STAND
AUTOR/IN

Die Luca-App war zuletzt stark in der Kritik: IT-Profis, etwa vom Chaos-Computer-Club, aber auch Satiriker Jan Böhmermann zeigten unter anderem Schwachstellen beim Datenschutz auf. Jetzt äußert sich Luca-Unterstützer Smudo zur Kritik.

Seit Wochen macht die Luca-App Schlagzeilen. Sie ist für viele eine Alternative zur offiziellen Corona-Warn-App geworden. Zuletzt häufte sich allerdings die Kritik an der App, die Fanta-Vier-Mann Smudo bekannt gemacht hat. Der Chaos-Computer-Club (CCC) beispielsweise hatte gefordert, keine Steuermittel mehr für die Luca-App auszugeben und sprach von einer „nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen“.

Luca-Unterstützer Smudo weist Kritik zurück

Gegenüber dem SWR äußerte sich jetzt erstmals Smudo zu der Kritik. Der CCC sei schrill in seinen Behauptungen, es gebe keine gravierenden Sicherheitsmängel bei der App. „Luca ist sehr sicher“, so der Hamburger Musiker. Auch die deutschlandweite Datenschutzkommission stehe hinter der App. Man nehme allerdings jede Kritik ernst und habe Fehler in der App umgehend behoben.

Im Kern ist Luca ein sehr sicheres System. Es gab bisher keine großen Sicherheitsmängel. Kleinigkeiten wurden sofort behoben.

Smudo zeigte sich zufrieden, dass immer mehr Menschen in Deutschland die Luca-App nutzen. „Ich bin stolz“, so Smudo.

Luca-Macher veröffentlichen Programmcode

Die Entwickler der App haben inzwischen außerdem den Quellcode vollständig veröffentlicht. Seit Mittwochabend ist der Code der Luca-App auf der Plattform GitLab einsehbar. Er kann damit nun von unabhängigen Stellen überprüft und mögliche Probleme können schnell identifiziert werden. Dass der Code bisher nicht öffentlich war, hatten IT-Experten wiederholt kritisiert.

Smudos Luca-App: Vielfach kritisiert

Fehlende Transparenz ist allerdings nur einer der Kritikpunkte an der Luca-App. Vor allem ging es bei der Kritik um vermeintliche Datenschutzlücken. Denn anders als bei der Corona-Warn-App der Bundesregierung werden bei der Luca-App die Nutzerdaten gespeichert und im Risiko-Fall an die Gesundheitsämter weitergeleitet. Um Risikokontakte nachzuverfolgen, müssen die Ämter dann keine Zettel mit Kontaktdaten mehr auswerten, sondern nur noch die Luca-Daten.

Auch wenn die Daten der Luca-Nutzer dafür mehrfach geschützt und verschlüsselt werden, sind sie auf Servern zentral gespeichert. Damit werden Datenschutzansprüche unterlaufen, die die offizielle Corona-Warn-App erfüllt, so die Kritiker.

Luca-Alternative ohne Smartphone: Auch hier gibt es Kritik

Zuletzt gab es nicht nur Kritik an der Luca-App, sondern auch am Luca-Schlüsselanhänger. Er ist für Menschen gedacht, die kein Smartphone haben und besteht aus einem Kärtchen mit einem QR-Code. In diesem sind die Kontaktdaten der Nutzer gespeichert. Mit dem Schlüsselanhänger lässt sich genau wie mit der App zum Beispiel bei Restaurants oder Friseuren, die Luca nutzen, einchecken.

IT-Experten ist es vor einigen Tagen gelungen, mit dem Foto eines solchen Schlüsselanhängers Bewegungsprofile des Nutzers auszulesen. Sie konnten also nachvollziehen, wo der Nutzer zuvor mit dem Schlüsselanhänger eingecheckt hatte. Die Luca-Macher teilten auf SWR3-Anfrage mit, nach Bekanntwerden hätten sie die Funktion abgestellt, mit der man die Historie der Check-Ins auslesen kann. Die Kontaktdaten der Nutzer seien zu jeder Zeit geschützt gewesen. Die Luca-Macher empfehlen trotzdem, den Schlüsselanhänger vertraulich aufzubewahren.

Jan Böhmermann trickst Luca-App aus

Außerdem hatten zuletzt funktionale Schwachstellen der Luca-App Aufsehen erregt. Der Satiriker Jan Böhmermann hatte die Check-In-Funktion der App ausgetrickst und sich nachts in einen Zoo eingecheckt, obwohl er hunderte Kilometer entfernt war. Allerdings ist ausgerechnet der Datenschutz dafür mitverantwortlich, dass die App so leicht auszutricksen ist.

Um das zu verhindern, könnten die Luca-Macher zum Beispiel die Nutzer auffordern, ihre Personalausweise einzuscannen. Das würde Missbrauch erschweren, sagt Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink, der die Luca-App verteidigt. Denn die App wird auch in Baden-Württemberg eingesetzt. Aus Sicht des Datenschutzes sei eine Speicherung der Ausweisdaten aber keine gute Idee, so Brink.

Eine teils polemische Auseinandersetzung oder ein Wettrennen, wer Systeme am besten täuschen oder missbrauchen kann, ist in der Pandemie aus unserer Sicht nicht hilfreich.

Update bei offizieller Corona-Warn-App

Trotz dieser Kritik setzen immer mehr Bundesländer auf die private Luca-App und bezahlen auch dafür. Nicht nur in Baden-Württemberg, auch in sechs Landkreisen in Rheinland-Pfalz wird sie getestet.

Unterdessen wird aber auch die offizielle Corona-Warn-App der Bundesregierung weiterentwickelt. Vermutlich noch in dieser Woche soll es ein Update geben. Dann könnt ihr auch positive Ergebnisse von Corona-Schnelltests in die App eintragen. Allerdings nur die „offiziellen“ Ergebnisse aus Testzentren oder anderen Einrichtungen, die Schnelltests durchführen, nicht aber die Ergebnisse von Selbsttests.

Außerdem könnt ihr dann auch mit der Corona-App über einen QR-Code an bestimmten Orten „einchecken“. Anders als bei der Luca-App werden die Daten aber nicht gespeichert.

STAND
AUTOR/IN

Meistgelesen

  1. Ab Dienstag wird's richtig heiß Tropennächte und Sahara-Hitze: Jetzt gibt der Sommer Vollgas

    Nach dem feuchten und kühlen Frühling kommt – fast pünktlich zum Sommeranfang – die erste Hitzewelle. Die bringt uns ab Mitte der Woche bis zu 35 Grad.  mehr...

  2. Massachusetts

    Massachusetts Fischer wird von Buckelwal verschluckt – und überlebt

    Die Geschichte klingt unglaublich: Ein Fischer ist in den USA von einem Buckelwal verschluckt und wenig später wieder ausgespuckt worden. Experten halten den Bericht für glaubhaft.  mehr...

  3. Es wird heiß! Der Sommer 2021 dreht auf – und bringt die Tropennächte zurück

    Endlich wieder die ganze Nacht im Bett rumwälzen und nicht schlafen können, weil es so heiß ist?! Dieser (Alb-)Traum kann bald wieder Wirklichkeit werden, denn die Tropennächte sind zurück!  mehr...

  4. Als erste Schwarze Maxim kürt Teyana Taylor zur „Sexiest Woman alive“

    Die 30-jährige Sängerin, Schauspielerin, Tänzerin, Choreografin (...) ist jetzt Teil der Kulturgeschichte – als erste schwarze Frau mit dieser Auszeichnung.  mehr...

  5. Krypto-Blase geplatzt Kryptowährung Bitcoin: Ist der Hype schon wieder vorbei?

    Von knapp 60.000 Dollar ist der Wert eines Bitcoin auf unter 40.000 Dollar gefallen. Ist das Risiko von Verlusten weiter hoch? Oder lohnt es sich erst recht, jetzt einzusteigen?   mehr...

  6. News-Ticker zum Coronavirus G7 liefern bis Ende 2022 2,3 Milliarden Impfdosen an ärmere Länder

    Die Zahl der Neuinfektionen sinkt in Deutschland stetig, gleichzeitig sind immer mehr Menschen geimpft. Deshalb gibt es vielerorts Lockerungen. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es im Corona-Ticker.  mehr...