einen Notfall-Pass. Dieser Notfall-Pass ist eine digitale Notiz für Ersthelfer oder Krankenhauspersonal. Darin hinterlegt sind wichtige Informationen. Zum Beispiel: Wer soll im Notfall kontaktiert werden, wenn wir uns nicht mehr mitteilen können.

Um an die Infos zu kommen, brauchen die Helfer nur das Handy. Ein Sperrmuster oder eine PIN ist nicht nötig. Bevor diese Sicherheitsüberprüfungen eingegeben werden können, erscheint im Display die Notfall-Option. Genau da ist auch der Notfall-Pass.

Suchen Rettungsdienste wirklich nach dem Notfall-Pass?

Das Problem: Nicht jeder kennt diesen Notfall-Pass, auch nicht jeder Rettungsdienstmitarbeiter. Für die SWR3-Nachmittagsshow mit Volker Janitz haben wir mit Christoph Nießner gesprochen. Er ist Notarzt in Karlsruhe und sagt: Kaum jemand schaut im Notfall wirklich nach diesem digitalen Notfall-Pass. Das sei einerseits noch nicht etabliert. Andererseits sei der Notfall-Pass auch nicht zuverlässig. Besonders schwierig sei, die hinterlegten medizinischen Daten zu nutzen. Die Blutgruppe beispielsweise. „Es hat für uns keinen amtlichen Charakter, also keinen Befundcharakter im medizinischen Sinne“, so Nießner. Man könne einfach nicht sicher sein, ob es wirklich das Handy des Opfers sei, wenn man an eine Unfallstelle kommt.

Wichtiger findet er deshalb, eine Liste mit Kontaktnummern in den Geldbeutel zu packen – mit den Menschen, die im Notfall kontaktiert werden sollten. Wichtig: Diese Ansprechpartner sollten dann auch über die medizinischen Informationen verfügen – welche Blutgruppe man hat, welche Krankheiten oder Unverträglichkeiten.

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