Autor
Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
Stand:

„Schluss mit dem Hype um Greta Thunberg“, meint SWR3-Redakteurin Kira Urschinger zum Einjährigen der Fridays-For-Future-Bewegung. SWR3Land diskutiert mit – hier sind eure Reaktionen. Und wir bilanzieren: Diese vier Dinge hat Fridays For Future in einem Jahr erreicht.

„Greta Thunberg ist keine Heilige. Und sie ist auch nicht der Teufel mit Pipi-Langstrumpf-Zöpfen. Beides liest man in überquellenden Kommentarspalten, wenn mal wieder irgendwo etwas gepostet wird, was mit der Fridays-For-Future-Bewegung zu tun hat.

Du hast DNT aktiviert. Wir stellen die Verbindung zu Facebook erst her, wenn du dies erlaubst. Die Einwilligung ist freiwillig und gilt nur temporär. Mehr dazu findest du in unseren Datenschutzhinweisen.
Den Beitrag bei Facebook ansehen.

Dass diese junge Frau spaltet, haben wir alle begriffen. Dass ihr Segeltörn nach Amerika eigentlich gar nicht ganz so klimafreundlich ist: geschenkt. Aber nach einem Jahr mit Fridays For Future ist doch so langsam wirklich alles über sie gesagt. Von allen. Können wir jetzt aufhören, uns in sozialen Medien gegenseitig zu beschimpfen – Greta-Gegner gegen Greta-Fans?

Vielleicht wäre es schlau, wenn wir die Galionsfigur in Ruhe auf ihrem Boot rumschippern lassen und uns stattdessen darüber unterhalten, worum es bei Fridays For Future eigentlich geht: Da sind Tausende junge Menschen, denen wir lange vorgeworfen haben, unpolitisch und bequem zu sein. Wir haben gejammert, dass sie den ganzen Tag nur an ihrer Spielekonsole rumdaddeln, die neuesten Insta-Filter ausprobieren und keine Meinung haben oder keinen Willen, für irgendetwas auf die Straße zu gehen. Und dann tun sie genau das: Sie gehen auf die Straße, wollen aufmerksam machen auf ein Problem – und uns fällt nichts Besseres ein, als die Frontfrau wahlweise mit Hass oder Lob zu überschütten?

Es geht nicht um Greta. Es geht darum, dass wir uns Gedanken drüber machen, wie wir unseren Planeten in annehmbarem Zustand an die nächsten Generationen übergeben. Und nein: Weder Greta, noch die Schülerinnen und Schüler haben besonders handfeste Vorschläge, wie wir das angehen können. Das kann man ihnen vorwerfen. Man kann aber auch sagen: Das ist gar nicht ihre Aufgabe. Die Lösungen müssen Andere finden. Die Politiker und Unternehmer – die Erwachsenen. Wir alle zusammen. Und vielleicht würde uns gemeinsam etwas einfallen, wenn wir unsere Zeit nicht verschwenden würden, uns in zwei Lager zu spalten und in sozialen Netzwerken gegeneinander rumzuhaten.“

Du siehst das komplett anders oder genau so?

Diskutiere mit uns auf Facebook.

Das hat Fridays For Future in einem Jahr erreicht

Weg also von dem Personenhype um Greta Thunberg, hin zu den Fakten der Bewegung. Was hat Fridays For Future in einem Jahr geschafft? Sabine Schütze aus der SWR-Umweltredaktion hat die vier wichtigsten Punkten zusammengefasst:

1. Klimawandel ist wieder das Topthema

Nachdem vor einem Jahr das Thema Klimawandel ausgelutscht schien und die meisten Menschen darauf nur noch gelangweilt reagierten oder resigniert abwinkten, haben Fridays For Future dafür gesorgt, dass der Klimawandel wieder in aller Munde ist und engagiert diskutiert wird.

2. Junge Menschen engagieren sich

Fridays For Future hat Tausende junge Leute hinter ihren Smartphones vorgelockt. Aus passiven Konsumenten sind aktive Macher geworden, die sich Gedanken um ihre Zukunft machen. Sie haben den zivilen Ungehorsam wiederbelebt.

3. CO2 einsparen

Die Fridays-For-Future -Demonstranten sind aufgerüttelt und ändern ihren Lebensstil, um das Klima zu schützen. Denn junge Menschen sind eher bereit, ihre Komfortzone zu verlassen als ältere. Sie verkleinern ihren CO2-Fußabdruck, indem sie etwa auf Fleisch verzichten. Fast 60 % der jungen Demonstrierenden glauben, dass sie damit zu einer Lösung beitragen können.

4. Politiker wachrütteln

Die Wähler von morgen sind bei Fridays For Future dabei. Politiker können sich nicht leisten, sie zu ignorieren. Bei so viel Druck von unten ist die Politik gezwungen, endlich wirksame Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung durchzusetzen. Fridays For Future könnte das vorantreiben.

So diskutieren SWR3-Hörer über den Hype um Greta Thunberg

DANKE für diesen Kommentar! Polarisieren ist manchmal ein Weg, um auf Missstände hinzuweisen. Die Lösung dieser Missstände liegt dann aber weder im aufeinander herumhacken noch im blinden Aktionismus, sondern im Erarbeiten nachhaltiger Lösungen.

Moritz

Im Prinzip geht es doch immer um Respekt. Respekt vor Andersdenkenden – Respekt vor anderer Meinung – Respekt für Menschen, die sich engagieren – und und und.... dieser fehlt nicht nur bei diesem Thema gewaltig.

Bernd

Das Team von SWR3 hat dieses schwierige Thema wirklich gut aufgearbeitet!
Was ist mir eingefallen, um heute konkret weniger CO2 zu emittieren:

Habe das Fahrrad benutzt, um zur Arbeit zu fahren. Heute Abend werde ich 30 km in den Waden haben.

Heute in der Kantine Lasagne gegessen – vegetarische Gemüse-Lasagne, hat gut geschmeckt.

Peter

Jetzt geht mal jemand auf die Straße und dann sucht man wieder irgendwas Negatives. Ich finde es toll, was sie macht. Und es wäre schön, wenn sie die ganze Welt mitreißen könnte. Das ist der Anfang, unsere Kinder wachzurütteln. Mach weiter so Greta.

Angelika

Greta will doch Millionen verdienen, wieso aufhören?

Ralf

Es ist doch bei jedem Thema so mittlerweile. Egal ob Politik, Klima, oder Grafikkarten: Es wird beschimpft und gestritten was das Zeug hält. Normal diskutieren scheint nicht mehr möglich zu sein.

Georg

Super geschrieben! Ich glaube übrigens, dass Greta auch eigentlich nur das wollte, dass wir alle aufwachen und anfangen etwas zu unternehmen... und damit sollten wir endlich beginnen...

Manuela

Danke für diese gelungene Zusammenfassung. Leider wird sie nur einen vernachlässigbar Teil der Greta-Lover und -Hater erreichen und befrieden. Denn beide Seiten haben nicht nur das miteinander Reden, sondern vor allem das Zuhören verlernt.

Jörg

Die Geister, die ich rief? Alles richtig, was Sie sagen, liebe Kollegin Urschinger, wer hat denn den Hype erst möglich gemacht? Nicht Zuhörer oder Leser bringen Greta in die Kommentarspalten.
Nicht falsch verstehen, ich finde toll, was dieses Mädchen ins Rollen gebracht hat.

Klaus

Es ist halt leider wesentlich einfacher, seine Energie ins 'Haten' zu stecken...

Stefan

Danke. Ich habe nie in Gesprächsrunden das Thema Greta angesprochen, mir ist sie 'egal'. Allerdings kamen Stammtischparolen und unterschwellige Andeutungen gegen sie immer. Eine Diskussion, um was es (ihr) geht, kam kaum auf... eine sehr anstrengende 'Geselligkeit' war das. Es nervt schon wieder, wenn ich nur dran denk.

Danielle

Fehler im Bericht, sie unterbrechen für die Demo nicht das Spielen an der Spielekonsole, sondern den Schulunterricht. Wenn schon so ein Bericht geschrieben wird, dann bitte auch richtig.

Stefan

Das zählt übrigens für alle Konflikte dieser Welt. In allen Bereichen. Auf allen Ebenen! Solange Zeit im Streit verbracht wird – ist keine Zeit für Lösungen da. Nicht mal für Ansätze! UND noch viel wichtiger. Es ist nicht entscheidend, wer angefangen hat, und wer Schuld trägt.. Es wird aber immer entscheidend sein, wer damit aufhört.

Kai

Es ist gut, dass sich junge Menschen für ein besseres Klima und unsere Zukunft einsetzen. Es ist nicht gut, wenn das schick und Mode ist, dabei gegen gesetzliche Bestimmungen wie zum Beispiel die Schulpflicht zu verstoßen. Sehr gut fände ich, wenn die Schulen diesen Ball aufnehmen würden und mit den Schülern zu diesen Themen mehr erarbeiten würden. Diese Form der Bildung ist extrem wichtig und hätte den Effekt, dass auf den zukünftigen Saturday for Future-Demos weniger unreifer Mist zutage kommt, sondern daraus eine fundierte Bewegung werden kann die tatsächlich Ergebnisse schafft.

Stephan

Schöner Kommentar, aber auch nicht hilfreich sondern ebenfalls 'nutzlos'. In der Zeit in der dieser Artikel entstanden ist, hätte man auch über mögliche Lösungen nachdenken können , denn Gerede hilft niemandem weiter. So oder so...

Marco

Mehr als peinlich ist es doch, den Jungen vorzuwerfen, dass sie keine Lösungen präsentieren und sich möglicherweise nicht 100%ig klimaneutral verhalten; wir Alten hätten die Aufgabe, Lösungswege mit größerem und ernsthafterem Engagement in die Gänge zu bringen. JedeR einzelne. Jetzt. W i r haben doch den derzeitigen Zustand der Erde zu verantworten. Das waren wir und nicht unsere Enkel!!!

Franziska

Der erste Post den ich zu dem ganzen Thema teile. 100% meine Meinung!!!

Ruth

Vor allem sollten alle Kinder wieder in die Schule gehen und lernen, damit sie dann alles besser machen können.

Christine