Autor
Christine Langer
SWR3.Online-Redakteurin Christine Langer; Foto: SWR3 - Stephanie Schweigert
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Eltern sind stolz auf ihre Babys. Manche Eltern sind dazu noch geschäftstüchtig: Bei Instagram hatte ein Baby schon vor seiner Geburt mehr als 125.000 Follower. Unglaublich? Das steckt hinter der Story.

Halston Blake Fisher war noch nicht auf der Welt, da hatte sie schon ihren eigenen Instagram-Account. Kurz vor ihrem Geburtstermin Anfang März folgten Halston Blake dort schon über 115.000 Menschen. Denn: Ihre Eltern sind selbst ziemlich erfolgreich auf der Plattform.

Mutter Madison hat 776.000 Abonnenten, Papa Kyler immerhin 370.000. Und dann sind da noch die eineiigen Zwillingsschwestern Taytum und Oakley. Zweieinhalb Jahre alt. Followerzahl bei Instagram: 2,5 Millionen! Da muss man als drittes Kind in der Familie natürlich früh anfangen mit dem Aufbau der eigenen Online-Gefolgschaft. Die Follower haben bisher aber nur einen einzigen Post zu sehen bekommen: den Geburtstermin und eine Grafik mit dem Namen.

Dafür ist auf dem Account der Eltern und der Zwillinge schon mehrmals gepostet worden, dass sie sich auf die kleine Schwester freuen. „Wir konnten heute unsere Baby-Schwester zum ersten Mal sehen“, steht bei dem Foto dabei, auf dem die Zwillinge Ultraschall-Bilder anschauen. Und dann folgen dem neuen Baby-Account eben auch schnell mal tausende von Leuten.

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„The Fish Fam“ als Vermarktungsmaschine

Bei YouTube folgen dem Kanal von Kyler and Madison Fisher sogar mehr als drei Millionen Nutzer. Wenn man sich dort Videos mit ihren Kindern anguckt, ist klar: Oft werden Produkte beworben. Genauso wie bei Instagram. Da schnallen die Zwillinge ihre Puppe in ihrem „Lieblingskindersitz“ von einem bestimmten Hersteller an oder machen mit Papa eine Kreuzfahrt.

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Kreuzfahrtanbieter und Kindersitzhersteller haben für die Posts bezahlt. Zwischen 10.000 und 20.000 US-Dollar bringt so ein bezahlter Werbepost den Eltern ein. Das hat Papa Kyler der New York Times in einem Interview gesagt. Bei YouTube kommt demnach nochmal mehr Geld in die Familienkasse – bis zu 50.000 US-Dollar.

Ach ja: Merchandise der „Fish Fam“ – so nennt sich Familie Fisher als Marke – gibt es auch: T-Shirts, Hoodies, Hüllen fürs Smartphone – alles mit dem „Fish Fam“-Schriftzug. Das Familien-Business scheint zu laufen.

Kidfluencer ist das neue Schlagwort

Aus Influencer ist das Wort „Kid-fluencer“ geworden: Kinder, die andere Nutzer im Netz beeinflussen, egal ob Eltern oder andere Kinder. Vor allem in den USA haben Firmen es inzwischen auf die Kleinsten als Werbeträger abgesehen.

Die Influencer-Kinder sind oft von Geburt an im Netz präsent. Kyler Fisher erzählt in einem seiner YouTube-Videos, dass die Geburt von Kind Nummer 3 kurz bevorsteht. Und fügt aufgeregt hinzu: „It’s our first Baby on camera“ – die Geburt von Halston Blake wird es als Video bei YouTube geben. Und ab dann gehört für sie die Präsenz im Internet vermutlich einfach zum Alltag.

Kinder haben Recht auf Privatsphäre

In Deutschland haben Kinder fast alle Rechte, die Erwachsene auch haben. Und sie haben spezifische Rechte, was ihre Privatsphäre angeht. Luise Meergans vom Deutschen Kinderhilfswerk nennt im Gespräch mit SWR3 außerdem die Kinderrechtskonvention. Dort ist festgeschrieben, dass Kinder ein Recht auf Beteiligung haben – bei allen Dingen, die sie persönlich betreffen. Bei der Darstellung von Kidfluencern wie den Zwillingen Taytum und Oakley sieht Luise Meergans eindeutig eine Verletzung der Privatsphäre der Kinder.

Rechtliche Schritte schwierig

In Deutschland sei zwar alles klar geregelt, so Meergans. Das heißt allerdings: Bis Kinder 14 sind, haben sie wenig Chancen ihre Recht einzuklagen, weil im Grundgesetz steht, dass die Erziehung in erster Linie Aufgabe der Eltern ist und nicht die der Kinder selbst oder des Staates.

Tipps: Was sollten Eltern bei Kinderfotos im Netz beachten?

Wer Fotos seiner Kinder ins Internet stellt, sollte ein paar Regeln beachten, die das Deutsche Kinderhilfswerk empfiehlt:

  1. Bezieht die Kinder immer ein. Ist das Kind dafür zu klein, muss das Foto noch warten.
  2. Vermeidet, das Gesicht des Kindes zu zeigen.
  3. Personenbezogene Daten vermeiden: keine Namen, keinen Wohnort, auch nicht den Namen des Kindergartens nennen.
  4. Überlegen: Wäre das ein Bild, das ich auch von mir selbst ins Internet stellen würde. Keine peinlichen, unangenehmen oder unangemessenen Situationen zeigen.
  5. Regelmäßig die Privatsphäre-Einstellungen überprüfen, damit man ggf. Änderungen mitbekommt.
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Christine Langer
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SWR3