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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

Biontech und Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson und Johnson – diese vier Impfstoffe sind in Deutschland aktuell zugelassen. Was sind die Unterschiede?

Biontech und Pfizer

Wie wirkt der Impfstoff?

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer ist ein sogenannter mrna-Impfstoff. Das bedeutet: Die genetische Information eines Teils des Coronavirus wird in einem winzigen Fettbläschen in den Körper geimpft. Konkret geht es um die Information zum sogenannten Spike-Protein. Das sind die Stacheln, die in Darstellungen des Coronavirus auf dem kugelförmigen Körper sitzen. Mit dem Spike-Protein wird an Zellen im Körper angedockt und darüber gelangt das Virus in die Zellen. Die genetische Information des Spike-Proteins, die verimpft wird, wird von den Zellen zu diesem Protein umgewandelt und der Körper bildet dagegen Antikörper. Bei einer Infektion mit dem Coronavirus sollen diese dann die Spike-Proteine außer Gefecht setzen, damit das Virus nicht an die Körperzellen andocken kann. Der Impfstoff muss bei -70 Grad mit einer speziellen Kühltechnik gelagert werden.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Der Blick in die klinischen Studien des Impfstoffs von Biontech und Pfizer zeigt: Temporäre Reaktionen nach der Impfung zeigten sich häufiger bei Jüngeren als bei Älteren. Die häufigsten Nebenwirkungen sind demnach:

  • Schmerzen an der Injektionsstelle (mehr als 80 Prozent),
  • Müdigkeit (mehr als 60 Prozent),
  • Kopfschmerzen (mehr als 50 Prozent).
  • Mehr als 30 Prozent gaben Muskelschmerzen und Schüttelfrost an.
  • Bei mehr als 20 Prozent traten Gelenkschmerzen auf,
  • mehr als 10 Prozent meldeten Fieber und eine Schwellung an der Injektionsstelle.
  • In seltenen Fällen gab es nach der Impfung mit Biontech und Pfizer schwere allergische Reaktionen, sogenannt anaphylaktische Schocks.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe, empfiehlt den Impfstoff aber trotzdem für Allergiker. Eine Ausnahme seien Menschen, die allergisch auf Bestandteile des Impfstoffs sind.

Wie viele Dosen stehen in Deutschland und SWR3Land zur Verfügung?

Insgesamt ist für Deutschland bis Ende März eine Lieferung von fast 12 Millionen Impfdosen von Biontech und Pfizer geplant. Laut Bundesgesundheitsministerium sind allerdings noch nicht alle Dosen des Impfstoffs produziert, deshalb können Lieferverzögerungen nicht ausgeschlossen werden. Baden-Württemberg erhält davon bis Ende März fast 1,6 Millionen, Rheinland-Pfalz mehr als 590.000. Für jede Person werden zwei Dosen des Impfstoffs benötigt.

Wie viel kostet der Impfstoff von Biontech und Pfizer?

Die EU-Kommission hält die Preise für die Impfstoffe der einzelnen Hersteller eigentlich geheim. Der Tweet einer belgischen Politikerin sorgte im Dezember für Ärger – sie veröffentlichte die Preisliste, löschte den Tweet aber kurz darauf wieder. Nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten liegt der Preis für eine Impfdosis von Biontech und Pfizer demnach bei 12 Euro.

Moderna

Wie wirkt der Impfstoff?

Der Impfstoff von Moderna ist ein sogenannter mrna-Impfstoff – genauso wie der von Biontech und Pfizer. Hier erklären wir, wie er wirkt.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Die klinische Studie der dritten Testphase des Impfstoffs von Moderna zeigt: Auch hier gab es bei Jüngeren mehr Reaktionen auf die Impfung als bei Älteren. Die häufigste Nebenwirkung waren demnach mit 92 Prozent Schmerzen an der Einstichstelle. 70 Prozent gaben Müdigkeit an, bei fast 65 Prozent traten Kopfschmerzen auf. Mehr als 60 Prozent hatten demnach Muskelschmerzen, mehr als 46 Prozent hatten Gelenkschmerzen. Weitere Nebenwirkungen waren Schüttelfrost (mehr als 45 Prozent), Übelkeit und Erbrechen (23 Prozent). Fast 20 Prozent berichteten von einer Schwellung und Schmerzempfindlichkeit der Lymphknoten, fast 16 Prozent hatten Fieber. Bei fast 15 Prozent ist die Injektionsstelle angeschwollen, bei zehn Prozent gab es Rötungen. Die Nebenwirkungen seien innerhalb weniger Tage nach der Impfung zurückgegangen.

Was kostet der Impfstoff von Moderna?

Angeblich ist der Impfstoff von Moderna der teuerste von denen, die Deutschland bestellt hat. Eine Dosis kostet demnach 18 Dollar. Die Zahlen waren an die Öffentlichkeit gelangt, weil eine belgische Politikerin einen Tweet dazu absetze, ihn aber kurz darauf wieder löschte.

Wie viele Dosen stehen in Deutschland und SWR3Land zur Verfügung?

Insgesamt sollen bis Ende März 1.761.600 Dosen des Impfstoffs von Moderna nach Deutschland geliefert werden. Baden-Württemberg erhält davon 235.200 Dosen, Rheinland-Pfalz bekommt 86.400.

Astrazeneca

Wie wirkt der Impfstoff?

Der Impfstoff von Astrazeneca, der künftig Vaxzevria heißt, ist ein Vektorimpfstoff, er funktioniert anders als die beiden mrna-Impfstoffe von Biontech und Pfizer und Moderna. Bei Astazeneca wird als „Transportmittel“ ein für den Menschen ungefährlicher, abgestorbener Virus verwendet. Konkret handelt es sich dabei um Adenoviren, genauer gesagt abgeschwächte Schimpansen-Erkältungsviren. Darin wird die DNA eines Bausteins des Coronavirus in den Körper transportiert. Dabei handelt es sich – ähnlich wie bei den mrna-Impfstoffen von Biontech und Pfizer und Moderna – um das Spike-Protein des Coronavirus. Auf den Darstellungen des Virus sind das die Stacheln, die auf dem kugelförmigen Körper sitzen. Mit diesen dockt das Virus an die Körperzellen an, um sie zu befallen. Der Körper bildet Antikörper gegen den Baustein des Coronavirus, der durch die Impfung in den Körper gelangt.

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Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Astrazeneca ist der vermutlich umstrittenste Impfstoff, der bereits mehrmals wegen Nebenwirkungen in den Schlagzeilen war.

Mitte März wurden die Impfungen mit Astrazenca für eine knappe Woche ausgesetzt. Der Grund: Der Zusammenhang zwischen Hirnvernenthrombosen und dem Impfstoff von Astrazeneca sollte geprüft werden. Die Europäische Arzneitmittelbehörde EMA empfahl damals die weitere Nutzung. Einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Thromboserisiko und der Impfung mit Astrazeneca gebe es nicht, ganz ausschließen lasse es sich aber auch nicht. Der Nutzen überwiege das Risiko, so die EMA.

Jetzt gab es aber weitere Fälle von Hirnvenenthrombosen. Es wird immer wahrscheinlicher, dass die mittlerweile 42 dem Robert Koch-Institut gemeldeten Fälle von gefährlichen Sinusthrombosen tatsächlich durch einen Teil des Impfstoffs von Astrazeneca ausgelöst wurden. Im März entdeckte die Arbeitsgruppe um Andreas Greinacher von der Uni Greifswald einen möglichen Mechanismus, wie die Thrombosen entstehen könnten. Mehr dazu findest du bei SWR Wissen.

Ende März beschlossen die Regierungen von Bund und Ländern im Fall Astrazeneca, der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zu folgen: Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll ohne Einschränkung nur noch bei Menschen ab einem Alter von 60 Jahren eingesetzt werden. Bei Personen unter 60 Jahren könnte die Impfung mit Astrazeneca für die Prioritätengruppen eins und zwei nach sorgfältiger, ärztlicher Beratung ebenfalls fortgesetzt werden, heißt es in dem Beschluss vom Dienstagabend. Dies soll nur noch in Hausarztpraxen geschehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihrerseits eingeordnet, man sehe weiterhin eine positive Indikation für den Einsatz des Astrazeneca-Impfstoffs. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis „spricht stark für seine Anwendung“, so Alejandro Cravioto, Vorsitzender der SAGE-Impf-Expertenkommission der WHO.

Die detaillierten Regelungen für die Impfung von Astrazeneca, auch speziell für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, gibt es hier:

Was kostet der Impfstoff von Astrazeneca?

Der Impfstoff von Astrazeneca soll der mit Abstand günstigste der in Deutschland verfügbaren Impfstoffe sein. Die Preise der Impfstoffe wurden offiziell nie veröffentlicht, allerdings wurden sie von einer belgischen Politikerin getwittert, die ihren Beitrag aber kurz darauf wieder löschte. Demnach kostet eine Dose von Astrazeneca nur 1,78 Euro.

Wie viele Dosen stehen in Deutschland und in SWR3Land zur Verfügung?

Insgesamt sollen bis Ende März mehr als 5,5 Millionen Dosen von Astrazeneca nach Deutschland geliefert werden. Baden-Württemberg soll davon laut dem Bundesgesundheitsministerium 744.000 Dosen erhalten, Rheinland-Pfalz 276.000.

Baden-Baden

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Johnson und Johnson

Wie wirkt der Impfstoff?

Der Impfstoff des US-Konzerns Johnson und Johnson ist – wie auch der von Astrazeneca – ein Vektorimpfstoff. Was ihn von allen bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffen unterscheidet ist, dass nur ein Impftermin notwendig ist. Außerdem muss der Impfstoff nicht so kompliziert gelagert werden: Statt Minusgraden reicht der Kühlschrank hier aus.

Auch der Impfstoff von Johnson und Johnson gelangt, wie der von Astrazeneca, über ein abgeschwächtes Trägervirus in den menschlichen Körper. Das Trägervirus ist hier ein menschliches Schnupfenvirus, eine Variante eines Adenovirus. Hier wird ebenfalls das Erbgut des Spike-Proteins, ein Baustein des Coronavirus, mit der Hilfe des Trägervirus in den Körper transportiert. Dort wird es in den menschlichen Zellen nachgebaut, das Immunsystem reagiert und entwickelt Antikörper.

Johnson und Johnson verschiebt Impfstoff-Lieferung

Eigentlich sollte ab Mitte April in Deutschland mit Johnson und Johnson geimpft werden. Doch der US-Konzern hat beschlossen, die Auslieferung seines Impfstoffes nach Europa zu verzögern. Hintergrund sind Thrombosefälle, die möglicherweise mit den Impfungen zusammenhängen. In den USA haben Gesundheitsbehörden inzwischen nach sechs Fällen seltener Hirnthrombosen zu einem sofortigen Stopp von Corona-Impfungen mit dem Mittel von Johnson und Johnson geraten.

Impfstoff der Firma Johnson & Johnson (Foto: Imago, imago images/Sven Simon)

Corona-Pandemie So funktioniert der Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson

Dauer

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Die Gesundheitsbehörden prüfen jetzt, ob die seltenen Thrombosen tatsächlich durch die Impfung ausgelöst wurden. Untersuchungen von Johnson und Johnson ergaben, dass der Impfstoff folgende Nebenwirkungen auslösen kann:

  • Die häufigsten gemeldeten Nebenwirkungen waren mit fast 49 Prozent Schmerzen an der Injektionsstelle.
  • Fast 39 Prozent gaben Kopfschmerzen an,
  • 38 Prozent Ermüdung.
  • Bei 33 Prozent traten Muskelschmerzen auf,
  • bei 14 Prozent Übelkeit.
  • Fieber ab 38 Grad wurde demnach bei 9 Prozent beobachtet.
  • Wie bei allen bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffen wurde bei älteren Menschen über 65 Jahren generell seltenere und mildere Impfreaktionen beobachtet.

Was kostet der Impfstoff von Johnson und Johnson?

Angeblich soll der Impfstoff von Johnson und Johnson 8,50 US-Dollar pro Dosis kosten.

Wie viele Dosen stehen in Deutschland und SWR3Land zur Verfügung?

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bekommt Deutschland im Jahr 2021 insgesamt 36,7 Millionen Dosen des Impfstoffs von Johnson und Johnson. Im zweiten Quartal des Jahres, also zwischen April und Juni, soll es davon 10,1 Millionen Dosen geben. Das Ministerium verweist allerdings darauf, dass diese Zahlen auf Prognosen beruhen – es ist also noch nicht sicher, ob Deutschland die Lieferungen wirklich erhält. Es gibt aktuell noch keine Informationen darüber, wie viele der Dosen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erhalten.

Welche Impfstoffe könnten als nächstes in Deutschland verfügbar werden?

Bisher hat Deutschland Lieferungen von zwei weiteren Herstellern bestellt, deren Impfstoffe aber noch nicht in der EU zugelassen sind. Vom Tübinger Hersteller Curevec sollen bis Jahresende – wenn alles nach Plan läuft – 24,5 Millionen Dosen geliefert werden. Vom französichen Pharmakonzern Sanofi soll es bis Jahresende 27,5 Millionen Dosen geben. Voraussetzung ist bei beiden Impfstoffen aber, dass sie von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen werden.

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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)

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