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Weltweit verzichten Menschen beim Bezahlen immer öfter auf Münzen und Scheine und nutzen ihr Handy. Das klappt zum Beispiel mit Apple oder Google Pay. In Deutschland geht es nicht ganz so schnell, doch jetzt geht es einen großen Schritt voran!

Grund ist eine neue Kooperation zwischen dem Google-Konzern und dem Bezahldienst PayPal. In der Praxis ist es ab jetzt für über 20 Millionen Nutzer möglich, an der Kasse einfach mal kurz das Handy aufzulegen und so die Rechnung für Einkäufe zu bezahlen. Die technischen Vorrausetzungen dafür gibt es schon seit einiger Zeit, inzwischen sind auch die allermeisten Kassen dazu in der Lage, nur die Banken und der Google Konzern wollten sich nicht einigen.

Google Pay denkt auch an Kreditkartenmuffel

Interessant ist das Angebot auch für Menschen, die keine Kreditkarte nutzen wollen. Es reicht das Bankkonto bei PayPal zu hinterlegen, um dann anschließend mit dem Handy zu bezahlen. Wer also mal das Zahlen mit dem Handy ausprobieren möchte, braucht nur ein NFC-fähiges Handy mit Android-Betriebssystem (haben die meisten Handys ab Frühjahr 2016) und die beiden Apps Google Pay und PayPal. Dann einfach im Browser oder auf dem Handy eine der beiden Apps öffnen und dort PayPal als Zahlungsmethode für Google Pay hinzufügen.

Kooperation von google mit Mastercard; Foto: dpa/picture-alliance

GooglePay, Pay Pal und Mastercard verbinden sich, um bezahlen mit dem Handy beliebter zu machen

dpa/picture-alliance

Deutsche lieben ihr Bargeld

Erfahrungsgemäß wird für viele deutsche Nutzer die technische Hürde überschaubar sein. Tatsächlich wird das mit der Bezahlung per Handy von heute auf morgen bei uns nicht ändern. Gerade Deutschland ist beim Bezahlen ziemlich konservativ. Selbst EC-Karten werden bei uns verhältnismäßig wenig genutzt. Wir zahlen unglaublich viel mit Bargeld. Die aktuellen Zahlen der Bundesbank zeigen: In fast 80 Prozent der Fälle zahlen wir Deutschen mit Geldscheinen oder Münzen. Damit landen wir im internationalen Vergleich auf Platz 2 der Bargeldfetischisten, hinter Österreich. Zum Beispiel in Skandinavien wird nicht mal mehr ein Drittel aller Bezahlvorgänge mit Bargeld erledigt und sogar die Kollekte in der Kirche läuft zum Beispiel in Schweden übers Smartphone.
Laut einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) trugen die Deutschen 2016 im Schnitt 103 Euro im Geldbeutel mit sich – die meisten anderen Europäer haben nur noch 65 Euro dabei.

PayPal gilt als sicher

Ein Grund, warum lieber mit Scheinen und Münzen bezahlt wird, ist auch die Angst, dass Diebe mit einem Kartenleser mal eben im Vorbeigehen Geld vom Handy abbuchen könnten.
Zum einen ist das technisch unwahrscheinlich, wenn das Handy mit einem Pin-Code gesperrt ist. Und auch die neue PayPal-Methode ist mit einem zusätzlichen Pin-Code geschützt, der ab einer gewissen Beitragshöhe auch noch einzugeben ist.

Bargeld macht sparsamer als mobiles Bezahlen

Mit dem Handy bezahlen ist bequem, praktisch und beseitigt auch den langfristigen Aufwand, den es mit Scheinen und Münzen gibt. Einen Nachteil hat es auf alle Fälle: Studien haben erwiesen, wer einfach nur noch Handy oder Kreditkarte hinhält, neigt dazu, nicht so sparsam einzukaufen, wie Menschen, die noch einen echten Geldschein an der Kasse hinlegen.

Autor
Kai Karsten
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SWR3