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In Deutschland wird Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 empfohlen. Was heißt das für die, die ihre Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben? Können Corona-Impfstoffe kombiniert werden? Leif Erik Sander von der Berliner Charité hat Antworten.

Die Bundesregierung empfiehlt, dass nur noch Menschen über 60 mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca geimpft werden sollen.

Was jetzt? Verfällt die erste Impfung und alles fängt nochmal von vorne an? Oder kann Astrazeneca mit einem anderen Impfstoff kombiniert werden? Diese Frage betriff derzeit immerhin rund 2,2 Millionen Menschen in Deutschland. SWR3 hat mit Leif Erik Sander gesprochen, er ist Impfstoffforscher an der Berliner Charité.

SWR3: Seit längerem wird untersucht ob und wie sich Corona-Impfstoffe kombinieren lassen. Wie weit ist die Forschung?

Leif Erik Sander: „Dazu laufen verschiedene Studien, weil das gerade bei den Vektor-Impfstoffen ein gutes Prinzip ist. Wenn sie zweimal denselben Vektor – das sind diese harmlosen Viren, in dem Fall dieses Schimpansen-Adenovirus – spritzen, dann bildet der Körper nicht nur eine Immunantwort gegen dieses Coronavirus, sondern eben auch gegen dieses Vektorvirus. Und dann weiß man, dass die zweite Impfung eigentlich ein bisschen schlechter wirkt. Und wenn man das kombiniert – dann entweder mit einem anderen Vektor oder gar mit einem ganz anderen Impfstoff – dann hilft diese zweite sogenannte Booster-Impfung viel besser.“

Können Corona-Impfstoffe kombiniert werden?

SWR3: Das heißt, eine Kombination von Impfstoffen könnte die ganze Aktion vielleicht sogar nach vorne bringen?

„Ja, ich glaube ich schon, dass sie die Immunantwort – wenn sie das kombinieren – tatsächlich noch einmal stärker boostern können. Ich wäre sehr überrascht, wenn das nicht extrem gut funktionieren würde.“

Empfehlung: Zwölf Wochen zwischen zwei Astrazeneca-Impfungen

SWR3: Bei Astrazeneca gibt es ein längeres Intervall zwischen den beiden Impfungen: maximal zwölf Wochen. Wenn man jetzt eine zweite Impfung mit einem anderen Impfstoff macht: Bleibt es dann bei diesem Zeitintervall?

„Dieses Impfintervall können sie ruhig so lassen. Weil sie haben nach der Erstimpfung mit Astrazeneca nach drei Monaten schon einen ganz ordentlichen Schutz. Und wir wissen auch: Diese Antwort lässt sich boostern, sie lässt sich also noch einmal verbessern durch eine zweite Impfung.

Wir haben gewissermaßen auch schon Hinweise und Erkenntnisse dazu: Weil Personen, die schon einmal eine Coronavirus-Infektion durchgemacht haben und die dann noch einmalig mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden, die kriegen dann eine richtig schöne hohe Immunantwort. Und so ähnlich kann man sich das bei der einmaligen Astrazeneca-Impfungen auch vorstellen.“

Wer kann sich mit Astrazeneca impfen lassen?

SWR3: Es soll die Möglichkeit geben, dass unter 60-Jährige sich mit Astrazeneca impfen lassen – wenn sie vorher gut aufgeklärt worden sind. Wem würden Sie dazu raten?

„Ich hab schon im Gefühl, dass für Männer dieses Risiko geringer ist. Wenn jemand einen Impftermin hat, sich gut aufgeklärt fühlt und das machen würde, kann man das sicher weiter tun. Es ist selbst für Frauen so, dass das individuelle Risiko immer noch sehr, sehr gering ist. Es liegt vermutlich irgendwo bei 1:50.000 oder 1:60.000. Aber auf die Gesamtbevölkerung betrachtet, haben sie dann trotzdem zu viele Komplikationen.“

Corona-Pandemie Astrazeneca-Impfstoff – Neue Hinweise auf Komplikationen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Astrazeneca-Impfstoff nur noch für Menschen ab 60 Jahren. Zu groß sei das Risiko von gefährlichen Sinusthrombosen im Gehirn, vor allem bei jungen Frauen.  mehr...

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