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AUTOR/IN
Verena Böhm

Im Frühjahr hieß es: „Bring Corona nicht zur Oma!“ Jetzt sind die Infektionszahlen höher denn je. Wie können wir ältere Familienangehörige im Moment und in der anstehenden Advents- und Weihnachtszeit besuchen, ohne eine Covid-19-Infektion zu riskieren?

Wir wissen heute: Das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, hängt von vielen Kriterien ab: Hohes Alter, Vorerkrankungen und starkes Übergewicht spielen eine Rolle. Während im Frühjahr allen über 60 geraten wurde, sich zu isolieren, muss heute jeder sein individuelles Risiko einschätzen – im Zweifel am besten im Gespräch mit dem Hausarzt. Was aber nach wie vor gilt: Wer zur Hochrisikogruppe gehört, setzt bei einer Infektion mit Covid-19 sein Leben aufs Spiel. Deshalb sind sich der Virologe Professor Bodo Plachter von der Uni-Klinik Mainz und die Alternswissenschaftlerin Professorin Astrid Hedtke-Becker von der Hochschule Mannheim einig: Wir sollten bei Treffen mit gefährdeten Familienangehörigen unbedingt alle Hygieneregeln einhalten.

Plachter: Treffen ohne AHA ist wie „russisches Roulette

Ein Zusammentreffen von vielen Menschen in engen Räumen ohne Maske und Abstand ist bei den hohen Infektionszahlen aus Sicht des Virologen wie eine Runde „russisches Roulette“. „Es sind mehr als sechs Schuss im Revolver, irgendwo aber kann eine Kugel stecken, die tödlich sein kann.“ Sich vorher frei zu testen – beispielsweise mit einem Schnelltest - erhöhe die Sicherheit, könne das Risiko einer Infektion aber auch nicht komplett ausschließen. „Die Tests sind immer nur Momentaufnahmen.“ Und: „Wenn schon, dann direkt vor dem Besuch. Drei Tage vorher einen Schnelltest zu machen, bringt gar nichts.“

Hygienekonzept für Familientreffen

Die Alternswissenschaftlerin Hedtke-Becker empfiehlt bei Treffen mit Menschen aus der Risikogruppe, sich vorher auf ein Hygienekonzept zu verständigen und jemanden zu bestimmen, der die Einhaltung überwacht. „Kinder machen das gerne“, erzählt sie aus eigener Erfahrung. Denn: Sich beim Kaffeekränzchen mit Omi an die AHA-Regeln zu halten, ist schwieriger als im Alltag:

„Auch wenn wir beim Einkaufen und in der Öffentlichkeit Mundschutz tragen und Abstand halten – zuhause, wenn die engsten Angehörigen zusammenkommen, fallen schnell die Hüllen, also die Masken. Die Verführung ist einfach zu groß, das Enkelkind zu knuddeln.“

In Kontakt bleiben – unbedingt!

Wer sich entscheidet, Menschen, die alleine leben, im Moment lieber nicht zu besuchen, sollte aus Sicht der Alternswissenschaftlerin auf jeden Fall eng mit ihnen verbunden bleiben. „Soziale Kontakte sind so wichtig wie Essen und Trinken“, sagt Hedtke-Becker. Es drohe schlimmstenfalls sogar das Abrutschen in eine Depression. Wie der Kontakt aussieht – da sei Kreativität gefragt: Regelmäßige Videokonferenzen könnten den persönlichen Kontakt zwar nicht ersetzen, seien aber besser als gar kein „Sichtkontakt“. Omas 80. Geburtstag vorm Bildschirm feiern? Warum nicht! Am besten so richtig – zum Beispiel mit selbstgebackenem Kuchen, der vorher verschickt wird, so dass alle den gleichen essen. Außerdem könnten Enkel der Großtante ein Video schicken oder dem Opa einen Podcast aufnehmen.

Tipps für den Besuch bei Oma und Oma

1. Legt ein Hygienekonzept fest, auf das sich alle einigen können.
2. Bestimmt jemanden, der es überwacht.
3. Haltet euch dran, wenn ihr euch trefft.

Plachter: Uneinsichtige Familienangehörige überzeugen

Schwierig wird’s für alle, die uneinsichtige Familienangehörige haben – denn das führt schnell zu Streit in der Familie. „Aus meiner Sicht müssen diese Menschen überzeugt werden, dass die Situation gerade wirklich gefährlich ist“, so Virologe Plachter. Natürlich könne jeder für sich entscheiden, ob er das Risiko einer Infektion eingehen will. „Man sollte aber bedenken, dass, wenn viele Menschen so denken, selbst das beste Gesundheitssystem definitiv in absehbarer Zeit an die Grenze der Belastbarkeit kommt.“ 

Alten- und Pflegeheime sollten nicht schließen

Dass die Alten- und Pflegeheime die Türen trotz der steigenden Zahlen nicht wieder ganz dicht machen, halten beide Experten für eine deutliche Verbesserung zum Frühjahr. „Das war der falsche Weg", so Hedtke-Becker. „Schwer kranke Menschen oder Menschen, die im Sterben liegen, brauchen den persönlichen Kontakt besonders dringend“, sagt die Wissenschaftlerin. Am Bett sitzen (mit Maske), die Hand halten (wenn sie gründlich desinfiziert ist) - das müsse gehen. Virologe Plachter gibt dafür grünes Licht. Gerade in den Einrichtungen sei es möglich, die Hygieneregeln einzuhalten. Und hier hält er auch den Schnelltest für eine gute Methode, die Sicherheit für Bewohner und Personal zu erhöhen.

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Verena Böhm

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