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Vektor- oder mRNA-Impfstoff – das ist hier die Frage. Jetzt haben Bund- und Länder entschieden, welchen Impfstoff Personen als Zweitimpfung bekommen sollen, die schon mit Astrazeneca geimpft wurden.

Wer unter 60 Jahre ist und mit einer ersten Astrazeneca-Dosis geimpft wurde, der soll für die zweite Impfung nun auf ein anderes Präparat umsteigen. Darauf haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern nun einstimmig geeinigt. Sie folgten damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Die #STIKO empfiehlt: Unter 60-Jährige, die mit #AstraZeneca erstgeimpft wurden, sollen die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten. Der Einsatz von AstraZeneca bleibt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung aber möglich. https://t.co/IOQOhuAcd8

Bei den Beratungen sei klar geworden, dass die Zweitimpfung mit einem einen mRNA-Imfpstoff, also dem Präparat von Biontech/Pfizer oder Moderna, eine gute Basis sei, um die Menschen „wirksam zu schützen“, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek, der Deutschen Presse-Agentur.

Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff nach 12 Wochen

Konkret empfehlen die Gesundheitsminister und die Stiko für Menschen unter 60 Jahren eine Zweitimpfung nach zwölf Wochen. Nur in Einzelfällen und nach einer individuellen Risikoanalyse mit einem Arzt könne auch Astrazeneca bei der Zweitimpfung verwendet werden.

Impfstoffexperte: Geimpfte können guten Immunschutz haben

Wegen des Impfstoffwechsels machen sich viele, die die erste Astrazeneca-Impfung schon bekommen haben, Sorgen. Doch Impfstoffexperte Leif Erik Sander von der Charité in Berlin gibt in SWR3 Entwarnung: „Ich finde es richtig, dass man sagt: Jetzt nicht noch ein zweites Mal diesen Impfstoff geben, der unter Umständen diese Komplikationen auslösen kann. Es ist denkbar, dass es bei einigen Menschen beim ersten Mal nicht aufgetreten ist – es aber bei der zweiten Impfung auftreten könnte.“ Daher finde er den Wechsel richtig, so der Immunologe und Impfstoffforscher. 

Es ist so: Wenn man zwei Impfstoffe kombiniert, kann man häufig beobachten, dass man eine deutlich bessere Schutzwirkung erzielen kann. Von daher glaube ich, ist es eigentlich ein gutes Konzept und die Menschen, die jetzt dann das zweite Mal nicht mit Astrazeneca, sondern mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden, können erwarten, dass sie danach einen sehr guten Immunschutz haben.

Eine Datengrundlage dazu gebe es noch nicht, so Sander. Aber aus seiner Erfahrung erwarte er nicht, dass es Probleme geben könnte. „Das Prinzp ist das selbe. Bei beiden Impfstoffen baut man eine Immunantwort gegen das Stachelprotein des Coronavirus auf. Wenn man es ganz banal sagen würde: Einmal nehmen Sie eine Tablette, einmal eine Kapsel“, erklärt Sander die Unterschiede von mRNA-Impfstoffen und Vektorimpstoffen, zu denen Astrazeneca zählt.

Außerdem habe Astrazeneca eh geplant, den eigenen Impfstoff mit einem mRNA-Impfstoff zu kombinieren, um die Wirksamkeit zu verbessern. „Diese Studien laufen sogar schon“, sagte Sander im SWR3-Interview. Und weiter: „Jetzt macht man das direkt in der Anwendung, weil man dazu gezwungen ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass das ein Konzept werden könnte. Es ist nicht ungewöhnlich Impfstoffe zu kombinieren.“

WHO empfiehlt Kreuzimpfung bisher nicht

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Gegensatz dazu aber bisher noch keine Empfehlung für sogenannte Kreuzimpfungen gegen das Coronavirus ausgesprochen. Es lägen noch keine ausreichenden Daten für mögliche Risiken einer ersten Impfdosis mit Astrazeneca und einem anderen Mittel als Zweitimpfung vor, hatte WHO-Sprecherin Margaret Harris erklärt. Sie bezog sich auf eine vorläufige Empfehlungen eines WHO-Expertengremiums von Februar. Demnach solle vorläufig das gleiche Produkt für beide Impfungen gespritzt werden.

Thrombosen nach Astrazeneca-Impfung: neun Menschen gestorben

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Länder die Impfungen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff für Menschen unter 60 ausgesetzt. Der Grund: Immer wieder ist von seltenen, aber gefährlichen Hirnvenenthrombosen die Rede – vor allem bei Frauen unter 60, in noch weniger Fällen auch bei Männern.

Der Erlanger Virologe Klaus Überla, Mitglied der Stiko, sagte dem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Die Daten sprechen für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung von unter 55-jährigen Frauen mit Astrazeneca und dem Auftreten von Hirnvenenthrombosen bei diesen Frauen - auch wenn das seltene Ereignisse sind.“

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte am Morgen mitgeteilt, man habe inzwischen 31 Fälle von Hirnvenenthrombosen nach Astrazeneca-Impfungen registriert. In 19 Fällen sei zusätzlich ein Mangel an Blutplättchen, eine Thrombozytopenie, gemeldet worden, teilt das PEI auf Anfrage mit. Neun Betroffene seien gestorben. Mit Ausnahme von zwei Fällen beträfen alle Meldungen Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die beiden Männer waren demnach 36 und 57 Jahre alt.

SWR3-Corona-Ticker: Hier findest du alle aktuellen Entwicklungen:

Mehrere Länder setzten Astrazeneca-Impfungen für Jüngere aus

Bald darauf erklärten Berlin, dann auch Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, sie würden die Astrazeneca-Impfungen für Jüngere aussetzen. Andere hatten erst die Entscheidung von heute Abend abwarten wollen.

Verrückt erscheint vielen: Am Anfang war Astrazeneca aufgrund mangelnder Daten bezüglich Älteren für Menschen über 65 verboten. Erst am 11. März empfahl die Ständige Impfkommission den Wirkstoff auch für sie.

Nur wenige Tage später kamen die Gerüchte über Hirnvenenthrombosen vor allem bei Frauen unter 55 Jahren auf – die Astrazeneca-Impfungen wurden ausgesetzt. Vier Tage später dann empfahl ihn die EU-Gesundheitsbehörde EMA nach eingehender Prüfung erneut. Der Nutzen sei deutlich größer, als der Schaden. Seitdem wurde wieder damit geimpft.

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