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Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)

Sie haben verzichtet auf den ersten Kuss in einer Sommernacht, auf Partys und Flirten, sie fühlen sich zuhause eingesperrt – und das schon den zweiten Sommer. Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann hat eine klare Botschaft: Jetzt müssen wir Erwachsenen zurückstecken – und auch mal eine laute Nacht ertragen.

Viele Jugendliche leiden, die Pandemie nimmt kein Ende. Das normale Leben, genießen, flirten, ausprobieren, das alles scheint in weiter Ferne. Der Soziologe Klaus Hurrelmann regt deshalb an, Plätze für Aktivitäten freizugeben und vorher die Anwohner zu informieren. Im Klartext: Lasst die Jugend jetzt auch mal laut sein. Gebt ihnen Plätze und Orte in den Kommunen und Städten frei. Und ertragt es.

Da lässt sich ja dann sagen: Nehmt Rücksicht auf die Jugend, sie hat auch Rücksicht auf euch genommen. Und darum geben wir hier jetzt mal für ein paar Tage eine Sondergenehmigung.

Vorwurf: Kommunen und Städte bieten den Jugendlichen zu wenige Plätze an

Noch deutlich mehr als andere Altersgruppen seien Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 22 Jahren am Ende ihrer Geduld, sagte Hurrelmann der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist eine Lebensphase, in der man raus muss, in der man sich erproben muss, Räume erobern.“

Viele Jugendliche haben das Gefühl, gar nicht richtig leben zu können.

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Corona-Frust ist groß bei Jugendlichen – und die Geduld aufgebraucht

Der Soziologe sagt, dass viele junge Erwachsene sich immer noch eingesperrt fühlen und das Gefühl haben, gar nicht richtig leben zu können. Bei bis zu einem guten Drittel könnten deshalb Frust und Ohnmachtsgefühle auch in Randale und Aggressionen umschlagen. Diese Gruppe sei seit dem vergangenen Sommer nach aktuellen Studien größer geworden, sagte Hurrelmann.

Die Disziplin der jungen Leute ist nach wie vor hoch, aber nicht mehr so hoch wie noch vor sechs Monaten. Das bröckelt.

Rund zwei Drittel hielten sich weiter an die Regeln und nähmen Rücksicht auf die Älteren. „Aber man merkt: Jetzt sind die Zurücksetzungen mehr im Fokus und sie haben auch die Geduldigen unter den jungen Leuten erreicht.“

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2020 seien es rund 30 Prozent der jungen Leute gewesen, die Schwierigkeiten mit den Corona-Regeln hatten. „Dieser Anteil ist weiter gestiegen. Nun sind es 35 Prozent. Und das wird auch noch weiter steigen“, so Hurrelmanns Prognose.

Ein Freifahrtschein sollen seine Ratschläge natürlich nicht sein – wer gegen Regeln verstoße, den müsse die Polizei auch vom Platz verweisen, so Hurrelmann.

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