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Die Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland laufen – zum Start der Zeckensaison wollen sich aber auch viele gegen FSME impfen lassen. Gehen beide Impfungen zur gleichen Zeit?

Die Corona-Pandemie hält uns auf Trab – die Impfungen laufen, aber die Fallzahlen steigen wieder. Das heißt: Mehr Geschwindigkeit bei den Impfungen wäre wichtig. Denn neben dem Coronavirus warten dieses Jahr auch noch zwei andere Krankheiten darauf, sich verbreiten zu können: Die Hirnhautentzündung FSME und Borreliose – beide werden durch Zecken übertragen.

2021 soll nach Ansicht von Experten ein extremes Zecken-Jahr werden. „Ich erwarte das zweithöchste FSME-Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2001“, sagte Franz Rubel vom Wiener Institut für Öffentliches Veterinärwesen.

Pandemie könnte FSME-Zahlen nach oben treiben

Die Wissenschaftler haben ein Prognosemodell entwickelt. Das wurde mit Zeckenbeobachtungen aus Süddeutschland zwischen 2009 und 2020 angefüllt. Und das sagt voraus: Dieses Jahr wird es so viele Zecken geben, wie schon lange nicht mehr – und demnach auch mehr FSME-Fälle.

Die Corona-Pandemie könnte mit dazu beitragen, dass die FSME-Zahlen in diesem Jahr noch weiter nach oben schießen, als ohnehin vorhergesagt: Die Menschen seien in der Pandemie öfter draußen, dadurch steige das Risiko noch einmal: „Wir brauchen da noch etwa zehn Prozent Corona-Aufschlag“, sagte Rubel.

2021 gibt es in Deutschland 5 neue #FSMERisikogebiete für die von #Zecken übertragene Viruserkrankung #FSME. Den besten Schutz bietet die Impfung. Eine #BZgA Infografik veranschaulicht die aktuellen FSME-Risikogebiete nach Definition des RKI @rki_de: https://t.co/zNle2pVuhf https://t.co/XVI7yds4JK

Glücklicherweise gibt es gegen die Zeckenbiss-Hirnhautentzündung einen Impfstoff. Und da ist es, das Dilemma: Eine Impfung gegen FSME und gegen Corona – kann man das zur gleichen Zeit machen?

Corona- und FSME-Impfung zur gleichen Zeit: Geht das?

Teresa Nygren vom Robert Koch-Institut sagte SWR3, dass es immer darauf ankomme, welche Impfstrategie man wählt. Denn vor und nach einer Corona-Impfung sollte man sich mindestens zwei Wochen lang keinen anderen Impfstoff geben lassen.

Sonst sei es möglich, „dass es zwischen den beiden Impfstoffen Wechselwirkungen gibt und die Immunantwort des Körpers nicht so effektiv ist“, sagte Nygren. Einfach gesagt: Die Impfungen wirken dann nicht so gut, wie sie sollten.

FSME-Auffrischung lässt sich problemlos schieben

Wer seine FSME-Impfung auffrischen lassen möchte – das macht man alle drei oder fünf Jahre, je nach Impfstoff – sollte den Termin so legen, dass er nicht mit der Corona-Impfung kollidiert. „Bei der Auffrischung kommt es auf ein paar Wochen nicht an“, sagte Nygren.

Wer sich zum ersten Mal gegen FSME impfen lässt, kann zwischen mehreren Optionen wählen: „Es gibt zum Beispiel ein Schnellimpfschema, bei dem bekommt man innerhalb von zwei oder drei Wochen zwei oder drei Dosen.“ Wer sich damit gegen FSME immun machen will, sollte seine Termine so legen, dass sie sich nicht mit der Covid-Impfung überschneiden, rät Nygren.

Gute Planung ist alles

Das lasse sich aber gut planen, sagt die Epidemiologin. „Beim Astrazeneca-Impfstoff kann der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Dosis bis zu zwölf Wochen betragen.“ Das Schnellschema für FSME würde dabei sehr gut dazwischen passen. Und dann sei man für die nächsten drei Jahre vor FSME geschützt, sagte Nygren.

Ein weiterer Erreger, den die Zecken übertragen, löst Borreiose aus – die kann Gelenkprobleme oder Nervenschäden verursachen. Jedes Jahr gebe es tausende neue Borreliose-Fälle durch Zeckenbisse, sagte Nygren: „Da ist es wichtig, die Zecke ganz schnell zu entfernen, weil der Erreger nicht gleich übertragen wird.“

Ganz anders ist das bei FSME: Sticht die Zecke zu, kann der Erreger schon ganz kurz nach dem Stich auf den Menschen übergehen: „Da bringt es eigentlich gar nichts mehr, die Zecke schnell zu entfernen.“

Zecken am Besten mit einer Pinzette entfernen

Und wie entfernt man die Biester nun richtig? Der Tipp der Expertin: Ganz vorne anpacken, nicht den Körper zerquetschen und dann – so gut es geht – den Kopf mit herausziehen.

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