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David Beck
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Kira Urschinger
Kira Urschinger (Foto: SWR3)

„Wenn der Impfstoff kommt, dann ist dieser Wahnsinn endlich vorbei“, hoffen viele mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen. Aber ist der Impfstoff wirklich der Heilsbringer und kommt dann die Impfpflicht?

1. Wenn der Impfstoff kommt, hat sich das Coronavirus erledigt

Ein Impfstoff – ganz egal welcher – wird das Virus sehr wahrscheinlich nicht ausrotten. Dass das schwer sein kann, sehen wir bei der Grippe: Jedes Jahr gibt es einen neuen Impfstoff und jedes Jahr kommt sie wieder daher. Tatsächlich könnte Corona zu einer neuen Grippe werden (jedenfalls, was den Impfstoff anbelangt): Jedes Jahr eine neue Welle, jedes Jahr ein neuer Impfstoff.

Aber selbst, wenn wir es schaffen der Pandemie mit einem Impfstoff den Garaus zumachen, wird das nicht über Nacht passieren können. Mit der Produktion und der Verteilung des Corona-Impfstoffs kommt die größte logistische Herausforderung seit der Berliner Luftbrücke auf uns zu – nur dass es nicht nur um Berlin, sondern den ganzen Planeten geht.

Schätzungen zufolge werden bis zu 8.000 Frachtflugzeuge benötigt. Glashersteller bauen ihre Kapazitäten aus, damit genug Glasfläschchen vorhanden sind, um den Impfstoff abzufüllen. Und die Pharmahersteller selbst entwickeln spezielle Transportboxen, damit die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Es ist eine machbare Herausforderung, aber nichtsdestotrotz eine enorme.

2. Bis zum Ende des Jahres 2020 gibt es einen Corona-Impfstoff

Die optimistischsten Schätzungen gehen davon aus, dass Ende Oktober, Anfang November die ersten Hersteller Zulassungsanträge stellen werden. Die folgenden Zulassungsverfahren dauern in der Regel mehrere Jahre. Natürlich wird man diese Verfahren massiv beschleunigen, aber trotzdem ist nicht vor Ende Winter, Anfang Frühjahr mit einem Impfstoff zu rechnen.

Und tatsächlich wird es für die meisten von uns noch sehr viel länger dauern, bis wir geimpft werden. Aus impfstrategischen und logistischen Gründen (siehe oben) kann es sogar sein, dass viele ihre Impfdosis erst in ein, zwei Jahren bekommen – oder vielleicht sogar nie. Denn unter Umständen könnte es reichen nur ungefähr 70% der Bevölkerung – vielleicht sogar weniger – zu impfen, um die Pandemie soweit zurückzudrängen, dass ein normales Leben wieder möglich ist. So oder so sind die bisher entwickelten Impfstoffkandidaten kleine Meisterleistungen.

Corona-ImpfstoffEin Impfstoff ist wichtig, um die Corona-Lage in den Griff zu bekommen, sagt Gesundheitsminister Spahn. Forschungsministerin Karliczek betont aber: Bei der Entwicklung hat Sicherheit oberste Priorität.Gepostet von SWR Aktuell am Dienstag, 15. September 2020

3. Es wird auf jeden Fall einen Impfstoff gegen Corona geben

Es wird sehr wahrscheinlich einen Impfstoff gegen Corona geben, aber komplette Sicherheit gibt es nicht.

Beispiel: Der damalige stellvertretende Gesundheitsminister der USA sagte einst, dass es zwei, maximal drei Jahre gehen werde, bis ein Impfstoff gegen HIV zur Verfügung stehen würde – das war vor mehr als 25 Jahren!

Die Schwierigkeiten, vor die uns das HI-Virus in der Impfstoffentwicklung stellt, konnte sich damals einfach niemand vorstellen und so könnte es bei Corona auch sein – könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert ist aber sehr gering. Die Impfstoffentwicklung ist schon sehr weit und keiner der Kandidaten scheint größere Probleme zu haben. Unklar ist noch wie lang eine Immunität, ob durch Infektion oder Impfung, anhält. Das muss sich erst noch zeigen.

4. Wenn der Impfstoff kommt, kommt die Impfpflicht in Deutschland

Solange es keinen Corona-Impfstoff gibt, will die Regierung in Deutschland nicht über eine mögliche Impfpflicht entscheiden, so der aktuelle Stand. Entgegen vieler Vermutungen, die schon seit Monaten im Netz kursieren – teilweise gab es schon konkrete Stichdaten für den Start einer Impflicht, die mittlerweile in der Vergangenheit liegen und sich damit selbst als Lügen entlarvt haben.

Für andere Impfungen besteht bereits eine Pflicht und auch im geteilten Deutschland gab es immer wieder eine Impfpflicht gegen manche Krankheiten.

Seit März gilt eine Masern-Impfpflicht für Kinder und Personal von Kitas und Schulen. Und im geteilten Deutschland gab es sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik verschiedene Impfpflichten. Dass eine Impfpflicht grundsätzlich mit dem Grundgesetz vereinbar ist entschied das Bundesverwaltungsgericht schon 1959, trotzdem wird immer wieder darüber diskutiert. Fakt ist allerdings: Impfungen sind sinnvoll und retten Leben. Und um auch die Schwächsten der Gesellschaft zu schützen, sollten sich so viele Menschen, wie möglich impfen lassen.

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5. Sich gegen Corona impfen zu lassen wird gefährlicher sein als COVID-19

Hier sind wir schon weit in Verschwörungsterritorium vorgedrungen und mit Menschen, die so etwas wirklich glauben, ist es sehr schwer zu diskutieren. Auf jeden Fall kann das schon deswegen nicht sein, weil keine Zulassungsbehörde der Welt ein Medikament oder Impfstoff zulassen würde, der mehr Schaden anrichtet als die behandelte Krankheit.

Es ist sogar so, dass neu entwickelte Medikamente und Impfstoffe in den Zulassungsstudien nachweisen müssen, dass sie besser wirken oder weniger Nebenwirkungen haben als schon zugelassene Konkurrenzprodukte. Ein schlechteres Medikament auf den Markt zu bringen ist also gar nicht möglich. Wie streng die Zulassungsstudien sind sieht man auch daran, dass bereits mehrere Studien unterbrochen wurden, weil Teilnehmer krank geworden sind und es nicht gleich klar war warum. Wenn auch nur der Hauch einer Möglichkeit besteht, dass der Impfstoff daran schuld war, darf die Studie erstmal nicht fortgeführt werden. Sehr wahrscheinlich werden den zugelassenen Impfstoffen – vermutlich werden es letztendlich mehrere sein – auch eine Phase IV- oder PAST-Studie auferlegt. Solche Studien werden nach der Zulassung durchgeführt. Mit solchen Studien sollen Langzeit-Effekte oder -Nebenwirkungen ergründet werden und können auch dazu führen, dass eine Zulassung zurückgezogen wird, wenn sich herausstellt, dass der Impfstoff gefährlicher ist, als zunächst angenommen.

Spahn erklärte, eine Situation wie an Ostern, wo man habe empfehlen müssen, nicht die Verwandtschaft zu besuchen, „würde ich eigentlich gerne vermeiden wollen.“ . . . #spahn #jensspahn #gesundheit #bundesgesundheitsministerium #gesundheitsminister #weihnachten #christmas #familie #freunde #fest #heiligabend #feiertage #feier #freude #treffen #corona #pandemie #infektionsschutz #virus #abstand

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