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Hohe Summen, die für Imfpstoffe gezahlt wurden und Taktiken, die ein schnelles Impfen möglich machen. Jedes Land versucht seine Bürger gegen Corona zu impfen. So läuft's im Ausland.

So läuft das Impfen in...

... Großbritannien
... den Vereinigten Arabischen Emiraten
... Serbien
... Israel
... den USA

Großbritannien: Weniger Impfgegner und schnelles Impfen

Hier sind bereits knapp 15 Prozent der Bevölkerung mit der ersten Dosis geimpft, darunter sind fast 90 Prozent der über 70-jährigen. Bei den guten Impfquoten in Großbritannien hat vor allem der Faktor Zeit eine wichtige Rolle gespielt. Großbritannien war das erste Land mit der Zulassung eines Impfstoffes – ganze drei Wochen vor der EU bekam Biontech-Pfizer hier die Zulassung für ihr Präparat. Anfang 2021 wurde dort dann auch noch der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca zugelassen, ebenfalls früher als in der EU. Vorteil: Er kann auch bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden, was die Logistik vereinfacht. Außerdem dürfen auf der Insel Impfstoffe auch von Apothekern verabreicht werden. Zusätzlich zu den großen Impfzentren bieten dort an die 1.000 Praxen, Apotheken und Kliniken Impfungen an. Die Stimmung in Großbritannien gegenüber der Impfung ist positiv, Impfgegner sind auf Grund der hohen Infektionszahlen in der Minderheit.

Der angebliche Impftourismus gegen Corona in den Vereinigten Arabischen Emiraten


Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen mit ihren Impfungen nicht schlecht da – wenn man den Zahlen glaubt, die offiziell veröffentlich werden. Demnach wären knapp 3,7 Millionen Leute von 9,6 Millionen Einwohnern geimpft worden. Viele seien aber skeptisch, erklärt SWR3-Korrespondent Jürgen Stryjak:

„Unter der Hand zweifeln Leute in den Emiraten die Zahlen an. Beziehungsweise sagen sie, dass es Impfengpässe geben würde. In einem Fall erzählte eine Frau, dass der zeitliche Abstand zum Termin für ihre zweite Dosis auf zwei Monate erhöht wurde.“

Generell sind alle Leute im Land dazu berechtigt, kostenlos geimpft zu werden. In der Regel wird der chinesische Impfstoff von Sinopharm verwendet. Vom Anstrazeneca -Impfstoff sind bisher nur kleine Mengen vorhanden, genau wie Dosen von Biontech und Pfizer. In Zusammenghang mit diesem Impfstoff wurden in den letzten Tagen die Impftermine sogar abgesagt oder verschoben.
Gerüchte, dass es dort einen Impftourismus geben soll – also Ausländer, die im Rahmen eines Urlaubes in Dubai gleich die Impfung mitbuchen – seien falsch, sagt Jürgen Stryjak.

„Das stimmt nicht, zumindest nicht offiziell. Für Unsummen Geld kann man in Dubai alles kriegen, aber einen offiziellen Impftourismus gibt es nicht.“

Serbien impft sich auf Platz Nummer drei in Europa

Trotz einiger Startschwierigkeiten liegt Serbien im europäischen Vergleich sehr weit vorne, nämlich auf Platz 3 der geimpften Personen im Land (Stand 3.2.). Im Vergleich: in Deutschland sind auf 1000 Bewohner*innen rund 32,6 geimpft – in Serbien 56,8. Und das obwohl das kleine Land bisher sehr wenig vom Impfstoff der „großen“ Hersteller Biontech und Pfizer und Moderna erhalten hat – trotz seines Status als EU-Beitrittskandidat. Die Regierung in Belgrad hatte dies mehrfach kritisiert und sich dann entschieden einen Alleingang zu gehen – indem es Impfstoff in China und Russland bestellt. So sind bis heute rund eine Million Dosen des chinesischen Herstellers Sinopharm in Serbien angekommen. Mittlerweile ist es der Regierung in Serbien auch gelungen, durch direkte Verhandlungen mit den Herstellern der Impfstoffe insgesamt rund 1,5 Millionen Dosen zu besorgen. Insgesamt sind rund 513.000 Menschen von knapp 7 Millionen Einwohnern in Serbien geimpft (Stand 3.2.).

„Wenn es genug Impfstoff gibt und jeder sich impfen lassen kann, dann sollten privatwirtschaftliche Veranstalter auch...Posted by SWR3 on Wednesday, February 3, 2021

Viel Geld und ein Online-System lässt Israel an der Impfspitze gegen Corona stehen

Statistisch sind von 100 Israelis etwa 60,14 bereits geimpft (Stand 3.2.2021). Das hat mehrere Gründe. Zum einen den Preis, den die israelische Regierung den Impfstoffherstellern gezahlt hat – er liegt weit über dem, was die EU in ihren Verträgen vereinbart hat. Deshalb haben die Hersteller Moderna und Biontech und Pfizer schneller mehr Dosen des Impfstoffes geliefert.

Außerdem verfügt Israel über ein fast komplett digitalisiertes Gesundheitssystem. Die meisten Impftermine werden online vereinbart – und zwar direkt beide Termine, die für das Impfen notwendig sind. Bei der Logistik in den Kliniken und Impfzentren helfen Reservisten der Armee aus. Momentan kann jeder über 35 sich impfen lassen, außerdem werden Schüler zwischen 16 und 18 bevorzugt behandelt, damit sie schneller wieder in die Schule gehen können.

Corona in den USA: Präsident Joe Biden verfehlt wohl sein Impf-Ziel

In den Vereinigten Staaten haben laut neusten Zahlen rund zehn von 100 Menschen mittlerweile eine Impfdosis erhalten. Das macht insgesamt rund 1,32 Millionen Dosen am Tag – mehr als sich zur Zeit Menschen im Land neu mit dem Virus anstecken. Das Versprechen der neuen US-Regierung „100 Millionen Dosen in den 100 ersten Tagen“ zu verabreichen, wird allerdings wohl nicht klappen. Positiver Ausblick: Weitere Impfdosen werden wohl bald ebenfalls auch in Apotheken und sogenannten „medical clinics“ verabreicht. Dabei handelt es sich nicht um richtige Krankenhäuser, aber Einrichtungen, an denen die meisten Amerikaner normalerweise ihre Impfungen erhalten. Bisher werden die Dosen nur in Krankenhäusern oder Impfzentren, zum Beispiel auf Parkplätzen oder in Sportstadien, verabreicht.

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