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Isabel Gebhardt
Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)

In Österreich kaufen immer mehr Menschen ein vor allem in der Tiermedizin eingesetztes Anti-Wurmmittel. Damit wollen sie sich vor Corona schützen – aber das ist gefährlich.

In Oberösterreich ist die Nachfrage nach dem Mittel so groß, dass es mittlerweile zu Lieferengpässen kommt. „Ivermectin ist immer wieder ausverkauft – und das, obwohl es rezeptpflichtig ist“, zitiert das Portal OÖ Nachrichten den Präsidenten der Oberösterreichischen Apothekerkammer, Thomas Veitschegger.

Gefährliche Empfehlung von FPÖ-Chef

Hintergrund ist die falsche Annahme, dass das Anti-Wurmmittel einen schweren Verlauf von Covid-19 abmildern kann. Das hatte Anfang November unter anderem Herbert Kickl, der Chef der FPÖ, behauptet.

Seine Partei lehnt die Corona-Maßnahmen der österreichischen Regierung ab. Anfang November sagte Kickl deshalb, es müsse einen „Plan B“ gegen das Virus geben. Aus seiner Sicht solle auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 statt auf die Impfung gesetzt werden, so Kickl. Dabei nannte er als Medikament, das gegen die Krankheit eingesetzt werden könnte, das Anti-Wurmmittel Ivermectin.

Kein Nutzen von Ivermectin nachgewiesen

Doch damit widerspricht Kickl der medinzinischen Lehrmeinung. Es gibt keinen Beweis, dass Invermectin gegen Corona wirkt. Nach Angaben von Forschenden der Universität Würzburg gibt es keine Hinweise darauf, dass das Mittel den Zustand von Erkrankten verbessert oder die Zahl der Todesfälle reduziert.

„Ein Nutzen ist wissenschaftlich nicht belegt“, sagt auch der Infektiologe Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing. Beim Redaktionsnetzwerk Deutschland wird er weiter zitiert:

In Deutschland kommen alle Fachgremien zum Schluss, dass der Wirkstoff keine Vorteile hat.

Einnahme kann gefährlich werden

In Österreich gibt es nun auch immer mehr Berichte, dass es zu Vergiftungen durch die falsche Einnahme von Ivermectin kommt. Viele Leute nähmen das Medikament völlig falsch ein, so Apotheker Veitschegger. Das Problem: Die Dosis sei für große Tiere wie Pferde gedacht – nicht für Menschen.

Bereits im März warnte das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen vor dem Einsatz von Ivermectin gegen Corona. Auch das RKI und die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) rät von der Einnahme von Ivermectin außerhalb kontrollierter Studien ab.

Auch in den USA steigt die Nachfrage

Trotzdem scheint es immer mehr Menschen zu geben, die auf das Medikament setzen. Auch die US-Gesundheitsbehörde FDA berichtet schon länger von einem zunehmendem Hype um das Mittel.

Ihr seid keine Pferde. Hört auf damit!

Auch in den USA kommt es bei der Einnahme zu Problemen. Konkret heißt es von der FDA: Bei Patientinnen und Patienten sei es zu Vergiftungen, Zitteranfällen und Halluzinationen gekommen. Betroffene hätten teilweise mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden müssen.

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