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Wer eine große Feier für das kommende Jahr plant, hat derzeit wahrscheinlich vor allem eine Frage im Kopf: Macht mir eine zweite Corona-Welle einen Strich durch die Rechnung? Hier erfährst du, auf welchen Kosten du sitzen bleibst – und auf welchen nicht.

Private Familienfeiern wie Hochzeiten oder runde Geburtstage sind nach aktuellem Stand trotz Corona wieder erlaubt – unter Auflagen. Da die wenigsten so ein Fest spontan feiern, planen viele zum Beispiel ihre Hochzeit im kommenden Jahr. Da das Virus aber gezeigt hat, wie unberechenbar es sein kann, kann niemand mit Sicherheit sagen, ob große Feiern dann stattfinden können – auch wenn es in jüngster Zeit deutlich weniger Neuinfektionen in Deutschland gab.

Was ist nach aktuellem Stand erlaubt?

Großveranstaltungen bleiben bis mindestens Ende Oktober verboten. Anders sieht es bei Feiern und privaten Veranstaltungen aus. Hier gibt es in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen.

In Baden-Württemberg sind jetzt wieder Veranstaltungen mit maximal 99 Teilnehmern erlaubt. Dabei geht es um die Gäste, Beschäftigte des Veranstaltungsortes werden hier nicht mit eingerechnet. Dabei gelten aber noch die Abstandsregeln von 1,5 Metern – die Räumlichkeiten müssen also so viel Platz haben, dass die Gäste diesen Abstand einhalten können. Körperkontakt, Händeschütteln und Umarmungen sollen derzeit noch vermieden werden. Auf Hochzeiten ist der Tanz des Brautpaares laut der Landesregierung erlaubt – allerdings nur, wenn die Tanzfläche so bemessen ist, „dass zwischen dem Brautpaar und den anderen Teilnehmern dauerhaft ein Abstand von mindestens 2,5 Metern eingehalten wird.“

Ab dem 1. Juli tritt in Baden-Württemberg eine neue Fassung der Corona-Verordnung in Kraft. Dadurch verändern sich die Auflagen für Hochzeits- und Familienfeiern. Ab dann muss für Veranstaltungen mit weniger als 100 Teilnehmern kein Hygienekonzept mehr erarbeitet werden. Ab dem 1. August sind dann wieder Veranstaltungen mit weniger als 500 Personen erlaubt.

In Rheinland-Pfalz sind Außenveranstaltungen mit maximal 350 Menschen wieder möglich. Die Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen soll folgendes gelten: Seit dem 24. Juni dürfen bis zu 150 Menschen an einer Veranstaltungen teilnehmen. Wie viele Personen in einen Veranstaltungsraum dürfen, hängt aber auch von der Fläche ab: Jeder soll hier zehn Quadratmeter Fläche zur Verfügung haben. Außerdem gilt die Abstandsregel von 1,5 Metern.

Das sind die aktuellen Regeln – aber was passiert, wenn es zu einer weiteren Corona-Infektionswelle kommt, und die Landesregierungen die Regelungen wieder so verschärfen wie vor einigen Monaten?

Was kann ich alles stornieren, falls eine zweite Welle kommt?

Generell gilt: Leistungen, die ich nicht erhalte, muss ich auch nicht bezahlen. Doch Vorsicht: Das gilt nur, wenn es für mich nicht möglich ist, diese Leistung zu erhalten. Also: Wenn die Landesregierung verordnet, dass Veranstaltungen wegen einer neuen Corona-Welle untersagt sind. Dann kann ich in einigen Fällen mein Geld zurückbekommen – hier gibt es allerdings auch Einzelfallentscheidungen.

Wenn ich selbst beunruhigt bin und meine Feier oder Hochzeit absagen will – zum Beispiel, weil die Infektionszahlen wieder angestiegen sind, greift die oben genannte Regelung nicht. Dasselbe gilt, wenn ich die Feier aus persönlichen Gründen nicht ausrichten kann – zum Beispiel, weil ich mich selbst mit dem Virus infiziert habe. Auch hier kann ich mein Geld nicht einfach zurückbekommen.

Zahlen während der Corona-Krise Kann ich die Beiträge vom Fitnessstudio zurückbekommen?

Nicht trainieren können, aber dafür zahlen müssen? SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler sagt nein und erklärt die Rechtslage.  mehr...

Catering, Location und Blumendeko: Ob ich auf meinen Kosten sitzen bleibe oder nicht, hängt oft vom Einzelfall ab. Wenn wieder – wie bereits im Frühjahr geschehen – der Hotelbetrieb schließen müsste, dann würde ich beispielsweise das Geld für die für meine Gäste gebuchten Zimmer zurückbekommen. Denn diese Leistung kann ich dann nicht mehr wie vereinbart erhalten. Manche Leistungen können aber noch erbracht werden, obwohl es Kontaktbeschränkungen gibt, die die Feier verhindern. Auch wenn Gäste nicht mehr zusammen in einer Räumlichkeit feiern dürfen, kann der Caterer ja nach wie vor liefern. Ob hier bezahlt werden muss oder nicht, hängt von der konkreten Vereinbarung ab. Deshalb könnte es sinnvoll sein, statt einer Räumlichkeit mit externem Caterer einen Veranstaltungsraum inklusive Bewirtung zu buchen.

Für Brautpaare oder Menschen, die eine Familien- oder Hochzeitsfeier im kommenden Jahr planen, bleibt die Lage also leider weiterhin unsicher. Sie ist sogar komplizierter geworden, als noch zu Beginn der Pandemie, weiß Rudolf Ratzel, Fachanwalt für Medizinrecht. Denn: „Dienstleister sind wachsamer geworden.“ Anders als noch in diesem Frühjahr würden viele versuchen, sich besser gegen Verluste und Absagen abzusichern. Das zeige sich zum Beispiel dadurch, dass in Verträgen jetzt manchmal ein Zusatz zu finden sei, dass im Falle einer Absage trotzdem ein gewisser Prozentsatz gezahlt werden müsse. Der Anwalt rät: Wenn möglich, vertraglich immer eine konkrete Personenzahl angeben. Das könne helfen, wenn es darum geht, ob für eine Leistung, die nicht erbracht werden kann, gezahlt werden muss. Eine vollumfängliche Absicherung sei aber wegen der Unberechenbarkeit der Corona-Situation nicht möglich. Verbraucher könnten aber versuchen, vertraglich festzuhalten, dass im Falle einer behördlichen Verordnung Kosten entfallen.

Eine bundesweite Empfehlung zu geben sei schwierig, so Ratzel gegenüber SWR3. Denn: Regional gibt es große Unterschiede, zudem kann sich die Lage sehr schnell verändern – beides zeigt aktuell auch der Fall um den Fleischverarbeiter Tönnies im nordrhein-westfälischen Kreis Gütersloh.

Ich will nächstes Jahr heiraten – was kann ich jetzt tun?

Wegen der Pandemie mussten auch in diesem Jahr einge Hochzeiten abgesagt oder verschoben werden. „Das lief mehr oder weniger holprig“, erzählt Svenja Schirk, Pressesprecherin vom Bund deutscher Hochzeitsplaner.

@softcorebytnbh wenn corona endlich vorbei ist😭😭😭😭😭😭 hätten jeden samstag ne hochzeit einfach gehabt alle abgesgat

Nächste Woche ist Corona Hochzeit mit 27 Personen unterreduziert 🥴ich hätte nicht geheiratet 🙃

Schirk rät auch für die Saison im kommenden Jahr: Kommunikation ist bei der Hochzeitsplanung in Zeiten von Corona alles.

Für uns ist wichtig, dass Paare offen in die Kommunikation gehen.

Das bedeutet: Das Thema „zweite Corona-Welle“ vor Vertragsabschluss klar ansprechen und den „Was ist wenn“-Fall entsprechend vertraglich festhalten, so Schirk im Gespräch mit SWR3.

Auch sie rät: Falls möglich sei es sinnvoll, bei Buchungen auch eine Personenzahl anzugeben. Das ist zum Beispiel bei einer Location mit Bewirtung ohnehin schon der Fall. Der Grund: Der Vertrag wird dann – zum Beispiel– über eine Leistung für 80 Personen geschlossen. Falls es wegen Corona erneut zu einer Reduzierung der Personenanzahl bei privaten Feiern kommen sollte, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich mein Geld zurückbekomme. Denn: Ich habe für eine größere Personenanzahl gebucht und diese Leistung kann nicht erfüllt werden.

Aktuell würden sich noch nicht so viele Paare mit Hochzeitsplänen bei ihr melden, erzählt Schirk. Sie hofft: „Es kommen ja gerade erst die Lockerungen, vielleicht haben einige Brautpaare dann wieder mehr Vertrauen.“

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