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Während wir in Deutschland noch über eine Corona-Impfpflicht diskutieren, gilt sie in anderen Ländern schon. Hier gibt es einen Überblick.

Corona-Impfpflicht: ja oder nein? Das sorgt in Deutschland für heftige Diskussionen in der Politik aber auch in der Gesellschaft. Wie gehen unsere Nachbarländer mit diesem Thema um? Wir haben unsere Korrespondenten gefragt.

Corona-Impfpflicht in Frankreich für medizinisches Personal

In Frankreich gilt für den Gesundheitsbereich seit Mitte September eine Corona-Impfpflicht. Die hat für viele Diskussionen und auch Ärger gesorgt. Vor allem bei den ohnehin erschöpften Pflegekräften und Medizinern, die sich gegängelt fühlten. Aber auch die Leiter der Krankenhäuser und Altenheime hatten die Befürchtung, dass sie ihren ohnehin engen Dienstplan gar nicht mehr besetzt kriegen, wenn ungeimpfte Beschäftigte ausfallen. Keine Einrichtung musste am Ende schließen, aber manche Behandlungen oder OPs mussten verlegt werden.

Insgesamt arbeiten gut zwei Millionen Menschen im französischen Gesundheitswesen. 129.000 davon haben sich nach den jüngsten Zahlen immer noch nicht impfen lassen. Ungeimpfte können suspendiert werden und haben dann keinen Anspruch mehr auf Gehalt. Am Ende haben aber wohl nur die wenigstens Arbeitgeber davon Gebrauch gemacht. Nur rund 15.000 Menschen wurden tatsächlich suspendiert. Ob die anderen Ungeimpften jetzt trotzdem weiter zur Arbeit gehen oder sich vorübergehend haben krankschreiben lassen, ist schwer zu sagen. Unterm Strich bleibt stehen: Der Kollaps ist ausgeblieben. Einige der Einrichtungen kämpfen. Viele Beschäftigte sind verbittert, weil sie ihre Tätigkeit nicht mehr ausführen können.

Corona-Impfpflicht in Großbritannien

In Großbritannien mussten sich bis zum 11. November alle Pflegekräfte in Alten- und Pflegeheimen impfen lassen. Und das hat dazu geführt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegangen sind, wenn sie sich nicht impfen lassen wollten, anderen wurde dann deswegen von den Heimbetreibern gekündigt. Der Pflegesektor hatte wegen des Brexits und der Pandemie sowieso schon viele osteuropäische Arbeitskräfte verloren. Es gibt 100.000 freie Jobs und jetzt sind landesweit noch tausende Angestellte verloren gegangen – wegen der Impfpflicht. Das macht sich auch schon bemerkbar, es müssen derzeit Pflegeplätze abgebaut werden.

Gesundheitsminister Sajid Javid beharrt aber darauf, dass Pflegekräfte eine besondere Verantwortung gegenüber denen hätten, die ihnen anvertraut sind. Und darum hat die Regierung vor kurzem entschieden, dass bis April auch alle Bediensteten im gesamten Gesundheitswesen NHS – das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien – geimpft sein müssen, also in allen Kliniken und Praxen. Bisher sind zwar 90% des NHS-Personals geimpft, aber wenn sich nun auch niemand zusätzlich impfen lassen würde, würde auch der NHS etwa 90.000 Angestellte verlieren. Und das würden die überlasteten Kliniken kaum verkraften.

Corona-Impfpflicht in Italien

Schon früh hat Italien eine Impfpflicht für das Personal im Gesundheitsbereich eingeführt. Seit April müssen Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern, aber auch Apotheker geimpft sein. Verweigern sie sich, können sie versetzt werden und beispielsweise Aufgaben übernehmen, bei denen sie keinen direkten Kontakt mit Patienten haben. Sie können aber auch vom Dienst suspendiert werden, ohne Lohn. Mancherorts haben die Beschäftigten dagegen protestiert, aber die große Mehrheit hat sich impfen lassen. Inzwischen wird dem Gesundheitspersonal schon die 3. Corona-Impfung verabreicht, möglicherweise wird die Regierung bald die Pflicht zur Booster-Impfung beschließen.

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