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Glück gehabt: Die Symptome sind halb so wild. Aber was darf mein Arbeitgeber von mir verlangen? Und was kann ich fordern? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Muss ich Homeoffice machen, wenn ich Corona positiv bin?

Wenn ich zwar positiv getestet, aber fit genug zum Arbeiten bin, dann geht das nur im Homeoffice. Das Arbeiten im Betrieb ist tabu! Ich muss nicht nur zu Hause bleiben, sondern mich dort auch von Familienmitgliedern oder Mitbewohnern möglichst fernhalten. Darum heißt die Quarantäne von Infizierten offiziell „Isolation“.

Generell gilt: Ich muss nicht sofort in Quarantäne, wenn mein Schnell- oder Selbsttest positiv ist – das muss aktuell noch durch einen PCR-Test bestätigt werden. Das soll sich allerdings bald ändern, um die Labore zu entlasten. Doch bisher ist man bis zum positiven PCR-Ergebnis nur ein Verdachtsfall, sollte aber möglichst direkt freiwillig zu Hause bleiben und Kontakte meiden.

Muss ich überhaupt arbeiten, wenn ich in Quarantäne bin und einen positiven Test hatte?

Wenn ich trotz Corona fit genug zum Arbeiten bin, muss ich das auch tun. Eine Quarantäneanordnung ist kein ärztliches Attest! Und prinzipiell darf mir mein Arbeitgeber auch spezielle Aufgaben fürs Homeoffice zuweisen, das erlaubt ihm das so genannte Weisungsrecht – wenn die Aufgaben zumutbar sind und zu meinen Qualifikationen passen. Wie weit das gehen darf, darüber wird unter Juristen aber heiß diskutiert, wie uns der Karlsruher Arbeitsrechtler Raphael Daum erzählt hat.

Einfacher ist es, wenn ich meine Arbeit wirklich nur vor Ort machen kann. Dann bin ich für die Dauer meiner Quarantäne oder Isolation freigestellt und bekomme meinen Verdienstausfall erstattet.

Jemand aus dem Freundes-/Bekanntenkreis ist positiv, ich hatte mit ihm Kontakt: Was muss ich tun? Steht mir ein PCR-Test (kostenlos) zu? 

Nicht unbedingt. Nur „enge Kontaktpersonen“ bekommen einen kostenlosen PCR Test, zum Beispiel Haushaltsangehörige oder andere, die mit der infizierten Person länger eng zusammen waren. Ob ich im jeweiligen Fall als enge Kontaktperson gelte, entscheidet das Gesundheitsamt.

Auch nach einer roten Meldung in der Corona-Warn-App kann ich Anspruch auf einen PCR Test haben, in diesem Fall entscheidet das mein Arzt oder meine Ärztin. Allerdings müssen wir damit rechnen, dass es in nächster Zeit eher schwieriger wird, an einen kostenlosen PCR Test zu kommen. Sie sollen stärker priorisiert werden, um die Labore zu entlasten.

Baden-Baden

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Muss ich ohne Symptome aber mit positivem Test arbeiten?

Ja! Vorausgesetzt, ich kann im Homeoffice arbeiten. In Quarantäne oder Isolation bin ich nicht automatisch arbeitsunfähig – das behördendeutsche Wort für krank. Sollten doch noch Symptome auftreten, brauche ich darum auch zusätzlich zur Quarantäneanordnung ein ärztliches Attest. Das darf mein Arzt oder meine Ärztin aktuell telefonisch ausstellen und per Post schicken. Diese Sonderregelung ist allerdings befristet, erst einmal bis Mitte März.

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Was ist der Unterschied zwischen Isolation und Quarantäne? 

Isolation heißt die Quarantäne für Infizierte und ist noch ein bisschen strenger ausgelegt. Zum einen soll man sich auch zu Hause von den anderen fernhalten – sofern möglich. Eine Mutter kann sich sicher nicht tagelang von ihren Kindern isolieren.

Eine Isolation und eine Quarantäne können mit einem negativen Schnelltest beendet werden. Beide Formen werden auch unter dem Begriff „Absonderung“ zusammengefasst.

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Wie lange muss ich in Quarantäne?

Wenn ich selbst infiziert, also in Isolation bin, dauert die sowohl in Baden-Württemberg als auch Rheinland-Pfalz zehn Tage. Allerdings kann ich mich nach einer Woche per Schnelltest freitesten lassen. Am besten jetzt nachrechnen mit unserem Quarantäne-Rechner!

Wenn ich als enge Kontaktperson in Quarantäne bin, sind die Regeln etwas kleinteiliger. Nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Runde Anfang Januar sind nämlich einige Gruppen von der Quarantäne ausgenommen: Alle, die geboostert sind, frisch geimpft oder frisch genesen (beides vor maximal drei Monaten) oder geimpft und zusätzlich genesen.

Die Ausnahmen gelten aber nur, solange man keine Symptome hat. Für alle anderen sind die Quarantäneregeln ähnlich wie für Infizierte, allerdings reicht als Kontaktperson ein negativer Schnelltest, um die Quarantäne nach frühestens einer Woche zu beenden.

Was, wenn mein Kind in Quarantäne ist und ich deshalb nicht arbeiten kann?

Wenn die eigene Kitagruppe oder Schulklasse zu sind, können gesetzlich versicherte Eltern auch in diesem Jahr deutlich mehr sogenannter Kindkranktage nehmen als sonst. 30 Tage pro Kind und Elternteil, maximal 65 bei mehreren Kindern.

Für Privatversicherte gilt das nicht, sie können sich aber – wie alle Eltern – auf das Infektionsschutzgesetz berufen. Wenn es keinerlei andere Betreuungsmöglichkeit gibt, kann man in maximal zehn Wochen pro Jahr 67 Prozent des Nettoeinkommens als Entschädigung bekommen, bei Alleinerziehenden sind es 20 Wochen.

Diese Ansprüche gelten auch, wenn Kita und Schule offen haben, aber mein Kind laut Quarantäneanordnung nicht hinkann. Allerdings gelten sie nur für Quarantäne-Kinder bis 12, danach wird es schwieriger, einen Verdienstausfall zu rechtfertigen.

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Kann ich zum Homeoffice gezwungen werden?

Ganz einfache Antwort von Rechtsanwalt Christoph Vollbrecht: Nein. „Eine Home-Office-Vereinbarung ist immer eine Vereinbarung, die einvernehmlich getroffen werden muss.“ Arbeitsminister Heil sagte dazu in SWR3: „Es ist zwar nicht rechtlich zwingend, weil Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch hier sehr unterschiedliche Situationen zu Hause haben. Aber wir fordern alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf, wo es angeboten wird und wo es möglich ist, dass es jetzt auch wahrzunehmen gilt. Weniger Pendler im öffentlichen Personennahverkehr helfen die Zahl der Kontakte zu reduzieren. Das schützt übrigens auch diejenigen, die am Arbeitsplatz arbeiten müssen.

Kann Homeoffice vom Urlaub abgezogen werden?

Eine SWR3-Hörerin hat uns in der SWR3-Morningshow erzählt, dass ihrem Mann von seinem Arbeitgeber zwei Dinge angeboten wurden: Entweder weiterhin Termine und Kundenbesuche oder eine Woche Home-Office, dann würde er aber zwei Urlaubstage verlieren – weil der Arbeitgeber der Meinung ist, dass Homeoffice keine acht Stunden ausfülle.

Silvio Lindemann, Fachanwalt für Arbeitsrecht, erklärt:

Das ist aus zweierlei Gründen nicht möglich, diesen Urlaub so abzuziehen. Erstens: Wer im Home-Office ist, macht keinen Urlaub. Das heißt, Urlaub wird gewährt, um sich zu erholen. Zweitens: Ich kann einem Arbeitnehmer nicht ohne Weiteres den Urlaub einfach abziehen, ohne dass er diesen Urlaub gewünscht hat. Also dieser kurzfristige Zwangsurlaub als Strafe ist nicht möglich. Es gibt aber die Möglichkeit, Betriebsruhe oder Betriebsferien anzuordnen. Wenn der Arbeitgeber nicht einlenkt, müsste man theoretisch klagen. Aber wer verklagt schon seinen Arbeitgeber? Das ist eine hohe Hürde und verbessert das Thema nicht unbedingt. Aber im Zweifel ist das dann der Weg, den man gehen muss.

Was ist, wenn ich in meinem Urlaub ein positives Corona-Testergebnis habe: Kann ich meinen Urlaub beenden und mich krankmelden?

Wenn es mir soweit gut geht, nein. Ich muss mich in jedem Fall isolieren, bin aber nicht automatisch auch krank. Nur wenn ich auch entsprechende Symptome habe, kann ich mir ein ärztliches Attest ausstellen lassen. Mit dem kann ich Urlaubstage zurückgeben und später nachholen – wie bei jeder anderen Krankheit auch.

Bekomme ich weiterhin Geld, wenn ich in Quarantäne bin? 

Wer im Homeoffice arbeiten kann, bekommt natürlich weiter sein Gehalt. Für alle, die nur vor Ort arbeiten können, gilt grundsätzlich: Wer vom Gesundheitsamt offiziell in Quarantäne geschickt wird, bekommt laut Infektionsschutzgesetz Entschädigung für seinen Verdienstausfall. Für sechs Wochen voll, danach zu 67 Prozent. Aber Achtung, es gibt Ausnahmen: Zum Beispiel, wenn man nach einer vermeidbaren Reise in ein Hochrisikogebiet in Quarantäne muss. Und seit dem Herbst können auch ungeimpfte Kontaktpersonen in Quarantäne keine Entschädigung bei Verdienstausfall mehr verlangen. Sind sie selbst infiziert, in der Regel aber schon.

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