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Katrin Stöver-Böhm
Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)

Mit Lockdowns starben ähnlich viele Menschen wie ohne – das zumindest ist das Ergebnis einer Studie der Johns-Hopkins-Universität. Aber: Andere Maßnahmen konnten wohl mehr Menschenleben retten.

Der Effekt auf die Sterblichkeit durch die harten Lockdowns während der ersten Corona-Welle in den USA und Europa sei gering bis nicht vorhanden, heißt es in der Studie. Die Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität hatten für ihre Meta-Studie mehr als 18.000 weltweite Studien zu den Folgen der Pandemie ausgewertet und nur die herausgefiltert, die sich mit der Übersterblichkeit beschäftigen. Das heißt: Inwieweit Lockdowns aber beispielsweise die Anzahl der Neuinfektionen und entsprechend auch die Belegung der Intensivstationen beeinflusst haben, war nicht Gegenstand der Untersuchung.

Auch der Virologe Klaus Stöhr weist auf Twitter darauf hin, dass allgemeingültige Schlussfolgerungen sicherlich schwierig seien.

Auch wenn sicherlich allgemeingültige Schlussfolgerungen schwierig sind: Metaanalyse aus sorgfältig ausgewählten Studien👇schlussfolgert: - Lockdowns hatten wenig oder keine Wirkung auf Mortalität. Europa und USA: #COVID19 Mortalität reduziert um 0.2% https://t.co/K1bg8XOsWX

Die Forschenden fanden heraus, dass durch die harten Lockdowns gerade einmal 0,3 Prozent weniger Menschen an Covid-19 starben. Außerdem heißt es in der Studie weiter, dass Lockdowns beispielsweise dazu beigetragen hätten, die Wirtschaftstätigkeit zu verringern, die Arbeitslosigkeit zu erhöhen, politische Unruhen zu verursachen oder zu häuslicher Gewalt beizutragen.

Wir liefern eine solide Antwort auf diese Frage: Das Material kann nicht bestätigen, dass Lockdowns einen signifikanten Effekt auf die Verringerung der Covid-19-Mortalität haben. Der Effekt ist gering bis gar nicht vorhanden.

Deutlicher Effekt durch Masken und Restaurantschließungen

Einen viel deutlicheren Effekt hatten die Masken – zum Beispiel für Mitarbeitende in Betrieben. Diese konnten dazu beitragen, dass 24 Prozent weniger Menschen an Covid-19 starben. Durch geschlossene Bars starben demnach 15 Prozent weniger Menschen.

Hat der Lockdown also gar nichts gebracht?

Das wäre wohl nur die halbe Wahrheit. Denn den Autoren der Studie ist es neben den Ergebnissen wichtig zu erwähnen, dass die Menschen sich bei hohen Infektionszahlen freiwillig vorsichtiger verhalten würden, unabhängig von einem Lockdown. Transparenz und Kommunikation, was das Virus angehe und wie man sich am besten davor schützen könne, seien daher für die Menschen besonders wichtig.

Corona-Pandemie Studie aus den USA: Lockdowns führen kaum zu verändertem Verhalten

Eine Übersichtsstudie der Johns-Hopkins-Universität in den USA kommt zu dem Ergebnis, dass Lockdowns fast keine Todesfälle verhindert hätten.

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Katrin Stöver-Böhm (Foto: Max Orlich)

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