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Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)

In Bayern, Thüringen und Sachsen schaffen es die Krankenhäuser nicht mehr. Kliniken in anderen Bundesländern müssen einspringen, um wenigstens ein bisschen Entlastung auf den Intensivstationen zu schaffen. Die „fliegende Intensivstation“ der Bundeswehr übernahm diesen Großeinsatz.

Bei der bisher größten Aktion zur Verlegung von Intensivpatienten sind am Wochenende knapp 50 Schwerkranke aus den Ländern Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer gebracht worden. Die Verlegung im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems dient der Entlastung von Intensivstationen der besonders hart getroffenen Bundesländer.

Auch am heutigen Adventssonntag unterstützt das #TeamLuftwaffe und der @SanDstBw bei der Verlegung von Intensivpatienten. Durch das sogenannte #KleebattKonzept sollen #Covid-19-Patienten aus überlasteten Krankenhäusern bundesweit umverteilt werden.👇 https://t.co/UfuJf0mZIb https://t.co/7Mbo35lntY

Intensivstationen schicken Hilfsappelle

Die Situation auf den Intensivstationen in den Corona-Hotspots wird von Medizinern als dramatisch beschrieben. Ärzte, Pfleger und alle, die dort arbeiten, sind in einem Dauerstress-Zustand. Seit 20 Monaten schon, und kein Ende ist in Sicht.

Das Furchtbare ist ja nicht, dass wir seit eineinhalb Jahren am Limit laufen... Wobei ich nicht glaube, dass man sich daran jemals gewöhnen kann. Das wirklich Furchtbare ist ja, dass jeden Tag Menschen sterben oder mit schweren Folgeschäden ins Leben entlassen werden. Und das Schlimmste daran ist, dass es bei den meisten inzwischen unnötig ist. Und das Allerschlimmste ist, dass jetzt schon klar ist, dass es in den nächsten vier Wochen in einer Dimension passieren wird, die wir jetzt schon nicht mehr beeinflussen können.

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Bundeswehr unterstützt mit Spezial-Airbus

Im Einsatz am Wochende waren neben Intensivtransportwagen (ITW) ein Großraum-Intensivtransportwagen, Ambulanzflugzeuge und ein A310 MedEvac Flugzeug der Bundeswehr. Dieser Spezial-Airbus, der auch als „fliegende Intensivstation“ beschrieben wird, hatte bereits am Freitag sechs Patienten von Memmingen aus nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Am Sonntag flog er fünf schwerkranke Corona-Patienten von München nach Hamburg. Sie sollten dann in Krankenhäuser in Schleswig-Holstein weiterverlegt werden.

Der zweite Auftrag im Rahmen #KleeblattKonzept durch @SanDstBw und #TeamLuftwaffe erfüllt. Wir wünschen den Patienten baldige Genesung. #WirFliegenWeiter #GemeinsamStark #Covid19 https://t.co/dno4Wg7cul https://t.co/ztfOaZv7FX

„Wir sind an einem dramatischen Höhepunkt“

In den vergangenen zwei Jahren sei man im Rahmen der Corona-Hilfe schon viel geflogen und habe insbesondere im europäischen Ausland unterstützt, erklärt ein Kommandant des A310 auf Twitter.

Und leider Gottes sind wir an dem dramatischen Höhepunkt angelangt, dass wir nun unseren eigenen Staatsbürgern dringend helfen müssen.

In einem Großeinsatz sind fast 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer verlegt worden. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Jonas Walzberg)
In einem Großeinsatz sind fast 50 Corona-Intensivpatienten aus Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer verlegt worden. picture alliance/dpa | Jonas Walzberg

Müssen bald Patienten ins Ausland verlegt werden?

Allein in Bayern lagen am Sonntag nach Angaben des Intensivregisters mehr als 1.000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, über die Hälfte davon unter Beatmung. In Zukunft könnten auch Verlegungen ins Ausland anstehen, sollten die Kapazitäten in Deutschland nicht mehr ausreichen, sagte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen der Welt am Sonntag.

Anhand der Neuinfektionszahlen müssen wir davon ausgehen, dass Hunderte Intensivpatienten verlegt werden müssen. Weil der Bedarf so eklatant ansteigen könnte, werden möglicherweise auch Verlegungen in EU-Nachbarstaaten notwendig.

RLP

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Rheinland-Pfalz hat weitere Covid-Intensivpatienten aus Bayern aufgenommen. Bereits am Wochenende waren schwer erkrankte Patienten nach Rheinland-Pfalz gebracht worden.  mehr...

Aus Bayern seien bis zum Sonntag 29 Patienten verlegt worden, so Hermann Schröder, seit Mai 2021 Vorsitzender des Arbeitskreises Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung der Innenministerkonferenz.

Zudem wurden laut Schröder sechs Patienten aus Thüringen sowie 14 aus Sachsen in andere Länder gebracht. Zur Aufnahme der Intensivpatienten hatten sich durch Vermittlung der Länder Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereiterklärt.

Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung Divi nach dem Kleeblatt-System nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden.

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