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Vanessa Valkovic
Vanessa Valkovic (Foto: SWR3)
Christian Kreutzer
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)
Pirmin Styrnol

Wegen der Corona-Pandemie müssen immer mehr Menschen auf Intensivstationen behandelt werden. In einigen Städten gibt es kaum noch freie Betten. Ein Intensivpfleger startet einen emotionalen Weckruf.

Ricardo Lange und seine Kolleginnen und Kollegen kämpfen seit einem Jahr rund um die Uhr auf Intensivstationen um das Leben von Corona-Patienten. Oft können sie nicht mehr helfen. Seit einigen Wochen werden in immer mehr Städten die Intensivbetten knapp. In einer emotionalen Rede gibt Lange Einblick in seinen harten Alltag. Hier das ganze Video zur Bundespressekonferenz.

Corona-Intensivstationen kommen an ihre Grenzen

Wie Ricardo Lange warnt auch das RKI seit Wochen vor den steigenden Corona-Zahlen. Denn mit ihnen wächst auch die Zahl der Intensivpatienten. „Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich teilweise dramatisch zu“, so RKI-Präsident Wieler. „Wir müssen jetzt handeln und damit Menschenleben retten“. Sonst drohe eine Überlastung des Gesundheitssystems. Doch kann die dritte Welle mit der Notbremse noch gebrochen werden?

Divi-Intensivregister: weniger freie Intensivbetten

Ende April sind in Deutschland rund 21.000 Intensivbetten belegt, über 5.000 davon mit Corona-Patienten. Das zeigen die Daten des Divi-Intensivregisters. Weniger als 3.000 Intensivbetten sind noch frei. Bereits vor einigen Wochen hatte Divi-Präsident Gernot Marx mit einem rasanten Anstieg der Intensivpatienten gerechnet, da „die Welle der Intensivpatienten immer zwei bis drei Wochen der Infektionswelle nachrollt.“ Die dritte Welle hat mittlerweile auch die Krankenhäuser erreicht.

Corona-Mutation B.1.1.7 deutlich ansteckender

Das mutierte Virus sei deutlich gefährlicher und verbreite sich schneller, zeichnet auch Dr. Patrick Hünerfeld aus der SWR-Wissenschaftsredaktion ein düsteres Bild. „Da werden noch viele in die Kliniken kommen.“ Für seinen Dokumentarfilm Betrifft: Das Intensiv-Team – Jedes Leben zählt dreht er seit Beginn der Corona-Pandemie auf Intensivstationen der Uniklinik Freiburg und spricht viel mit Krankenhauspersonal. „Viele sind besorgt“, erzählt er. „Die Teams behandeln jetzt noch Patienten aus der zweiten Welle – und die Patienten der dritten Welle kommen jetzt nach und nach dazu.“

Es sei eine logische Kette: „Menschen infizieren sich, dann kommen bei einem Teil von ihnen Symptome. Ein Teil von ihnen muss ins Krankenhaus und ein Teil von denen landet schließlich auf den Intensivstationen.“ Deshalb gebe es eine zeitliche Verzögerung zwischen der rasch ansteigenden Zahl neuer Infektionen und der rasch ansteigenden Zahl neuer Intensivpatienten. Trotzdem gilt: je mehr Infizierte, desto mehr Intensivpatienten.

Corona-Intensivbetten: von grau zu rot

Die grauen Bereiche der Grafik des Datenteams des SWR sind ein gutes Zeichen: Das Grau zeigt, wo noch mehr als 20 Prozent der Intensivbetten frei sind.

Die Grafik zeigt aber auch rote Punkte – und die sind gefährlich. Denn: Das sind Kreise, in denen weniger als fünf Prozent der Intensivbetten noch verfügbar sind.

Die Intensivbetten füllen sich mit Corona-Patienten

Die Sorgen von Intensivmedizinern werden verständlich, wenn man sich die folgende Kurve anschaut. Sie zeigt, wie häufig schwer erkrankte COVID-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt werden müssen (hier findet ihr alle Corona-Daten unserer Recherche-Redaktion):

Mehr jüngere Corona-Patienten auf den Intensivstationen

Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger.

Virologen hatten bereits zuvor gewarnt, dass allein das Impfen der Älteren noch keine Entspannung bringe. Bereits in der ersten Welle sei nur etwa ein Viertel der Intensivpatienten über 80 Jahre alt gewesen.

Auch Dr. Patrick Hünerfeld sieht das Problem. Jüngere Patienten „liegen oft viele Wochen auf der Intensivstation bevor es besser wird – oder sie sterben – und es sterben leider viele.“ Weil die Behandlungsdauer länger ist als bei älteren Patienten, könnte schon bald ein Engpass an Intensivbetten drohen. „Die Prognosen der Epidemiologen sind düster“, so Hünerfeld. „Die dritte Welle wird größer als die zweite Welle werden.“ Experten gehen von einem Höhepunkt im Juni mit rund 100.000 Neuinfektionen am Tag aus.

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