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Schon bevor überhaupt ein Corona-Impfstoff für Kinder freigegeben ist, wird darüber diskutiert, ob Kinder überhaupt geimpft werden sollten. Was spricht dafür, was dagegen?

In den Vereinigten Staaten ist der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer bereits für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. In Europa wurde die Zulassung des Impfstoffes für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren zwar schon beantragt – die Zulassung steht aber noch aus. Bisherige Studien weisen auf eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit des Biontech/Pfizer Impfstoffes bei Kindern hin. Trotzdem ist die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland einer Impfung bei Kindern gegenüber skeptisch.

Bisher kaum Studienergebnisse zur Corona-Impfung bei Kindern

Auch die Hersteller Johnson und Johnson, Astrazeneca und Moderna haben Studien gestartet, in denen die Wirksamkeit ihrer Impfstoffe bei Kindern getestet wird. Vor dem Sommer wird es aber voraussichtlich keine validen Ergebnisse geben, sagt SWR-Wissenschaftsredakteur David Beck.

Was spricht für eine Corona-Impfung bei Kindern?

„Wir kriegen die Pandemie wahrscheinlich auch nicht unter Kontrolle, solange nicht genügend Kinder und Jugendliche immun sind. Entweder durch Impfung oder eine durchgemachte Infektion“, sagt Wissenschaftsredakteur David Beck. Immerhin machen Kinder und Jugendliche 15% unserer Landesbevölkerung aus.

Es ist verständlich, dass Eltern sehr um den Schutz ihres Kindes bzw. ihrer Kinder besorgt sind. Aber gerade deshalb ist es wichtig, Kinder zu impfen, findet David Beck. Denn: nur wenn Kinder geimpft werden, können seltene und sehr seltene Nebenwirkungen eines Impfstoffes herausgefunden werden und die Risiken besser eingeschätzt werden.

Zu sagen 'Ja, Kinder sollen damit geimpft werden, damit wir herausfinden, ob der Impfstoff auch sicher ist – aber bitte nicht meine' ist egoistisch.

Auch das Argument, dass Kinder voraussichtlich gar nicht so schwer am Coronavirus erkranken wie Erwachsene, ist nur zum Teil zu berücksichtigen. Bei einer Impfung geht es nämlich nicht nur um den Schutz des Einzelnen, sondern vor allem auch um die Unterbrechung von Infektionsketten. Eine Impfung dient also dem Schutze der Allgemeinheit. Durch Kitas, Kindergärten und Schulunterricht haben Kinder viele unterschiedliche Kontakte, bei denen nicht immer die Hygiene und Abstandsregeln eingehalten werden können. Dadurch ist das potenzielle Ansteckungs- und Verbreitungsrisiko sehr hoch, deshalb ist es wichtig auch hier mit Hilfe von Impfungen die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Was spricht gegen eine Corona-Impfung bei Kindern?

Nur um andere zu schützen, sollten Kinder nicht geimpft werden. Sie müssen auch einen eigenen Nutzen davon haben, wenn sie geimpft werden. Dieser ist häufig nicht gegeben, weil Kinder eben von dem Coronavirus selbst nicht so schwer betroffen sind, findet SWR-Wissenschaftsredakteurin Veronika Simon.

Man muss sich sehr sicher sein, um den Eltern guten Gewissens zu raten, ihre Kinder trotzdem impfen zu lassen. Eigentlich geht das nur, wenn das Risiko durch die Impfung quasi gleich null ist. Doch das kann man aktuell noch nicht ganz sicher sagen.

Um genau das zu belegen, fehlen aktuell noch die Studienergebnisse. Deshalb sollten zuerst die Menschen geimpft werden, die durch das Virus selbst sehr stark gefährdet sind und selbst den größten Nutzen davon haben. So sieht das auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Darüber hinaus ist klar, dass das langfristige Ziel die Herdenimmunität in der Bevölkerung ist. Dafür ist jeder und jede Geimpfte wichtig, egal wie alt. Berücksichtigt werden muss dabei jedoch, dass die Sicherheit der Impfungen bei Kindern wichtiger ist, als der passive Schutz von Erwachsenen. Vor allem da diese die Möglichkeit haben, selbst darüber zu entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen oder nicht. Da Kinder diese Entscheidung eben nicht treffen können, muss es hier besonders wichtig sein, dass diese eben einen direkten Vorteil von einer Corona-Impfung haben.

Und wenn alle relevanten Gruppen wie Lehrer*innen, Trainer*innen und Elternteile, die im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen stehen, geimpft sind, gibt es aus medizinischer Sicht keine Eile mehr für eine Impfung bei gesunden Kindern und Jugendlichen.

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