Autor
Alexander Winkler
Alexander Winkler; Foto: SWR3 – Stephanie Schweigert
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Selbst wer seine Handynummer nur aus Sicherheitsgründen im Facebook-Profil hinterlegt hat, kann jetzt von anderen darüber gefunden werden. Es gibt (fast) kein Entkommen.

Wer seinen Facebook-Account davor schützen will, falls sein Passwort gehackt wird, der kann das mit der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung tun. Dabei wird bei der Anmeldung neben dem Passwort noch ein Einmal-Code abgefragt, der zum Beispiel per SMS aufs Handy geschickt wird. Bisher war es möglich, die eigene Mobilnummer bei Facebook ausschließlich dafür zu hinterlegen. Der eigene Account konnte von Anderen aber nicht über diese Telefonnummer gefunden werden.

Seit Kurzem ist das anders

In unseren Privatsphäre-Einstellungen fragt Facebook: „Wer kann mithilfe der von Dir zur Verfügung gestellten Telefonnummer nach Dir suchen?“. Als Optionen gibt es Alle, Freunde von Freunden und Freunde. Die Auswahlmöglichkeit Niemand gibt es nicht mehr. Diese Änderung hat Facebook nicht offiziell bekannt gegeben, entdeckt hat sie der britische Online-Unternehmer Jeremy Burge.

Warum ist das ein Problem?

Die konkreten Auswirkungen dieser Änderung sind zunächst überschaubar: Mit der Einstellung Freunde kann nur ein*e Bekannte*r, mit dem wir sowieso schon auf Facebook befreundet sind UND der das eigene Handy-Adressbuch mit Facebook synchronisiert, auch unseren Account finden. Über die Suchleiste lässt sich das eigene Profil aber auch weiterhin weder über Telefonnummer noch über die E-Mail-Adresse finden.

Problematischer ist hingegen, dass die Voreinstellung zunächst so gesetzt ist, dass die Nummer für Alle auffindbar ist. Außerdem verdeutlicht die kleine Anpassung, wie wichtig die Telefonnummer mittlerweile für Facebook als Konzern ist.

Die Handynummer wird zum Herzstück unseres Facebook-Profils

Bereits im Januar wurde bekannt, dass Facebook den eigenen Messenger mit den Chats der Konzerntöchter Instagram und WhatsApp vereinen will. Durch die neueste Änderung wird nun immer deutlicher, dass die Handynummer zum zentralen Identifizierungsmerkmal wird, anhand der unsere Profile verschmolzen werden können.

Außerdem bietet Facebook Werbepartnern an, ihre Datensätze mit den Facebook-Daten abzugleichen, um dann zielgerichtet Werbung an uns auszuspielen. Unsere Mobilfunknummer wird deswegen auch für andere Unternehmen immer wichtiger.

Handynummer entfernen: die Lösung?

Seit Jeremy Burge die Änderung aufgedeckt hat, muss Facebook mal wieder viel Kritik einstecken. Inwiefern das Vorgehen mit den europäischen Datenschutzregeln vereinbar ist, ist zudem offen. Wer sich selbst schützen will, kann in den Facebook-Einstellungen zur Zwei-Faktor-Authentifizierung auch die Telefonnummer entfernen und stattdessen eine App oder Wiederherstellungscodes verwenden.

Dass Facebook anschließend unsere Nummer nicht mehr hat, ist aber unwahrscheinlich, wie der Konzern sogar selbst zugibt. Und das gilt sogar, wenn wir gar keinen Facebook-Account besitzen.


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Alexander Winkler
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SWR3