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Kira Urschinger (Foto: SWR3)

Rund um Mundschutz und Atemmasken herrscht viel Verwirrung. Erst hieß es, die Masken bringen nichts. Dann, sie würden nur andere schützen. Und nun ist das Tragen einer Maske in allen Bundesländern und den meisten Nachbarländern zum gewohnten Bild geworden. Wir machen den Mundschutz-Faktencheck.

In Deutschland gilt seit April eine Maskenpflicht im ÖPNV und beim Einkaufen. Seitdem kamen viele öffentliche Räume wie Schulen, Wochenmärkte und Restaurants dazu.

Das ändert nichts daran, dass irgendwie nicht so richtig klar zu sein scheint, was der Mundschutz eigentlich bringt und welche Auswirkungen er auf das Infektionsrisiko hat. Der Mundschutz ist wohl der Kaffee der Corona-Krise – in regelmäßigen Abständen sagen Experten entweder, dass es besonders viel bringt für die Gesundheit oder eben gar nichts. Und genauso wie bei den viel gelesenen Kaffee-Studien sind wir am Ende auch nicht so viel schlauer als vorher.

Was wir zum Mundschutz sicher wissen

Abstand zu halten bringt am meisten

Abstand zu halten ist grundsätzlich die sicherste Methode, um sich nicht anzustecken und auch andere Menschen nicht zu gefährden. Deshalb gibt es auch keine große Debatte um Mundschutz im Freien, es geht in Deutschland um Situationen, in denen Menschen den Abstand nicht einhalten können – zum Beispiel in Bus und Bahn oder im Supermarkt.

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Hygieneregeln sind wichtig

Neben dem Abstand sind sich Experten einig: Selbst wenn Leute einen Mundschutz tragen, darf das nicht andere Hygienemaßnahmen ersetzen. Hände wachsen, in die Armbeuge niesen oder husten – diese gebetsmühlenartig wiederholten Tipps sind genauso wichtig wie oft erwähnt und schützen im Zweifel immer besser vor Infektionen als ein Mundschutz.

Mundschutz schützt mich nicht vor einer Erkrankung

Es gibt keine Studien, die eindeutig bestätigen oder widerlegen, dass ein Mundschutz mich davor schützen würde, mich mit dem Coronavirus (oder anderen Erkrankungen, die durch Tröpfcheninfektionen übertragen werden) anzustecken. Das sagen auch keine Experten, die Mundschutz empfehlen – dabei geht es höchstens um den Schutz meines Umfeldes, also wenn ich selbst krank bin und niemanden infizieren will.

Anwendungsfehler machen alles hinfällig

Einen Mundschutz zu tragen allein reicht noch nicht, man muss es auch richtig machen: Häufig ziehen Leute sie falsch an oder aus. Wie bei Einmalhandschuhen ist das einer der größten Fehler, der letztlich alles kaputt macht, was es mal hätte helfen können.

Die Bedeckung muss durchgehend eng anliegend über Mund und Nase getragen und bei Durchfeuchtung gewechselt werden; sie darf während des Tragens nicht (auch nicht unbewusst) zurechtgezupft werden und auch nicht um den Hals getragen werden.

Robert-Koch-Institut

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Mundschutz ist wichtig für medizinisches Personal

Klar ist auch: Professioneller Mundschutz gehört zur Grundausstattung im Medizin-Bereich, das sind die sogenannten FFP2- und FFP3-Masken. Das sind noch einmal andere Masken als die, die vor Supermärkten ausgeteilt werden oder man sich selbst basteln kann. Allerdings tragen nicht alle Ärzte oder Pfleger, die mit Patienten in Kontakt sind, diese Modelle – es werden auch weniger spezialisierte OP-Masken verwendet. Die sind in solchen Berufen so wichtig, dass Experten dringend empfehlen, diese als Privatperson nicht wegzukaufen, was vor Allem in den ersten Monaten der Pandemie ein großes Problem war.

Das war auch einer der wichtigen Gründe, warum das Tragen einer Maske oder auch die Einführung einer Mundschutzpflicht zu Beginn vielfach kritisiert und abgelehnt wurde. „Sie würde dazu führen, dass wir denjenigen Masken entziehen, die sie dringender benötigen, etwa Pflegekräften und Krankenhauspersonal“, sagte Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, zur Neuen Osnabrücker Zeitung.

Video: Lungenarzt erklärt unterschiedliche Masken

Was wir zum Mundschutz nicht sicher wissen

Mundschutzmasken können andere schützen – vermutlich

Wenn Experten Mundschutz empfehlen, dann meist mit dem Argument, dass man zwar nicht sich selbst, sondern andere Menschen schützen würde. Deshalb hieß es zu Beginn der Corona-Pandemie, man bräuchte die Masken eigentlich nicht, wenn man nicht gerade als medizinisches Personal wirklich einen akuten Bedarf dafür hat.

Dann drehten sich die Empfehlungen unter der Annahme, dass es ja aber auch ein Grund sein könne, andere Menschen vorsorglich vor der eigenen Erkrankung zu schützen – insbesondere, wenn Infiziertenzahlen steigen und die Dunkelziffer unklar ist, also die Zahl derer, die das Virus tragen und weitertragen, ohne es unbedingt selbst zu wissen. Und vielleicht auch, um ein Zeichen zu setzen und dem Umfeld zu signalisieren: „Hey, ich gebe Acht auf dich und mich, ich möchte dich nicht gefährden.“

Maske oder nicht? 😷 Laut dem Virologen Christian Drosten ist es in der Bevölkerung noch nicht angekommen, dass Masken eine höfliche Geste sind. . . . #wirbleibenzuhause #stayathome #flattenthecurve #coronavirus #corona #covid19 #coronainfektion #sarscov2 #gesundheit #infektion #händewaschen #händedesinfizieren #desinfektion #desinfizieren #viren #waschdirdiehände #virus #washyourhands #socialdistancing #abstandhalten #christiandrosten #virologe #maskeauf #selbstgenähtemaske #atemschutzmaske #schutzmaske #schutzmaskenähen #maskenähen #selbstgenäht

Das Robert-Koch-Institut (RKI) wies darauf hin, neben dem Mund-Nasen-Schutz die sonstigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht zu vergessen. Das Tragen der Maske könne zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen, hieß es vom Institutspräsidenten Lothar Wieler, vielleicht würde man darüber hinaus also die sonstigen Hygieneregeln weniger wichtig nehmen.

Die Weltgesundheitsorganisation war zu Beginn der Pandemie skeptisch, revidierte diese Meinung im Juni aber. Sie empfiehlt auf der Website, das Tragen einer Maske zu einem selbstverständlichen Teil in der Interaktion mit anderen Menschen zu machen.

Die ursprüngliche Äußerung, eine Maske sei bei Personen ohne Symptome nicht nötig, da sie nur andere Menschen schütze, konnte so nicht gehalten Werden. Denn wer bei Krankheit eine Maske tragen soll, kann das ja gar nicht tun, solange man gar nicht weiß, ob eine Krankheit vorliegt. Und genau das ist bei COVID-19 der Fall. Denn die Krankheit bricht nicht sofort aus, sobald man sich angesteckt hat. Und: Ein milder Verlauf ist gar nicht unbedingt von einer Erkältung oder Grippe zu unterscheiden.

Schon Anfang April hat das RKI seine Einschätzung geändert und das Tragen von Masken empfohlen:

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Leben kann dazu beitragen, die Ausbreitung von COVID-19 in der Bevölkerung zu verlangsamen und Risikogruppen vor Infektionen zu schützen.

Allerdings nur unter den genannten Einschränkungen:

  • Dass möglichst viele Menschen eine Maske tragen,
  • dass die Maske richtig getragen wird,
  • keinem Klinikpersonal professioneller Mundschutz weggekauft wird,
  • weitere Hygieneregeln beachtet werden.

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Das RKI betont außerdem, dass die Masken sinnvoll sein können, wenn „mehrere Menschen in geschlossenem Räumen zusammentreffen und sich dort länger aufhalten (z.B. am Arbeitsplatz) oder der Abstand von mindestens 1,5 m zu anderen Personen nicht eingehalten werden kann (z.B. in Geschäften, in öffentlichen Verkehrsmitteln).“

Studien zu Mundschutz und der Wirksamkeit von Masken

Tatsächlich gibt es bislang keine Studie, die eindeutig belegt oder widerlegt, wie viel das Maskentragen wirklich bringt. Hinweise gab eine Untersuchung der Universität Hongkong, hier kommen Forscher im Vergleich zwischen unterschiedlichen Ländern und ihrem Umgang mit Atemmasken zu dem Schluss, dass sie insgesamt einen Nutzen haben – jedenfalls als ein Baustein in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Sie setzen in ihrer Zusammenfassung das Tragen von Masken mit Händewaschen gleich.

Eine andere Studie eines Forscherteams aus China kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass sich Infektionen durch das Tragen von Masken reduzieren lassen. Das bestätigen auch Ökonomen aus Vancouver, die einen Rückgang von Neuinfektionen nach Einführung der Maskenpflicht feststellen konnten.

Anders sieht es Arnold Monto, ein Epidemiologe der der Universität von Michigan – die Tröpfchen, über die das Coronavirus übertragen wird, würden von einer normalen Maske, die nicht dem klinischen Höchststandard (FFP-Masken) entspricht, nicht zurückgehalten, zitiert die Fachzeitschrift Science.

Die Bauhaus-Universität Weimar hat einen Versuch gemacht, bei dem sie testeten, wie viel Atemluft durch die Maske durch kommt im Vergleich dazu, wenn man keine Maske trägt – beim Atmen und beim Husten. Das Video ist eindrücklich, wie viel einerseits schon beim normalen Atmen in die Luft geschleudert wird. Andererseits, wie wenig durchkommt, wenn jemand eine Maske trägt.

In manchen Medien und sozialen Netzwerken wurde dies als Beweis gefeiert. Aber Vorsicht: Die Wissenschaftler räumen ein, dass allein aus dem Ausströmen der Atemluft keine Rückschlüsse auf das Durchdringen von Viren zu ziehen sind:

In Anbetracht der anhaltenden Debatte um den Gebrauch eines Mundschutzes weisen wir ausdrücklich darauf hin: Das Experiment wurde mit einer Staubschutzmaske und einer einfachen OP-Maske bzw. chirurgischen Maske durchgeführt. Zu sehen sind Visualisierungen von Raumluftströmungen, d.h. es können auf Basis des Videos keine medizinischen Aussagen bezüglich der Wirksamkeit eines Maskenschutzes getroffen werden. Ob und wie Tröpfchen durch das Material diffundieren muss in weiteren Untersuchungen getestet werden.

Bauhaus-Universität Weimar

Einen Beweis gibt es also bislang nicht. Untersuchungen befassen sich außerdem oft mit unterschiedlichen Maskentypen:

  • Atemschutzmasken nach FFP-Standard (für medizinisches Personal, schützt mit Ventil den Träger vor Ansteckung, ohne Ventil das Gegenüber des Trägers)
  • medizinischer Mund-Nasen-Schutz oder OP-Masken (schützen vermutlich, aber noch nicht komplett nachgewiesen das Gegenüber des Trägers vor Ansteckung oder minimieren das Risiko)
  • selbstgebastelte Masken, Alltagsmasken oder Community masks (schützen je nach verwendetem Material das Gegenüber besser oder schlechter. Hier gibt's mehr Infos zu selbstgebastelten Masken.)

Das macht es in der Debatte so schwer, eine konkrete Anweisung und einzig richtige Antwort zu formulieren. Weil bei den Empfehlungen offizieller Stellen auch viele Faktoren zusammenkommen – Rücksicht auf medizinisches Personal, falsche Anwendungen beim Tragen und ausziehen als Risikopotential; die Frage, ob Menschen Hygieneregeln verletzten, wenn sie sich mit einer Maske zu sicher fühlen – sind auch die Aussagen der Experten nicht immer offensichtlich nachvollziehbar.

Selbstgebastelte Masken können helfen – vielleicht

Unter der Voraussetzung der vorangegangenen Diskussion stellt sich die Frage, ob denn auch die selbstgebastelten Masken etwas taugen. Das ist wohl sehr stark abhängig vom Material. Denn Materialien sind unterschiedlich durchlässig. Insbesondere Baumwolle ist sehr grobporig, erklärt Lungenarzt Jens Mathews für SWR3. Auch nass sollten die Stoffe nicht werden, sonst bringt es gar nichts mehr.

Video: Experiment – Hilft ein Mundschutz gegen Corona?

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