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Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)
Jakob Reifenberger (Foto: Jakob Reifenberger)

In Deutschland haben die Corona-Impfungen begonnen. Wer darf sich zuerst impfen lassen, wie bekomme ich einen Impftermin und wie wirksam ist das Vakzin? Hier bekommt ihr Antworten auf eure Fragen.

Seit Jahresbeginn wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Nach und nach sollen alle Menschen in Deutschland die Möglichkeit bekommen, sich durch eine Impfung gegen Covid-19 schützen zu lassen – wenn sie das wollen.

Die wichtigsten Fragen zur die Corona-Impfung


Welchen Weg geht der Impfstoff, bis er bei mir ist?

Wie der Impfstoff verteilt wird, ist aus Sicherheitsgründen ein großes Geheimnis. Welchen ungefähren Weg nimmt zum Beispiel der Impfstoff von Biontech und Pfizer von der Fabrik bis in unseren Oberarm? Die SWR3 Recherche von Reporter Jakob Reifenberger hat für dieses Beispiel in Rheinland-Pfalz ergeben:

Im Industriegebiet des belgischen Ortes Puurs steht das Werk des Pharmariesen Pfizer. Hier kommen die Fläschchen bei bis zu minus 80 Grad in spezielle Thermotransportboxen. Pro Box: 23 Kilo Trockeneis. So rollen die Transporter los. Und wir wahrscheinlich auf der Autobahn an ihnen vorbei, ohne sie zu erkennen. Ihr Ziel: Die Impfstofflager der Bundesländer. In Rheinland-Pfalz gibt es zum Beispiel nur ein Zentrallager. Wo genau, wissen nur die, die es zwingend wissen müssen. Selbst im Gesundheitsministerium wissen das nur wenige, sagt ein Sprecher auf Anfrage von SWR3. Auch er habe nur eine Vermutung, und die sei auch geheim.

Vom Zentrallager rollt der Impfstoff in die Impfzentren. Über jeden einzelnen Transport ist die Polizei laut Gesundheitsministerium informiert. Am Anfang seien teilweise Eskorten mitgefahren, also sichtbarer Polizei-Schutz. Es gebe aber auch verdeckten, unauffälligen Schutz. Das werde je nach Lage entschieden. Kommen die Impf-Transporter in Pirmasens, Ingelheim oder Wittlich tagsüber an – oder im Schutz der Nacht? Auch das ist geheim. Im Impfzentrum selbst passen private Security-Firmen auf die Dosen auf.

Warum wurde der Impfstoff so schnell zugelassen?

Die Zulassung eines Impfstoffs kann mehrere Jahre dauern – im Fall der Corona-Impfung ging alles ganz schnell. Hat das Einfluss auf die Sicherheit des Impfstoffs?

In Europa wurde das Verfahren zur Zulassung von Impfstoffen beschleunigt. Das bedeutet unter anderem, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) Daten und Ergebnisse von Impfstoffherstellern früher bekommt. Dadurch können die Impfstoffe schon vor dem Antrag auf Zulassung auf Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit geprüft werden. In letzter Zeit wurde kritisiert, dass die EMA für ihre Zulassungen länger braucht wie vergleichbare Agenturen in den USA oder Großbritannien.

Das Paul-Ehrlich Institut, das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, verweist darauf, dass im Zusammenhang mit einer schnelleren Zulassung auch der Abbau bürokratischer Hürden und eine bessere Vernetzung eine Rolle gespielt haben.

Diese Erkenntnis hat alle an der Impfstoffentwicklung beteiligten Expertinnen und Experten bewogen, die Zusammenarbeit enger und die Prozesse effizienter zu gestalten, ohne Abstriche bei der Sorgfalt zu machen. Dies hat auch zu deutlichen Optimierungen der Verfahrensabläufe und einem Zeitgewinn bei der Entwicklung geführt.

Paul-Ehrlich-Institut

Aber: Auch die Corona-Impfstoffe müssen, wie andere auch, alle notwendigen Testphasen durchlaufen. Weitere positive Faktoren für die Impfstoffhersteller waren unter anderem, dass viel Geld von Staaten investiert wurde. Von Deutschland gab es für einige Unternehmen zum Beispiel insgesamt mehrere hundert Millionen Euro, darunter war auch der Mainzer Konzern Biontech. Zudem ist es für Studien günstig, wenn sich viele der Probanden mit einer Krankheit infizieren. Die große Ausbreitung des Coronavirus ist hier ein Vorteil. Wie sicher ist denn nun ein so schnell zugelassener Impfstoff? Folgenreiche Nebenwirkungen können nie ganz ausgeschlossen werden, wenn dann sind sie aber eher eine Seltenheit.

Es gibt natürlich seltene Nebenwirkungen, die schwer sein können, die so selten sind, dass man sie jetzt innerhalb dieser Gesamtmenge eben in so kurzer Zeit nicht feststellen kann. Und aus der Vergangenheit von anderen Impfstoffen wissen wird, dass solche Nebenwirkungen prinzipiell auftreten können. Sodass man hier noch Geduld haben muss, aber immerhin, was wir hier bisher sehen ist vielversprechend. 

Hartmut Hengel, Virologe an der Uni Freiburg

Wer wird zuerst geimpft?

Zuerst können sich laut der Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums Menschen ab 80 Jahren und Mitarbeiter von stationären Einrichtungen, in denen ältere und pflegebedürftige Menschen betreut werden, impfen lassen. Außerdem gehören zur ersten Gruppe Mitarbeiter, die auf Intensivstationen oder in Notaufnahmen arbeiten. Wer als nächstes geimpft wird und wer sich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bereits für einen Termin registrieren kann, erfahrt ihr hier:

Baden-Baden

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Wie bekomme ich einen Impftermin?

Die impfberechtigten Personen werden von den jeweiligen Bundesländern informiert, schreibt das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Webseite. Anschließend können die Impfberechtigten bei der eingerichteten Terminservicestelle einen Impftermin vereinbaren. Dadurch soll vermieden werden, dass es bei den zuständigen Impfzentren zu langen Warteschlangen kommt.

Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg erfolgt keine personalisierte Einladung. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich über die Website das Landes selbst über die Priorisierung und ihre Impfberechtigung informieren.

Einen Impftermin bekommt man in Baden-Württemberg entweder über das Online-Portal oder telefonisch über den ärztlichen Notdienst/Patientenservice (116117).

Rheinland-Pfalz

Auch in Rheinland-Pfalz verläuft die Impfterminvergabe über ein Online-Portal. Dort sollen die Impfberechtigten ein Formular ausfüllen und sich registrieren. Nach der Überprüfung der Registrierung wird den impfberechtigen Personen ein Impftermin zugewiesen. Bei Fragen zum Thema Impfung gibt es auch eine Hotline zur telefonischen Beratung (0800-5758100).

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Wo wird geimpft?

Der Impfstoff wird in Impfzentren verimpft oder in Ausnahmefällen durch mobile Teams. In Baden-Würtemberg wird in einigen Arztraxen bereits im Rahmen eines Pilotprojektes geimpft. In Rheinland-Pfalz können bettlägerige Patienten bereits durch Ärztinnen und Ärzte geimpft werden.

Ich habe ein sehr hohes Vertrauen in die Ärztinnen und Ärzte, dass sie zuerst diejenigen Patienten impfen werden, die auch am meisten gefährdet sind.

Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister

Hier könnt ihr schauen, wo in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Impfzentren in eurer Nähe sind.

Kann ich einklagen, schneller geimpft zu werden?

In einem Rechtsstaat kann man klagen, wenn man mit einer staatlichen Entscheidung nicht zufrieden ist. Eine andere Frage ist, welche Aussicht auf Erfolg so eine Klage im konkreten Fall hätte. Hier geht es um die Verteilung eines knappen Guts. Menschen müssen daher unterschiedlich behandelt werden, wann sie mit dem Impfen dran sind. Um eine ungleiche Behandlung zu rechtfertigen, muss es „sachliche Gründe“ geben. Die Regierung hat dabei einen Entscheidungsspielraum. Die Grenze wäre überschritten, wenn völlig willkürlich priorisiert würde. Die mit der Corona-Impfverordnung vorgegebene Reihenfolge ist nicht aus der Luft gegriffen – sie orientiert sich an der Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Es kann aber gut sein, dass jemand klagen wird, und dass dann die Gerichte die getroffene Priorisierung genauer in den Blick nehmen werden.

Bin ich nach der Impfung nicht mehr ansteckend?

Studien zeigen: Durch den Impfstoff kann eine schwere Covid-19 Erkrankung verhindert werden. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass der Körper trotzdem das Virus aufnimmt. Trotz Impfung kann es also sein, dass du das Virus mit dir herumträgst. Du könntest es dann trotzdem weitergeben – also jemand anderen „anstecken“, obwohl du selbst nicht krank bist.

Zum Impfstoff von Biontech und Pfizer gibt es aber seit Ende Februar vielversprechende Neuigkeiten: Laut der Nachrichtenagentur Reuters konnte das Mittel in einer israelischen Studie die Infektionsrate bei Geimpften im Schnitt um rund 90 Prozent senken. Bei Fällen mit Krankheits-Symptomen war der Effekt sogar noch besser und lag bei knapp 94 Prozent. Zu den anderen Impfstoffen fehlen Erkenntnisse aber noch gänzlich.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

FAQ Bin ich nach der Impfung nicht mehr ansteckend?

Dauer

Welche Nebenwirkungen kann eine Impfung haben?

Bereits bekannte Nebenwirkungen sind Rötung, Schwellung oder auch leichte Schmerzen an der Einstichstelle. In den ersten drei Tagen nach der Impfung kann es zu Müdigkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen kommen. Der Grund: Beim Ankurbeln des Immunsystems macht dein Körper keinen Unterschied zwischen einem echten und dem durch die Impfung nur „vorgetäuschten“ Infekt. Deshalb entsprechen manche Nebenwirkungen den Symptomen eines leichten Infekts.

Eine seltene aber schwere Nebenwirkung von Impfungen kann ein anaphylaktischer Schock sein. Das ist eine massive allergische Reaktion des gesamten Körpers, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Beim Einsatz des Biontech-Impfstoffs in Großbritannien sind in den ersten Tagen in zwei Fällen solche Anaphylaxien aufgetreten, die allerdings nicht tödlich verliefen.

Außerdem wurde der Impfstoff von Astrazeneca kurzzeitig ausgesetzt. Der Grund: Ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und gefährlichen Thrombosen der Hirnvenen sollte geprüft werden. Mittlerweile wird Astrazeneca in Deutschland wieder verimpft. Laut der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA konnte kein erhöhtes Risiko für Thrombosen im Zusammenhang mit dem Impfstoff festgestellt werden. Ganz ausschließen lasse sich eine Verbindung in bestimmten Fällen aber nicht. Der Nutzen überwiege aber das Risiko, so die EMA.

Wie lange wirkt die Impfung?

Die Hoffnung ist, dass der Schutz der Impfung mindestens zwei Jahre hält – vielleicht sogar deutlich länger. Es dauert aber noch etwas, bis sich diese Frage mit Sicherheit beantworten lässt.

Weshalb muss ich mich zweimal impfen lassen?

Die doppelte Impfung ist notwendig, um sicherzustellen, dass sich bei möglichst vielen Geimpften auch tatsächlich ein Schutz gegen das Virus aufbaut. Die beiden Impfungen erfolgen im Abstand von drei Wochen. Die erste Impfung führt beim Biontech-Impfstoff bei der Hälfte der Geimpften bereits zu einem Immunschutz. Nach der zweiten Impfung steigt diese Rate auf 95 Prozent. Damit sind 95 von 100 Geimpften nach der zweiten Impfung geschützt, nach der ersten sind es nur 50 von 100. Aber auch nach der zweiten Impfung ist der Schutz nicht sofort vorhanden, sondern es braucht nochmals ungefähr eine Woche, bis sich das Immunsystems endgültig auf den neuen Erreger eingestellt hat.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Impfstoff von Johnson und Johnson bereits als vierten Impfstoff empfohlen. Anders als drei, die aktuell zugelassen sind, braucht es bei diesem Impfstoff nur eine Impfung.

Wirkt der Impfstoff auch gegen mutierte Coronaviren?

Das Coronavirus verändert sich ständig. Die Impfstoffentwickler von Biontech und Pfizer haben ihren Impfstoff während der Erprobungsphase an verschiedenen Mutanten erprobt. Er war in allen Fällen gleichermaßen wirksam. Mitte Dezember wurde erstmals auch über neue Varianten des Coronavirus in England und Südafrika berichtet, die aufgrund von Mutationen deutlich ansteckender sein sollen.

Biontech-Chef Ugur Sahin geht davon aus: Sobald die Notwendigkeit erkannt wird, den Impfstoff nachzubessern, weil die Andockstelle am Virus durch Mutationen zu sehr von ihrer ursprünglichen Form abweicht, kann innerhalb von sechs Wochen ein neuer, nachgebesserter Impfstoff entwickelt werden.

Warum werden Kinder nicht geimpft?

Weil der Impfstoff in erster Linie die Menschen schützen soll, bei denen die Gefahr vor einer Ansteckung und einem schweren Verlauf bei einer Covid-19-Erkrankung am größten ist. Also zum Beispiel ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. Kinder und Jugendliche gehören oft nicht zur Risikogruppe. Ausnahmen gebe es aber, sagt Hans-Iko Huppertz von der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendmedizin, zum Beispiel bei Kindern mit einer Mehrfachbehinderung oder solchen mit schweren chronischen Erkrankungen – sie gehören zur Hochrisikogruppe. Demnach sei es unter strenger Risikoabwägung möglich, dass Ärzte bei besonders gefährdeten Kindern eine Impfung vornehmen, ohne dass der Impfstoff für sie zugelassen ist.

Außerdem sind die Regeln für Impfstofftests an Kindern viel höher als bei Erwachsenen. Deswegen wird immer zuerst an Erwachsenen getestet und für diese wird der Impfstoff auch zuerst zugelassen. Es laufen aber bei den großen Herstellern bereits Studien mit Kindern. Bisher ist nur der mRNA-Impfstoff von BioNTech und Pfizer für Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen, für alle anderen alle anderen Corona-Impfstoffe gilt die Altersgrenze von 18 Jahren.

Was bedeuten die Prozentzahlen zur Wirksamkeit?

Bei den Studien zur Wirksamkeit werden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 bekommt den tatsächlichen Impfstoff und Gruppe zwei nur ein Placebo, also eine einfache Lösung ganz ohne Wirkung. Wichtig für solche Studien ist, dass weder die Teilnehmer noch die Entwickler des Impfstoffs wissen, welcher Teilnehmer zu welcher Gruppe gehört. Sobald sich einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Coronavirus infiziert haben und an Covid-19 erkranken, wird geschaut, wie viele der Erkrankten zuvor das Placebo und wie viele den Impfstoff bekommen haben. Konkret: Wenn in der Placebogruppe 100 Menschen an Covid-19 erkranken, aber nur fünf in der Impfgruppe, hat der Impfstoff 95 Menschen in der Impfgruppe vor der Krankheit geschützt – also beträgt der Wirkungsgrad 95 Prozent.

Sind solche hohen Wirkungsgrade normal?

Bei einigen Covid-19-Impfstoffen war die Rede von mehr als 90 Prozent Wirksamkeit. Solche Wirkungsgrade werden zum Beispiel auch bei Impfstoffen gegen Mumps und Röteln erreicht, bei Masern-Impfstoffen sogar 98 bis 99 Prozent. Anders sieht es bei der Grippeimpfung aus. Da schwankt der Wirkungsgrad von Jahr zu Jahr und kann auch mal bei nur 20 Prozent liegen. Beim Impfen gegen das Grippevirus geht es aber auch gar nicht darum, dieses komplett zu verdrängen. Geht auch gar nicht, denn es verändert sich sehr schnell und kommt jedes Jahr in mutierter Form. Deswegen muss bei der Entwicklung der Grippeimpfung die Virusmutation im Voraus erahnt werden und das klappt eben nicht jedes Jahr gleich gut.

Kann es sein, dass bei mir der Impfstoff gar nicht wirkt?

Es kann sein, dass bei einem kleinen Prozentsatz von Menschen die Wirkung ausbleibt. Bei der Impfung geht es aber nicht nur darum, dich selbst zu schützen. Eine Hoffnung ist die sogenannte Herdenimmunität. Das bedeutet: Wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen, dann hat der Erreger eine geringere Chance, sich über noch nicht geimpfte Menschen weiter auszubereiten. Allerdings kann derzeit noch nicht ausgeschlossen werden, dass Menschen den Erreger trotz Impfung aufnehmen und weitergeben können – auch wenn bei ihnen selbst keine Covid-19-Erkrankung auftritt.

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Kann der Impfstoff mein Erbgut verändern?

Nein, unser Erbgut wird vom Impfstoff nicht verändert. Der mRNA-Impfstoff funktioniert so: mRNA steht für „messenger RNA“ und dieser Begriff beschreibt genau die Aufgabe, die mRNA-Moleküle in Körperzellen haben: Sie sind die Nachrichtenboten im Zellinnern. Die mRNA schwimmt in der Zellflüssigkeit zu jenen Zellorganellen, die dafür zuständig sind, Eiweiße zu produzieren und teilt diesen mit, welche Proteine sie genau herstellen sollen. mRNA-Impfstoffe sind künstlich hergestellte Botschaften. Sie bringen die Zelle dazu, bestimmte Teile des Virus zu produzieren. Dadurch kann das Immunsystem schon mal damit beginnen, sich auf die Abwehr des Virus einzustellen. Wenn dann ein komplettes Virus auftaucht ist das Immunsystem durch dieses „Training“ an den zuvor hergestellten Virusteilen schon auf Zack und verhindert den Ausbruch der Covid-19-Erkrankung. Oder sorgt zumindest für einen deutlich leichteren Verlauf als bei Menschen ohne Impfung.

Kann der Corona-Impfstoff mich unfruchtbar machen?

Dieses Gerücht verbreitet sich aktuell, was auch die fehlende Impfbereitschaft, vor allem beim jüngeren Pflegepersonal erklären könnte. „Da haben leider Leute etwas falsch verstanden“, erklärt Markus Rose. Er ist Leiter des Impfzentrums in der Stuttgarter Liederhalle.

Tatsache ist, dass die Corona-Erkrankung – insbesondere Männer – unfruchtbar machen kann. Das gilt übrigens auch für die Mumps-Erkrankung, gegen die es ja auch eine Impfung gibt. Bei der Corona-Impfung gibt es überhaupt keine Hinweise, dass sich das irgendwie auf die Fruchtbarkeit auswirkt und da viele Pflegende junge Frauen sind, kann ich diese Impfung besonders empfehlen.

Markus Rose, Leiter Corona-Impfzentrum in der Liederhalle Stuttgart
Baden-Baden

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Ist die Impfung schädlich wenn ich schon Covid-19 hatte?

Nein, die Impfung ist nicht schädlich, wenn ich vorher an Covid-19 erkrankt war. Natürlich kann es auch dann passieren, dass man zu den wenigen Menschen gehört, bei denen die Impfung nicht anschlägt. Aber ein Immunschutz ist durch die bereits überstandene Covid-19-Erkrankung ja schon da. Im besten Fall hat man einen noch besseren und länger andauernden Immunschutz, weil das die Impfung das Immunsystem nochmal zusätzlich ankurbelt. Wenn jemand geimpft wird, der gerade unwissentlich infiziert wurde, verhindert das nicht unbedingt die Erkrankung. Aber die Impfung kann ein bisschen bei der Abwehr des Virus helfen. Der volle Schutz baut sich erst nach mehreren Wochen nach insgesamt zwei Impfungen auf.

Müssen die Corona-Beschränkungen gegenüber Geimpften gelockert werden?

Die Corona-Maßnahmen schränken Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger ein. Ansatzpunkt könnte nun sein: Wenn von mir keine Gefahr mehr ausgeht, darf der Staat meine Rechte nicht mehr beschränken. Im Moment ist das noch eine theoretische Frage, weil wir nicht wissen, ob Geimpfte noch ansteckend sind oder nicht. Das gleiche gilt für Menschen, die eine Infektion überstanden haben.

Trotzdem wird schon über sogenannte Immunitäts- und Impfausweise diskutiert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Idee schon vor längerer Zeit aufgebracht und damals auch den Ethikrat um eine Stellungnahme gebeten. Jurist Augsberg ist Mitglied im Ethikrat und war bei der Diskussion dort dabei: „Es gibt Sorgen, dass Immunitätsnachweise oder Impfpässe tatsächlich die Zwei-Klassen-Gesellschaft herbeiführen, dass das diskriminierend wirkt, dass das eine Privilegierung ist, für die es keine Begründung gibt.“

Er selbst denkt allerdings, dass es zulässig sei, wenn jemand, der nachweislich sich und andere nicht gefährde, gewissen Beschränkungen nicht mehr unterworfen werde. „Das ist ein sachlicher Grund für die Ungleichbehandlung.“ Um es an einem Beispiel festzumachen: Warum sollten Geimpfte nach einer Rückkehr aus einem Risikogebiet in Quarantäne gehen müssen, wenn sie gar nicht ansteckend sein können? Weil diese Fragen insgesamt rechtliches Neuland bedeuten, sind sie aber noch nicht abschließend geklärt.

Das Europaparlament hat jetzt auch den Weg für eine zügige Einführung eines europäischen Impfzertifikats freigemacht. Das Zertifikat soll Impfungen, Ergebnisse zugelassener Tests und Informationen zu überstandenen Corona-Infektionen festhalten und soll EU-weit anerkannt werden. Es soll bereits im Juni eingeführt werden.

Dürfen Gaststätten, Konzertveranstalter, Fluganbieter sagen: Hier kommen nur Geimpfte rein?

Private dürfen – mit Ausnahmen etwa im Bereich der Daseinsvorsorge – frei entscheiden, mit wem sie Verträge abschließen. „Wir können die nicht zwingen, dass sie auch mit Ungeimpften Geschäfte machen“, sagt Kießling. Ob Gastwirte oder Konzert-Veranstalter in der Praxis tatsächlich zwischen Geimpften und Ungeimpften unterscheiden und damit auch entsprechende Kontrollen durchführen wollen, wird sich zeigen.

Wird es eine allgemeine Impfpflicht geben?

Große Diskussionen gibt es auch um das Thema Impfpflicht. Es gibt einige Menschen, die befürchten, dass sie zu einer Impfung verpflichtet werden könnten. Von der Politik wurde aber immer wieder betont: Eine allgemeine Impfpflicht wird es nicht geben. Bei der Bundestags-Debatte über die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes im November betonte etwa Bundesgesundheitsminister Spahn: „Ich gebe Ihnen mein Wort. Es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben.“ Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht ist also sehr unwahrscheinlich.

Wäre eine Impfpflicht überhaupt rechtlich möglich?

Denkbar wäre eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, meint Jura-Professor Steffen Augsberg. Etwa dann, wenn das Infektionsschutzgeschehen an problematischen Punkten wie Intensivstationen nur in den Griff zu bekommen sei, wenn alle, die dort arbeiten, geimpft sind. Allerdings geht er davon aus, dass auch eine solche „bereichsbezogene“ Impfpflicht noch in weiter Ferne sei.

Gibt es nicht für Masern schon eine Impfpflicht?

Vor Corona wurde über eine Impfpflicht mit Blick auf Masern diskutiert und in bestimmten Bereichen auch eingeführt. Eine Impfung müssen Menschen nachweisen, die zum Beispiel in Kitas oder Schulen arbeiten. Und die Kinder, die dort betreut werden. Das liegt daran, dass es in den vergangenen Jahren wieder viele Masernausbrüche gegeben hat. Die Krankheit ist sehr ansteckend und kann schwere Folgen haben. Auch für Masern gibt es also keine allgemeine Impfpflicht. Sie ist vielmehr gekoppelt an die regelmäßige Anwesenheit in bestimmten Einrichtungen. Gegen das Gesetz wurden Verfassungsbeschwerden erhoben, über die noch nicht entschieden worden ist. Das Bundesverfassungsgericht hat zwar Eilanträge abgewiesen. Das sagt aber noch nichts über die Erfolgsaussichten der Verfassungsbeschwerden in der Hauptsache.

Eckart von Hirschhausen – Hirschhausen als Impfproband

Rund um das Thema Impfungen gibt es sehr viel Unsicherheit und verdammt viele Fragen in Deutschland. Wie werden Impfstoffe getestet? Wie sicher ist ihr Einsatz? Und welche Reaktionen könnte der Körper zeigen? Diese und viele weitere Fragen rund um die Corona-Impfung klärt der Arzt und Wissenschaftsjournalist Eckart von Hirschhausen in der Dokumentation Hirschhausen als Impfproband.

Um alle Schritte vor der Zulassung eines neuen Impfstoffs maximal transparent zu machen, geht Eckart von Hirschhausen nicht nur als Beobachter, sondern als Teilnehmer an die Uniklinik Köln und wird „Proband Nummer 20“. Die Dokumentation gibt es in der ARD-Mediathek.

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