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Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Ohne sie geht nichts. Doch vor Corona wurden sie weitläufig als selbstverständlich hingenommen: Pflegerinnen und Pfleger. Damit das nach der Pandemie nicht wieder so wird, haben sie zum Tag der Pflegenden auf sich aufmerksam gemacht. Mal wieder.

Es ist wahrlich kein neues Thema: der Notstand in der Pflege. Zu wenig Personal, zu niedriger Lohn und dazu noch schlechte Arbeitszeiten. Immer wieder fordern Pflegekräfte von der Politik bessere Arbeitsbedingungen und Reformen. Denn so kann es nicht weitergehen. Es geht zulasten der physischen und psychischen Gesundheit der Arbeitenden – und unweigerlich am Ende auch zulasten der Versorgung der Patientinnen und Patienten. Und das, kann man sich vorstellen, möchte niemand.

Spätestens seit der Corona-Pandemie, in der das Pflegepersonal schier Unglaubliches leistet, ist es auch auf dem Schirm von Menschen angekommen, die sich vorher vielleicht nicht so viele Gedanken darüber gemacht haben, wer sich um den Opa im Altersheim kümmert oder Mama nach ihrem gebrochenen Bein beim Wiederlaufenlernen geholfen hat.

#TagDerPflegenden Wir sind da für : Matteo, der gerade das Licht der Welt erblickt hat aber nicht alleine lebensfähig ist Marie 3, die eine Kopfplatzwunde nach Sturz hat Felix 6, der mit dem Fahrrad gestürzt ist Julia 9, der ein Pferd auf den Fuß getreten ist

Aktionen und Veranstaltungen zum Tag der Pflegenden

Mit zahlreichen Veranstaltungen wollten viele, die in der Pflege arbeiten – und die, nun ja, gerade die Zeit dafür haben –, daran erinnern, dass etwas unternommen werden muss. Und zwar dringend.

Vor dem Bundestag in Berlin demonstrierten am Mittwochvormittag rund 50 Pflegerinnen und Pfleger und veranstalteten anschließend in der Nähe des Reichstags ein „Sleep-In“. Dabei ruhten sie sich symbolisch für diejenigen aus, „die kaum Zeit haben zur Ruhe zu kommen“, wie es hieß. Schon viel zu lange arbeite das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen unter extremen Bedingungen. Ein Großteil davon seien Frauen.

Teilnehmer der Aktion "Der Pflege geht die Luft aus". Pflegekräfte bei einer Protestaktion vor dem Bundestag in Berlin. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)
picture alliance/dpa | Fabian Sommer

Heute gehen wir in #Berlin zum #TagderPflegenden auf die Straße! Wir beginnen unsere Demo vor dem #Bundeskanzleramt! Wir laufen heute bis 18:00 durch Berlin und halten euch hier im Thread auf dem laufenden! #gibuns5 #pflege https://t.co/X7OCpsNvTi

„Walk of Care“: Zwölf-Stunden-Mahnwache in Stuttgart

Um 6 Uhr morgens begann auf dem Stuttgarter Schlossplatz eine Mahnwache unter dem Titel „Walk of Care“. Sie sollte bis 18 Uhr dauern. Rund 50 Beschäftigte aus dem Pflegebereich machten hier auf sich aufmerksam.

Es ist ganz egal, wo in der Pflege man arbeitet – ob Hospiz, Ambulanz, stationär, Psychiatrie, Reha-Kliniken, Altenheime – überall sieht es gleich bescheiden aus mit der Besetzung und überall besteht Handlungsbedarf.

Der Tenor hier: Es fehlt Personal. „Durch Corona allein fällt so viel Personal aus, dass man zeitweise gezwungen ist, mit Bereitschaftsdiensten oder alleine oder mit Auszubildenden zu arbeiten, was dann rechtlich auch nicht so ganz passt. Wo man dann auf sich allein gestellt ist und man die ganze Verantwortung übernehmen muss“, klagt eine Teilnehmerin. Sie sei nach wie vor zufrieden mit ihrer Berufswahl, aber es fehlten Arbeitskräfte und man sehe, „dass man dann wohl eher reduzieren wird als 100 Prozent weiter zu arbeiten, weil das einfach nicht machbar ist“.

Ihre Kollegin stimmt ihr zu. Sie arbeite seit neun Jahren am Universitätsklinikum und habe schon viele Leute kommen und gehen sehen. Es werde immer anstrengender. „Ich sehe, wie meine Kollegen zunehmend den Arbeitsumfang reduzieren, auf achtzig Prozent, weil sie sagen: Sie packen es nicht mehr, hundert Prozent im Schichtbetrieb zu arbeiten.

Mehr Personal, also ein besserer Personalschlüssel für alle pflegerischen Einrichtungen. Bessere Bezahlung. Tarifliche Bezahlung. Bessere Grundbedingungen für die Auszubildenden. Und vor allem mehr Mitspracherecht in der Politik, speziell beim Thema Corona.

Rote Karte für Spahn

Die Rote Karte wollten die Pflegekräfte an der BG-Klinik in Ludwigshafen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi haben die Pflegerinnen und Pfleger der Berufsgenossenschaftlichen Klinik keine Pflege-Zulage bekommen, wie etwa die Beschäftigten im öffentlichen Dienst oder in Unikliniken.

Auch an den Standorten Kaiserslautern und Kusel des Westpfalz-Klinikums und im Städtischen Krankenhaus Pirmasens wollten Pflegekräfte auf ihrer Arbeitskleidung einen roten Aufkleber mit der Aufschrift „Rote Karte – Für Spahn!“ tragen.

Ballon-Aktion: „Der Pflege geht die Luft aus“

Die Pflegekräfte in Kaiserslautern haben am Mittag außerdem rote Luftballons in den Himmel steigen lassen. Auch am Katholischen Klinikum Koblenz-Montabaur sollten Pflegekräfte mit einem Ballon in der Hand mit der Aufschrift „Der Pflege geht die Luft aus“ fotografiert werden. Die Fotos werden nach Angaben der Pflegekammer gesammelt und in sozialen Medien veröffentlicht.

Für das Personal der Mainzer Universitätsmedizin gab es 300 Care-Pakete als Dankeschön für den Einsatz in der Corona-Pandemie. Initiator ist ein Mainzer Caterer. In Hockenheim wollten Bürgermeister und Oberbürgermeister in zwei Pflegezentren und in einem Altenheim Eis für das Personal vorbeibringen.

In Ulm haben Beschäftigte des Uniklinikums Banner an 14 Stellen in der Stadt aufgehängt. In Aalen rechnete Verdi bei einer Kundgebung vor dem Landratsamt mit 60 bis 70 Beschäftigten des Ostalb-Klinikums.

Zum Tag der Pflege einfach mal wieder auf dem Balkon Applaus geben, oder?

Aktionen waren auch an Krankenhäusern in Freiburg, Emmendingen, in Offenburg und Rottweil geplant. An der Uniklinik Tübingen waren wegen der hohen Belastung durch die Pandemie nur interne Aktionen möglich.

„Pflegerin des Jahres“ Marie Sohn im SWR3-Interview

Eine Umfrage von Verdi hat gezeigt, dass fast jede dritte Pflegekraft in Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten ihre Stelle in den kommenden zwölf Monaten aufgeben will.

Eine, die sich das wohl gerade eher nicht vorstellen könnte, ist Marie Sohn – die frisch gekürte „Pflegerin des Jahres“. Was man für den Beruf am besten mitbringen sollte, erklärte sie in der SWR3 Morningshow:

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Nachrichten Interview mit der „Pflegerin des Jahres“ Marie Sohn

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