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Wie geht es mit dem Schulunterricht in Baden-Württemberg weiter? Was muss sich bei der Digitalisierung der Schulen tun? Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann beantwortete eine Stunde lang die Fragen der SWR3-Hörer.

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag verändert – für viele Familien im Südwesten ist vor allem ein Thema zentral geworden: Homeschooling.

Warum gibt es keine einheitlichen Vorgaben? Wie lange geht das Ganze noch? Was muss sich an unserem Schulsystem ändern?

Am 29. Juni nehmen Grundschulen und Kitas in Baden-Württemberg wieder den Betrieb auf – die Rede ist von einem Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen. Was bedeutet das?

„Wir leben immer noch in einer Pandemie – deshalb ist Normalität relativ“, erklärt Eisenmann. Corona-Bedingungen würden bedeuten, dass die Abstandsregeln wieder aufgehoben werden können. Grundlage für diese Entscheidung seien wissenschaftliche Studien. Allerdings müssten die Kinder in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden – zum Beispiel bleibe dann ein Kita-Kind in seiner Gruppe und habe keinen Kontakt zu Kindern anderer Gruppen. Außerdem würden die Pausen versetzt stattfinden.

Es ist wichtig, das Eltern, Kinder und junge Menschen eine Perspektive haben.

Wann öffnen die weiterführenden Schulen wieder?

„So lange wir 1,5 Meter Abstand halten müssen, können wir die Schulen nicht für alle öffnen“, erklärt Eisenmann. Sie hoffe aber, dass die Öffnung aller Schularten, also auch die weiterführenden Schulen, im September wieder in einem Regelbetrieb möglich wird. „Versprechen kann ich das aber nicht – das ist abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie“. Es werde aber ein Schulstart nach den Sommerferien angestrebt. „Daran arbeiten wir zusammen mit anderen Bundesländern.“

Was können wir aus der Corona-Krise lernen?

In der Krise zeigt sich vor allem ein altes Problem – die Digitalisierung an den Schulen. „Wir wissen, das wir digital nicht gut aufgestellt sind“, räumt die Kultusministerin ein. „Es ist keine einfache Zeit – ich bin stolz wie toll das Lehrer, Eltern und Schüler hinbekommen haben.“ Ziel sei es, besser und einheitlicher zu werden. Außerdem müsse sich die digitale Ausstattung verbessern.

Das Kabinett hat zugestimmt, 130 Millionen Euro vom Land und vom Bund bereitzustellen – davon sollen allein für Baden-Württemberg 300.000 Laptops angeschafft werden, so Eisenmann. Damit sollen Schülerinnen und Schüler besser ausgestattet werden. Bis zum Ende des Jahres solle es in Baden-Württemberg zudem eine digitale Bildungsplattform geben. „Das ist für Corona ein bisschen spät – das ist generell ein bisschen spät. So ehrlich muss man dann auch sein.“

Bundesweit stehen durch den Digitalpakt fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Es daure aber, bis das in den Schulen ankommt. Denn: Der Bund gebe vor, dass die Schulen eine Multimediakonzept vorlegen müssen, um die Mittel zu erhalten, so Eisenmann.

Kommentar: „Eltern sind keine Ersatzlehrer“Schulen, die mit der Digitalisierung schon weiter sind als andere, können die Hürden durch die Corona-Pandmemie besser meistern. Dennoch ist der Unterricht zu Hause für viele Familien eine Herausforderung. SWR3-Redakteurin Caro Knape ist ganz klar gegen Homeschooling. Wie steht ihr dazu?Gepostet von SWR3 am Montag, 15. Juni 2020

Gibt es freiwilligen Nachhilfe-Unterricht in den Sommerferien?

Dieses Angebot wird es laut Eisenmann geben. Es werde aktuell an einem freiwilligen Nachhilfeangebote für die Sommerferien gearbeitet. Das soll es für alle Schularten in Baden-Württemberg an zentrierten Standorten geben.

Dürfen Lehrerinnen und Lehrer Klassenarbeiten schreiben?

Ja, Klassenarbeiten dürfen geschrieben werden, so Eisenmann. Das solle aber nicht im Mittelpunkt stehen. „Wir haben die Lehrer darum gebeten, das eher nicht zu machen.“

Klar ist: „Keiner soll sitzen bleiben – alle werden versetzt.“

Wie geht es jetzt weiter?

Kultusministerin Eisenmann bekräftigt:

Wir wollen öffnen, aber wir sind immer noch in einer Pandemie. Wir müssen eine zweite Infektionswelle vermeiden – sonst müssen wir wieder schließen und das wäre verheerend. (...) Klar ist: Wir haben Corona noch nicht überwunden.

Hier gibt es das ganze Gespräch zum Nachhören:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Highlights anhören Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann beantwortet Hörerfragen

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