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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

In der Bretagne haben mehrere Hundert Menschen eine illegale Techno-Silvester-Party gefeiert – trotz Ausgangssperren und Corona-Auflagen. Nach 36 Stunden ist die Feier vorbei und die Teilnehmer holen sich ihre Bußgeldbescheide ab.

Was haben die denn eingeworfen? Das fragen sich vermutlich viele Menschen, die von dieser Geschichte gehört haben:. Im französischen Lieuron südlich von Rennes im Westen des Landes haben etwa 2.500 Partygänger eine Silvester-Rave-Party gefeiert. Dabei gab es an Neujahr Ausschreitungen, einen Tag später löste sich die Party langsam auf.

Am Samstagmorgen sei die Musik in einer Halle ausgeschaltet worden und viele Feiernde hätten das Gelände mittlerweile verlassen, teilte die Präfektur des Départementes Ille-et-Vilaine in der Bretagne mit. Es habe auch „kein Einschreiten der Polizei“ gegeben.

Polizeikontrolle bei einer Rave-Party (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AFP | Jean-Francois Monier)
Ein Polizist notiert die Personalien von Jugendlichen nach dem Abbruch einer Party in einem in der Nähe gelegenen Hangar etwa 40 km südlich von Rennes. picture alliance/dpa/AFP | Jean-Francois Monier

Innenminister: Party „gewaltlos beendet“

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin schrieb bei Twitter, die Rave-Party sei dank der vielen Polizisten vor Ort und der intensiven Kontrollen „gewaltlos beendet“ worden. Die Polizei werde alle Teilnehmer beim Verlassen des Geländes kontrollieren und gebührenpflichtige Verwarnungen verhängen.

Camion, matériel de sons et générateurs ont été saisis dans le lieu de la #raveparty illégale. L’enquête se poursuit et les gendarmes poursuivent leurs investigations et leurs contrôles afin que cet événement illicite soit durement sanctionné.

+ de 1200 verbalisations sont mises aux participants de la #raveparty illégale de #Lieuron. Les gendarmes continuent les contrôles et poursuivent les organisateurs.

Feiernde trugen nur selten Masken

Viele der Techno-Fans bei der Party trugen keine Masken und hielten keine Sicherheitsabstände ein. Helfer verteilten Desinfektionsgel und Masken, um die Gefahr einer Coronavirus-Ausbreitung einzudämmen.

Rave-Party an Neujahr aus dem Ruder gelaufen

An Neujahr ist die Party dagegen völlig aus dem Ruder gelaufen. Trotz Corona-Auflagen und Ausgangssperre feierten Raver aus verschiedenen Regionen Frankreichs und auch aus dem Ausland in dem kleinen Ort in der Bretagne. Als die Polizei die Party beenden wollte, wurde sie gewaltsam angegriffen und vertrieben.

Bei den Ausschreitungen wurden nach Polizeiangaben ein Fahrzeug der Beamten angezündet und drei weitere beschädigt. Zudem seien Polizisten mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Nach den Ausschreitungen nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Der Abgeordnete Florian Bachelier aus der Region sprach von einer „Schande für unser Land“.

Polizeisperre an einer Zufahrtsstraße nach Lieuron (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AFP | Jean-Francois Monier)
Die Polizei sperrte die Zufahrten zu der Halle ab, um die Anreise weiterer Techno-Fans zu verhindern. picture alliance/dpa/AFP | Jean-Francois Monier

Illegale Silvesterpartys auch in anderen Städten in Frankreich

Auch in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille wurde in der Silvesternacht eine illegale Party aufgelöst. Laut Behörden hatten etwa 300 Menschen an der Feier teilgenommen. Und auch in einem leerstehenden Hangar in der Region Seine-et-Marne östlich von Paris feierten 120 Menschen eine Silvesterparty.

Die Regierung von Frankreich befürchtet, dass es im Land einen weiteren, massiven Anstieg der Corona-Infektionen geben könnte. befürchtet. Deswegen wurde die nächtliche Ausgangssperre in den 15 besonders vom Coronavirus betroffenen Gebieten Frankreichs von 20:00 Uhr auf 18:00 Uhr vorverlegt. Sie gilt bis morgens um 6:00 Uhr.

40-Stunden-Rave auch in Spanien

Die katalanische Polizei hat auch in Spanien eine illegale Silvesterparty mit etwa 300 Teilnehmern aufgelöst. Rund 40 Stunden dauerte die Party bei Barcelona bereits an. Gegen die Organisatoren und die Gäste der Feier werde nun ermittelt, teilte die Polizei mit. Die Party fand ohne Rücksicht auf die geltenden Corona-Auflagen in einer verlassenen Lagerhalle 30 Kilometer nordöstlich von Barcelona statt. Die drei bereits festgenommenen Organisatoren der Feier müssen nach Polizeiangaben mit Strafen von bis zu 600.000 Euro rechnen. Den Partygästen drohen demnach Geldstrafen von mindestens 3.000 Euro.

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