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Björn Widmann
Björn Widmann (Foto: SWR3)

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte schlägt Alarm: Mittlerweile hätten so viele Kinder und Jugendliche ernste psychische Probleme, dass die Kliniken zu drastischen Maßnahmen griffen.

Wie schlimm steht es wirklich um die Kinder und Jugendlichen in der Corona-Pandemie? Besch***en wäre noch geprahlt, stellt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in der Rheinischen Post klar. So mies wie zurzeit ist es unserem Nachwuchs demnach schon lange nicht mehr gegangen.

Die krasseste Aussage: „Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt“, sagte Verbandssprecher Jakob Maske.

Wer nicht suizidgefährdet ist und „nur“ eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen.

Triage war während der Pandemie schon mal Thema

Der Begriff Triage ist während der Corona-Pandemie schon einmal aufgetaucht: Im Dezember 2020 war ein Zitat des Ärztlichen Direktors am Klinikum Oberlausitzer Bergland in Zittau falsch wiedergegeben worden – das hatte für viel Aufsehen gesorgt.

Dr. Matthias Mergel hatte t-online gesagt: „Wir waren in den vergangenen Tagen schon mehrere Male in der Situation, dass wir entscheiden mussten, wer Sauerstoff bekommt und wer nicht.“ Daraus entstand das Gerücht, dass die Ärzte in Sachsens Kliniken entscheiden mussten, wer gerettet wird und wer sterben muss. In der Gegend lag die Sieben-Tage-Inzidenz vor Weihnachten bei über 600.

Von einer Triage bei ärztlichen Behandlungen spricht man, wenn es so viele schwer kranke Patienten gibt, dass nicht mehr alle behandelt werden können. Dann entscheiden Ärzte aufgrund der Heilung- oder Überlebenschancen, wer zuerst behandelt wird. Im schlimmsten Fall bedeutet das dann für einige Patienten, dass sie nicht überleben, weil sie nicht oder zu spät behandelt werden.

Kinder und Jugendliche von Anfang an vernachlässigt

Der Verband kritisiert die Corona-Politik der Bundesregierung dabei heftig. „Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt.“ In der ersten Phase seien die pauschalen Einschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen noch nachvollziehbar gewesen.

Aber inzwischen haben wir gelernt, dass Kinder die Infektion deutlich weniger weitertragen und selbst deutlich seltener erkranken als Erwachsene“, sagte Maske.

Ein Kind kuschelt sich an sein Stofftier (Foto: IMAGO, Imago)
Vor allem die Jüngsten leiden unter den Corona-Einschränkungen. Imago

Mediziner fordern: Schulen und Kitas schnell öffnen

Kinder- und Jugendmediziner fordern deshalb, dass Schulen und Kitas schnell wieder geöffnet werden. „Natürlich gemäß den geltenden Leitlinien und mit angemessenen Testungen. Jetzt ist es an der Zeit, das Ruder herumzureißen“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch der Rheinischen Post.

Wir sehen die dringende Notwendigkeit, dass sich Menschen, die sich noch nicht impfen lassen können, keine Nachteile davon haben dürfen. Es ist absolut notwendig – selbst wenn Jugendliche in den höheren Jahrgängen geimpft werden können – für Kinder im Grundschulalter, aber auch in mittleren Jahrgängen wieder ein normales soziales Leben zu ermöglichen, damit sie sich normal entwickeln können.

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