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AUTOR/IN
David Beck
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Christian Kreutzer, Katrin Stöver-Böhm

Mehr und mehr Impfstoffe gegen das Coronavirus werden überall auf der Welt zugelassen. Bei uns gesellt sich nun auch der Vektorimpfstoff des Pharmariesen Johnson und Johnson dazu. Wie wirkt der Impfstoff genau? Das erklärt David Beck aus der SWR-Wissenschaftsredaktion.

Nur einmal pieksen! Das ist das große Versprechen des in den Niederlanden entwickelten Vektorimpfstoffs, während in Deutschland mehr und mehr Menschen ihrem Impftermin entgegenfiebern.

Das ist nicht nur für uns als Impflinge praktisch, sondern auch für die Impfkampagne an sich: Es muss nur ein Termin vereinbart werden, was die Organisation enorm erleichtert. Außerdem stellt sich nicht mehr die Frage, ob Impfdosen für die zweite Impfung aufbewahrt werden sollen – alle verfügbaren Dosen können guten Gewissens verimpft werden. 

Laut EMA bei Impfstoff Johnson und Johnson Nebenwirkungen nur in sehr seltenen Fällen

Und damit könnte es auch schon bald losgehen, denn der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson und Johnson kann in der EU nach Prüfung der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) uneingeschränkt verwendet werden. Die EMA hält daran fest, dass die Vorzüge des Impfstoffs, Covid-19 zu verhindern, höher zu bewerten seien, als die Risiken von Nebenwirkungen. Der Wirkstoff könne nur in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die EMA mit.

Johnson-und-Johnson-Impfstoff bringt den harmlosen Teil des Coronavirus in die Zellen

Ein weiterer Vorteil der Ein-Dosis-Variante versteckt sich im eigentlichen Wirkmechanismus: Bei Vektorimpfstoffen wird über ein im Labor harmlos gemachtes Virus der genetische Bauplan für ein Teil des Coronavirus in die Zellen gebracht. Die Zellen bauen diesen Teil dann selbstständig nach und das Immunsystem bildet Antikörper dagegen.

Ein Nachteil von Vektorimpfstoffen ist, dass auch gegen das Virus, das den genetischen Bauplan im Körper verteilt, eine Immunantwort ausgelöst wird. Bei einer zweiten Impfung mit dem gleichen Virus erkennt das Immunsystem dieses Virus und bekämpft es, bevor der Impfstoff überhaupt in den Zellen ankommt. Dieses Problem wird umgangen, wenn nur eine Impfung nötig ist. 

Nein, 67 Prozent Impf-Wirksamkeit ist nicht wenig

Und trotz einfacher Dosis kann sich auch die Wirksamkeit des Impfstoffs sehen lassen: Mit 67% ist sie zwar, wie auch bei dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca, deutlich niedriger als bei den mRNA-Impfstoffen – aber dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Hoffnungen zu Beginn der Corona-Impfstoffentwicklung bei 50-60% lagen, wo zum Beispiel auch Grippeimpfstoffe liegen.

Außerdem soll der Impfstoff von Johnson und Johnson schwere Verläufe um bis zu 85% unwahrscheinlicher machen. Gegen manche der ansteckenderen Virusvarianten wirkt der Impfstoff wohl nicht ganz so gut, trotzdem ist auch hier die Wirksamkeit noch in einem Bereich, der den Impfstoff zu einem wichtigen Teil bei der Bekämpfung der Pandemie macht. 

Und noch einen Vorteil bietet Johnson und Johnson: die Lagerung. Wie auch beim Vektorimpfstoff von Astrazeneca kann dieser monatelang im Kühlschrank aufbewahrt werden. Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Impfung in der Hausarztpraxis

„Gegen Corona Geimpfte wirken wie eine Schneise“

So sind es immer größere Schritte, die wir nach und nach in Richtung Eindämmung des Coronavirus – und damit auch wieder in Richtung Normalität – gehen. Je mehr Impfstoffe zugelassen sind und je mehr Dosen geliefert werden können, desto schneller geht die Impfkampagne voran und – ganz wichtig – desto langsamer kann sich das Virus ausbreiten. 

Geimpfte wirken wie eine Schneise, die in den Wald geschlagen wird, um einen Waldbrand zu stoppen. Sobald diese Schneise groß genug ist – also genug Menschen geimpft sind – kann das Virus sie nicht mehr überspringen – Infektionsketten werden nachhaltig unterbrochen und so das Virus gestoppt. 

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Biontech und Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson und Johnson – diese vier Impfstoffe sind in Deutschland aktuell zugelassen. Was sind die Unterschiede?  mehr...

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