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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)
Alexander Winkler, SWR Wirtschaftsredaktion

Vor einem Jahr wurde die Luca-App als hippe Alternative zur Corona-Warn-App des Bundes vorgestellt. Jetzt ist der Hype vorbei und die Macher kehren die Trümmer zusammen.

Schleswig-Holstein ist den Schritt schon gegangen und hat schriftlich gekündigt, Länder wie Baden-Württemberg, Brandenburg oder Berlin stehen wohl kurz davor. Das wollen die Macher der App natürlich verhindern und sind den Ländern großzügig entgegengekommen.

Zum einen müssen sich die Länder jetzt nicht mehr ein volles Jahr an die Luca-App binden, sondern können monatlich aussteigen, teilte die Betreibergesellschaft Cultur4Life mit. Gleichzeitig haben die Luca-Macher einen satten Rabatt gewährt: Statt 18.000 Euro sind künftig nur noch 9.000 Euro pro Jahr und Gesundheitsamt fällig.

Warum die Luca-App in der Pandemie helfen sollte

Ende 2020 gaben die meisten Bundesländer in ihren Corona-Verordnungen die Vorgabe, dass in Restaurants und bei Events die Kontaktdaten der Besucher zu erfassen sind. Dabei sollte die Luca-App datenschutzfreundlich und effizient helfen.

Aber es gab immer wieder Kritik an der Arbeitsweise der App. Im Gegenzug zur Corona-Warn-App speichert Luca die Daten nicht auf dem Smartphone, sondern zentral auf einem Server. Außerdem werden Fragen laut, ob Luca die Gesundheitsämter gut unterstütze.

Corona-Pandemie: Luca-App war keine große Hilfe

Aktuell müssen wir leider davon ausgehen, dass viele Check-Ins der Luca-App kaum zur Pandemie-Eindämmung beitragen“, sagte Alexander Winkler aus der SWR Wirtschaftsredaktion SWR3. Viele haben die Kontaktverfolgung schon im Herbst eingestellt, weil sie schlicht überlastet sind.

Sollten die Corona-Zahlen wieder sinken oder die Gesundheitsämter mehr Personal bekommen, dann könnte die App wieder nützlicher werden. „Im Moment bin ich da skeptisch“, sagte Winkler.

Corona-Warn-App mittlerweile wohl die bessere Alternative

Für ihn ist die Corona-Warn-App sogar die bessere Alternative, denn auch hier kann man sich mittlerweile für Restaurantbesuche oder Events ein- und wieder ausloggen. Die App kann zum Teil sogar Luca-Codes lesen. „Dazu kann sie praktischerweise noch den Impfnachweis speichern. Und sie ist deutlich mehr datensicher!

Denn die Corona-Warn-App speichert auch die Event-Daten lokal auf dem Smartphone und nicht wie die Luca-App auf einem zentralen Server. Auf dem Smartphone „gleicht sie auch regelmäßig ab, ob es bei meinen Begegnungen oder an den Orten, an denen ich war, Infektionsfälle gab“, erklärte Winkler.

Für Winkler steht fest, dass die Corona-Warn-App die bessere Alternative ist – aus noch einem ganz anderen Grund: „Behörden – wie zum Beispiel die Polizei in Mainz – können nicht auf meine Daten zugreifen.

Illegale Nutzung von Luca-App Thema im rheinland-pfälzischen Landtag

Die Freien Wähler haben die Nutzung von Daten der Luca-App bei Strafermittlungen scharf kritisiert. Justizminister Herbert Mertin (FDP) räumte ein, dass die Nutzung der Daten der Luca-App in dem strittigen Fall in Mainz unzulässig gewesen sei, weil sie den Vorgaben für die Ermittlungsbehörden widerspreche. Der CDU-Abgeordnete und Polizist Dirk Herber forderte Mertin auf, sich für eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes einzusetzen.

Die Mainzer Polizei hatte im Dezember bei Ermittlungen zu einem Todesfall in Absprache mit der Staatsanwaltschaft auf Daten aus der Luca-App zugegriffen, um potentielle Zeugen zu befragen. Das hätte sie aber gar nicht gedurft, weil die Hürden dafür eigentlich sehr hoch sind.

Luca-App verursachte Millionen-Kosten – ohne großen Nutzen

Dass die Luca-App nach der Omikron-Welle wieder die App der Wahl werden wird, glaubt Alexander Winkler nicht. „Die Bundesländer haben die Luca-App vor einem Jahr zu Kosten in Millionenhöhe lizensiert, mit dem Ziel an unsere Daten zu kommen zur Kontaktverfolgung.

Das hat sich jetzt aber gleich als doppelter Reinfall herausgestellt. Denn ausgerechnet in der schlimmsten Phase der Pandemie haben die Gesundheitsämter gar nicht die Kapazitäten diesen Datenschatz zu nutzen. Stattdessen nutzen Strafverfolgungsbehörden die Daten illegal.

Die Verträge mit 13 Bundesländern hatten bislang ein Jahresvolumen von 20 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer. Nur Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen haben von Anfang an auf Verträge mit den Luca-Machern verzichtet.

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