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Seit einem Jahr sind viele Menschen nicht mehr im Büro, sondern arbeiten zuhause. Dekra hat eine Studie in Auftrag gegeben – die Ergebnisse sind erschreckend.

Im März 2020 ging die Corona-Pandemie bei uns so richtig los, viele Firmen schickten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice. Was als Experiment begann, ist heute – gut ein Jahr später – schon zu unserer neuen Arbeitsrealität geworden. Allerdings läuft das Arbeiten zuhause laut einer von Dekra in Auftrag gegebenen Studie alles andere als rund.

Der Stuttgarter Prüfkonzern hat 1.500 Arbeitnehmer im Alter zwischen 18 und 65 befragen lassen, wie zufrieden sie im Homeoffice sind. Dabei kam heraus, dass zwei Drittel der Befragten mit dem Arbeiten zuhause zufrieden sind. Allerdings klagt dagegen ein Drittel der Heimarbeiter über gesundheitliche Probleme, weil die Arbeitsplätze in den eigenen vier Wänden nicht gut sind.

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Kopf- und Rückenschmerzen sind häufigste Homeoffice-Krankheit

Am Schlimmsten sind offensichtlich die Stühle und Schreibtische im heimischen Büro. 36 Prozent der Befragten klagten über Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen im Homeoffice. Als Grund dafür gaben sie einen „mangelhaften, nicht-ergonomischen Arbeitsplatz“ an. Frauen waren dabei etwas häufiger betroffen als Männer.

Mehr Krankmeldungen wegen Rückenschmerzen

Diese Belastungen haben auch Auswirkungen auf die Häufigkeit der Krankmeldungen. Laut der Krankenkasse DAK sind 2020 die Krankheitstage der Arbeitnehmer wegen Rückenschmerzen um sieben Prozent gestiegen.

Tabea Scheel von der Uni Flensburg untersucht schon länger die Arbeitsbedingungen im Homeoffice. Sie sagt, dass die wenigsten Unternehmen die Chance hatten, die Heimarbeitsplätze ihrer Mitarbeiter gut auszustatten. Demnach seien vermutlich die meisten Homeoffices ergonomisch eher eine Qual.

Psyche spielt im Homeoffice eine wichtige Rolle

Dass die Heimarbeiter in der Folge unter anderem Schmerzen litten, sei wenig überraschend. Scheel sagt: „Kopf- und Rückenschmerzen sind ein ganz typisches psychisches Symptom.“ Dabei könne es sein, dass durch die Schmerzen auch eine psychische Belastung entstehe. Wahrscheinlicher sei laut Scheel aber, dass es anders herum sei: dass sich sie psychische Belastung in Form von zum Beispiel Schmerzen zeige.

Das könne vor allem dann passieren, wenn man sich in einer Arbeitsumgebung befinde, die der Arbeit nicht zuträglich sei. „Ich muss mich ja konzentrieren, die Wäscheberge ignorieren. Und wenn ich Kinder im Hintergrund habe, habe ich ein Problem, an meiner Arbeit dranzubleiben.“

Frauen klagen häufiger über Probleme beim Arbeiten zuhause

Auch dass Frauen häufiger über Probleme klagten als Männer sei wenig verwunderlich. Frauen hätten im Homeoffice in den meisten Fällen eine Mehrbelastung durch Arbeit, Haushalt und Kinderversorgung. Sich um all das gleichzeitig zu kümmern sei eine unheimliche Belastung. „Es ist sogar so, dass in einigen Bereichen die Männer derzeit produktiver sind unter Pandemie-Bedingungen.“

Laut der Dekra-Studie ist aber auch fehlende oder schlechte Arbeitsausstattung ein Problem für die Arbeitnehmer. Das gelte für 34 Prozent der Befragten. Viele gaben an, dass zum Beispiel ihre Bildschirme zu klein seien oder das Internet zuhause zu schlecht sei.

32 Prozent der Befragten stellten auch fest, dass sie zuhause zu ganz untypischen Zeiten arbeiten – zum Beispiel am Abend oder am Wochenende.

Auch der Spagat zwischen Arbeit und Privatleben gelingt den befragten Arbeitnehmern nicht immer. 30 Prozent gaben an, dass sie beim Arbeiten durch ihre Wohnsituation oder den Alltag gestört würden. Konkret durch die eigenen Angehörigen oder durch Nachbarn. Für 27 Prozent der Befragten ist es auch ein Problem, dass der Arbeitsbereich nicht klar genug von der Restwohnung abgegrenzt ist.

Wenn ich kein Arbeitszimmer habe: was dann?

Weil durch die Pandemie viele Menschen spontan im Homeoffice gelandet sind, sei es schwierig gewesen, das Büro zuhause vernünftig auszustatten, sagte Scheel in SWR3. Wer sich den Luxus eines Arbeitszimmers gönnen könne, sollte nach Feierabend die Tür zu selbigem schließen und am besten nicht mehr hinschauen.

Wer kein Arbeitszimmer hat, sollte sich laut der Forscherin zum Arbeiten in den Raum setzen, den man privat am wenigsten nutzt. Das Wohnzimmer sei zum Beispiel nur dann geeignet, wenn dort ein Schreibtisch steht: „Zusammengekrümmt am Sofatisch ist problematisch“. Auch das Schlafzimmer sei nicht ideal: „Da falle ich quasi vom Bett an den Schreibtisch und abends wieder zurück.“

Neben dem Raum ist auch die Atmosphäre im Homeoffice wichtig

Neben dem richtigen Raum sei aber auch die Atmosphäre im Homeoffice eine wichtige Komponente: „Ruhe und Tageslicht sind sehr wichtig“, sagt Scheel. Auch regelmäßige Pausen förderten das Wohlbefinden im Heimbüro. Und ganz wichtig: Eine klare Grenze ziehen zwischen Privatleben und Arbeit.

Die Dekra-Studie hat aber auch einen Punkt zu Tage gefördert, der zuhause nicht ganz so einfach zu lösen ist. Mehr als einem Fünftel der Heimarbeiter fehlt die soziale Komponente. Sie fühlen sich zuhause durch ihren Arbeitgeber nicht wahrgenommen oder ihnen fehlt schlichtweg die Aufmerksamkeit durch ihren Chef. Zwei von zehn Befragten sind auch mit der IT-Ausstattung an ihrem Homeoffice-Platz unzufrieden.

Studien: Zweieinhalb Tage Homeoffice sind ideal

Dazu gebe es laut Scheel auch Studien, die belegen, dass maximal zweieinhalb Tage Homeoffice für das Wohlbefinden der Arbeitnehmer ideal seien. Aber: Nicht jeder ist grundsätzlich für das Arbeiten zuhause gemacht.

Deswegen loteten die Arbeitgeber zurzeit aus, für wen Homeoffice sinnvoll sei und für wen nicht, wie die Bedingungen sein müssten und wie sie „vor allem dafür sorgen können, dass sich die Menschen sich im Büro auch ab und an begegnen. Das ist sehr wichtig.“

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