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Ohne Zustimmung des Urhebers dürfen in einem Video keine Bilder, Videoausschnitte und Musik verwendet werden. Deswegen wurde die europäische Gesetzgebung geändert. Doch für Youtuber und Fans klingen die Konsequenzen besorgniserregend. Gibt es deswegen nächstes Jahr kein Youtube mehr?

Youtube bald gelöscht?; Foto: dpa/picture-alliance / Montage SWR3

Wird Youtube wegen des neuen Urheberrechtsgesetz untergehen?

dpa/picture-alliance / Montage SWR3

Ein neues Gesetz und ein neues technisches Problem. Denn in der Theorie müsste eine Software – und die dazugehörige Rechnerleistung – in der Lage sein, ein Video komplett anzuschauen, um zuversichtlich sagen zu können: „Das Bild da ist kein Poster im Zimmer des Youtubers, sondern ein rechtlich geschütztes, professionelles Bild, für das der Fotograf gerne Geld hätte.“ Doch das geht in der Praxis nicht. Deswegen könnte es weniger Youtube-Videos geben, weil es zum einen länger dauern wird, bis Videos veröffentlicht werden können oder sie werden erst gar nicht veröffentlicht.

Aber was wurde da in der EU genau beschlossen?

Beschlossen wurden ein Vorschlag in dem sowohl eine Reform des EU-Urheberschutzes als auch ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger enthalten sind. In Zukunft soll es sogenannte Upload-Filter geben. Dass Internetplattformen für illegale Inhalte selbst haftbar sein sollen, haben die Abgeordneten nicht ausdrücklich gestimmt.

In dem Vorschlag steht aber, dass die Verantwortung – also im übertragenen Sinne auch die Haftung – für das Hochladen von Inhalten, bei den Plattformen liegt. Kritiker erwarten deshalb, dass die Plattformen alles tun werden, um keine Rechte zu verletzen – und deshalb Upload-Filter einführen werden.

War es eine klare Entscheidung?

Ja. In Straßburg stimmten Mitte September 438 Abgeordnete für den Vorschlag, 226 votierten dagegen und 39 enthielten sich.

Noch im Juli hatten die Abgeordneten des EU-Parlaments gegen eine Gesetzesfassung, die die Urheberrechtsrechtreform beinhaltete, gestimmt. Diese wurde daraufhin noch mal überarbeitet.

Warum brauchen wir eine Reform des EU-Urheberrechtes?

Das bisherige Urheberrecht stammt aus einer Zeit, in der es das Internet noch gar nicht gab – also auch keine Firmen, die im Netz Geld verdienen. Deshalb soll das Urheberrecht an die heutige Zeit angepasst werden. Zeitungsverlage, Autoren, Plattenfirmen und andere Rechteinhaber sollen durch die neuen Vorschriften zum Urheberrecht fairer für ihre Leistung entlohnt werden.

Wen betrifft das EU-Urheberrecht?

Alle in der Europäischen Union – und natürlich diejenigen, die überhaupt etwas im Internet hochladen. In Zukunft sollen Netzwerke urheberrechtlich Geschütztes nicht einfach so weiterverbreiten dürfen – vor allem nicht ohne zu fragen oder dafür zu bezahlen. Das betrifft vor allem Menschen, die in der Kreativbranche tätig sind und zum Beispiel Musik oder Designs ins Internet stellen.

Was könnte sich durch das neue Urheberrecht ändern?

Das Internet, wie wir es kennen, könnte durch die Reform sehr viel beschränkter werden: Denn wenn künftig alles, was wir in sozialen Netzwerken hochladen wollen, vorab gefiltert und möglicherweise gar nicht veröffentlicht wird, wird die Vielfalt der Inhalte sehr wahrscheinlich zurückgehen.

Was bedeutet Leistungsschutzrecht?

Das Leistungsschutzrecht soll Leistungen von Presseverlagen im Netz schützen. Sprich: Suchmaschinen (vor allem Google) und andere Sammel-Seiten sollen Verlagen Lizenzgebühren zahlen, wenn sie in ihren Suchergebnissen Presseartikel verlinken und kurze Textausschnitte daraus anzeigen – in ganz Europa. Damit sind die kleinen Vorschauen gemeint, in denen uns zum Beispiel Artikel in der Vorschau der Suchmaschinen als Ergebnisse angezeigt werden.

Im Gegensatz zu dem Urheberrecht beschränkt sich das Leistungsschutzrecht auf Vorschauen von Texten von Presseverlagen – gilt also zum Beispiel nicht für urheberrechtlich geschützte Erzeugnisse der Kreativbranche.

Gibt es auch Kritik gegen diesen Beschluss?

Ja. Auf der einen Seite sprechen viele vom „Schutz für Kreative“ im Internet – Kritiker haben dagegen Angst vor einer Beschneidung der Meinungsfreiheit im Internet.

Gerade was das Leistungsschutzgesetz angeht, gibt es Kritik: Es sei nicht effizient genug. In Deutschland gibt es das Leistungsschutzrecht schon seit 2013. Doch die Verlage haben damit bis heute fast nichts verdient.

Autor
Svenja Maria Hirt
Autor
Laura Bisch
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Kai Karsten
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SWR3