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Zu Hause lernen, zu Hause sitzen, zu Hause grübeln – sehr viele Kinder und Jugendliche werden davon krank. Eine neue Studie belegt das. Was das Ganze wirklich dramatisch macht: Die Kliniken sind überfüllt, die Wartezeiten lang.

In der Klinik am Leisberg, einer Klinik für psychotherapeutische Medizin in Baden-Baden, werden Kinder und Jugendliche mit psychischen Krankheiten behandelt. Seit Corona sind auch dort die Zahlen in die Höhe geschnellt – vor allem Essstörungen haben extrem zugenommen.

„Während des Lockdowns fielen viele Alltagsstrukturen weg“, so die Managerin der Klinik, Franziska Falbesaner. Auch die Rituale rund ums Essen hätten sich geändert: Oft isst man einfach vor dem Computer beim Homeschooling, das gemeinsame Mittagessen oder die gemeinsame Hofpause fallen aus.

Viele Eltern berichten, dass die Essstörungen ihrer Kindes während Corona wieder ausgebrochen sind oder durch den Lockdown sogar entstanden sind.

Studie belegt: Kita- und Schulschließungen machen oft psychisch krank

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Kita- und Schulschließungen haben sich negativ auf die psychische Gesundheit ausgewirkt. Das geht aus einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung hervor, die am Mittwoch in Wiesbaden vorgestellt wurde.

Die psychischen Belastungen durch die Pandemie, insbesondere die Schließung von Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, waren für viele Kinder und Jugendliche enorm. Das zeigt unsere Studie: https://t.co/MuecNPhWbY #Corona #Familie https://t.co/o6BCDBcpTL

Verzweifelte Mutter einer Magersüchtigen: „Die Kliniken sind überfüllt“

Wenn das eigene Kind an Magersucht erkrankt, dann war es schon vor der Pandemie sehr schwer, einen Therapieplatz zu bekommen. Nun ist es schier unmöglich. Diese Mutter aus Heidelberg möchte anonym bleiben – aber schildert ihre Hilflosigkeit und den Frust bei der Suche nach einem Therapieplatz für ihre 14-jährige schwer kranke Tochter.

Wir erleben eine furchtbare Odyssee. Es ist unglaublich schwierig, Ärzte oder Therapeuten zu finden, die nicht selbst völlig überlastet sind.

Die Familie habe mittlerweile im gesamten Bundesgebiet Kliniken abgeklappert – überall gäbe es nur Wartelisten. “Da ist die Rede von vier bis fünf Monaten Wartezeit. Wir fühlen uns sehr alleingelassen. Man bekommt einfach keine Hilfe.“

Mutter von magersüchtigem Kind: „Es gibt keine Therapieplätze“ (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa | Axel Heimken)

Nachrichten Mutter von magersüchtigem Kind: „Es gibt keine Therapieplätze“

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Schwermut, Verzweiflung, Antriebslosigkeit: Teenager leiden

Besonders gravierend war demnach der Anstieg von klinisch relevanten depressiven Symptomen wie Schwermut, Verzweiflung und Antriebslosigkeit bei Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren. Die Forscher empfahlen, im weiteren Pandemieverlauf die Schulen weitgehend offen zu halten und die Lernrückstände langfristig aufzuholen. Zunächst gelte es, Kontakte und Lebensfreude mit Gleichaltrigen zu ermöglichen.

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Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schlägt Alarm: Mittlerweile hätten so viele Kinder und Jugendliche ernste psychische Probleme, dass die Kliniken zu drastischen Maßnahmen griffen.  mehr...

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe ein Viertel der Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren eine „klinisch relevante Symptomatik von Depressivität“ aufgewiesen, sagte der Co-Autor der Studie und stellvertretende Direktor des Bundesinstituts, Martin Bujard. Was besonders krass ist: Im Jahr vor der Pandemie waren „nur“ zehn Prozent dieser Altersgruppe erkrankt.

Hochrechnung: 477.000 Jugendliche hat der Lockdown krank gemacht

Franziska Falbesaner von der Klinik am Leisberg berichtet von einer langen Warteliste. Täglich gäbe es Anfragen, täglich müssen sie vertrösten. Eine schwere Situation für alle Seiten. Kinder und Jugendliche würden unter anderem durch die soziale Isolierung krank, so Falbesaner. Keine Schule, kein Verein, nichts. Nur die eigenen vier Wände. Die Kinder ziehen sich in sich zurück – und werden oft depressiv, ängstlich oder entwickeln eine Essstörung.

Früher hatten wir fast 100 Prozent Mädchen in der Klinik. Jetzt kommen vermehrt auch Jungs, die Depressionen, soziale Ängste oder auch eine Mediensucht unter Corona bekommen haben.

Die Studie untermauert das: Infolge der Pandemie und den damit verbundenen Schulschließungen habe sich die „gesundheitsbezogene Lebensqualität“ bei hochgerechnet 1,7 Millionen Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren erheblich verschlechtert, so der Co-Autor der Studie, Martin Bujard.

Für seine Untersuchung, die sich unter anderem auch mit den Auswirkungen von Schulschließungen auf Bildungsstand und Familien befasste, rechnete das Institut Analysen aus dem sogenannten Familienpanel pairfam aus dem Frühsommer 2020 hoch.

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Sie haben verzichtet auf den ersten Kuss in einer Sommernacht, auf Partys und Flirten, sie fühlen sich zuhause eingesperrt – und das schon den zweiten Sommer. Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat eine klare Botschaft: Jetzt müssen wir Erwachsenen zurückstecken – und auch mal eine laute Nacht ertragen.  mehr...

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