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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)
David Beck, SWR Wissenschaft

Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass die Zahl der Spermien bei Männern nach einer Impfung mit Biontech oder Moderna stark ansteigt. Ist da wirklich etwas dran?

Die Impfkampagne der Bundesregierung läuft jetzt in der vierten Corona-Welle auf Hochtouren. Politiker aus allen Parteien empfehlen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Aber es gibt immer noch Hunderttausende Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen.

Ein Grund dafür könnte das Gerücht sein, dass die Corona-Impfung negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit habe. Die Universität von Miami ist in einer Mini-Studie genau dieser Frage nachgegangen: Haben Corona-Impfungen überhaupt Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit?

Die Universität hat daraufhin gesunde Männer im Alter von 18 bis 50 Jahren für die Studie rekrutiert. Die 45 Probanden stellten den Forschern zwei Spermaproben zur Verfügung: Eine vor der ersten Impfdosis und eine gut zwei Monate nach der zweiten Impfung.

45 Teilnehmer haben je zwei Spermaproben abgegeben

Die Proben wurden analysiert – dabei maßen die Forscher die Spermamenge, die Spermienkonzentration, die Mobilität der Spermien und wie viele bewegliche Spermien in der Probe waren. Unter den Teilnehmern der Studie waren auch acht Männer, die an Oligospermie leiden – also einer geringen Konzentration von Spermien.

Von den 45 Teilnehmern der Studie bekamen 21 den mRNA-Impfstoff von Biontech gespritzt, 24 Teilnehmer bekamen ihre Impfdosen von Moderna. Im Schnitt hatten die Probanden etwa 36 Millionen Spermien in einem Milliliter Sperma.

Bessere Ergebnisse nach zweiter Impfdosis

Nach der zweiten Dosis sei die Spermienkonzentration „signifikant auf 44 Millionen pro Milliliter“ gestiegen. Auch die Menge des Ejakulats und die Mobilität der Spermien sei höher gewesen.

Von den acht Studienteilnehmern, die unter einer geringen Spermien-Konzentration litten, hatten sieben in der zweiten Probe eine erhöhte Menge an Spermien im Ejakulat. Nur bei einem Teilnehmer änderte sich die Anzahl nicht nennenswert. Weniger Samenzellen wurden bei keinem Probanden nachgewiesen.

David Beck aus der SWR Wissenschaftsredaktion hat sich die Studie etwas genauer angeschaut – und bremst die Euphorie. Einige Faktoren der Spermaqualität waren nach der Impfung zwar deutlich höher als davor. Die einzelnen Werte lagen aber durch die Bank im Bereich des Normalen.

Autoren zweifeln an Zuverlässigkeit der Sperma-Studie

Dass die Impfung tatsächlich einen Einfluss auf die Spermaqualität hat, bezweifeln selbst die Autoren. Sie weisen auch auf weitere Schwächen der Studie hin: wenig Teilnehmer, keine Kontrollgruppe und nur eine kurze Nachbeobachtungszeit.

Die untersuchten Faktoren können die Fruchtbarkeit von Männern auch nicht genau voraussagen. Um ein genaueres Bild zu bekommen, wäre eine größere Studie nötig, allerdings gibt es nach mittlerweile mehreren Milliarden verimpften Dosen keine Hinweise darauf, dass die Impfstoffe die männliche (oder weibliche) Fruchtbarkeit in irgendeiner Weise beeinflussen.

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