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Ferdinand Vögele
Ferdinand Vögele (Foto: SWR3)

Auch die abschließende Analyse zeigt: Der Corona-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac hat eine geringe Wirksamkeit. Sie liegt bei 48 Prozent. Deutlich weniger als erhofft und weniger als die Behörden fordern. Doch woran liegt das und wie geht es jetzt weiter?

Ein Impfstoff gegen das Corona-Virus aus Tübingen: Das war nicht nur eine große Hoffnung für Baden-Württemberg, sondern auch der Bund und die EU hatten daran geglaubt. Der Bund war mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen – ein Anteil von rund 23 Prozent am Unternehmen – und die EU hatte ärmeren Ländern 400 Millionen Curevac-Dosen versprochen.

Curevac scheitert an Vorgaben zur Wirksamkeit

Corona-Impfstoffe sollten mindestens eine Wirksamkeit von 50 Prozent haben. Das empfehlen die Europäische Arzneimittelagentur EMA und die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. Das Vakzin von Curevac liegt – auch nach der abschließenden Analyse – darunter. Und somit dürfte es für die Tübinger sehr schwer werden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach nach der ersten Zwischenanalyse auf Twitter sogar davon, dass Curevac für die Impfungen in Europa wohl keine Rolle mehr spielen wird.

Curevac-Impfstoff hat Wirksamkeit von 48 Prozent

Laut der abschließenden Analyse zeigt das Vakzin eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Covid-Erkrankung jeglichen Schweregrades und in allen Altersgruppen, wie das Tübinger Biotechunternehmen am Mittwochabend mitteilte. Bei einer Zwischenanalyse vor zwei Wochen waren es 47 Prozent gewesen.

Bessere Wirkung bei Altersgruppe 18 bis 60

Bei Menschen zwischen 18 und 60 Jahren zeigte der Curevac-Impfstoff eine Wirksamkeit von 53 Prozent gegen eine Erkrankung jeglichen Schweregrades und eine Wirksamkeit von 77 Prozent gegen einen moderaten und schweren Krankheitsverlauf. Einen vollständigen Schutz gab es in dieser Altersgruppe vor einem Krankenhausaufenthalt oder Tod. 18 bis 60-Jährige sind bei einer Infektion jedoch weniger gefährdet als ältere Menschen. „Die Daten für die über 60-Jährigen innerhalb der Studie waren nicht ausreichend, um eine Wirksamkeit bestimmen zu können“, sagte Curevac-Sprecherin Sarah Fakih.

Studienleiter: Die Dosis ist bei Curevac das Problem

Woran liegt es aber, dass der Curvac-Impfstoff so schlecht abschneidet? Der Tübingen Tropenmediziner Peter Kremsner, der die klinische Studie geleitet hat, sagte nach der ersten Zwischenanalyse, dass es an der Dosis liege. Curevac verwendet eine andere Form der mRNA als beispielsweise Biontech oder Moderna. Die kommt zwar der menschlichen mRNA im Körper näher, aber kann nur bis zu einer bestimmten Dosis gespritzt werden. Bei 12 Mikrogramm pro Injektion war der Impfstoff gerade noch verträglich. Darüber hinaus nicht mehr. Kremsner geht davon aus, dass wegen dieser Menge die Wirksamkeit so gering ist. Die Konkurrenz könne mit höheren Dosen arbeiten, da sie eine modifizierte Variante der mRNA nutzte, sagt der Studienleiter.

Es hätte der mRNA-Impstoff für Entwicklungsländer sein sollen

Der Impfstoff von Curevac hat Vorteile – zumindest theoretisch. Die Tübinger wollten den Impfstoff besonders gut entwickeln, mit weniger Wirkstoff, dafür preiswerter und sehr robust in Sachen Transport und Temperatur. Außerdem will Curevac auch die Impfstoffherstellung mit einem mRNA-Drucker revolutionieren. mRNA-Vakzine sollen damit direkt dort hergestellt werden, wo sie gebraucht werden. Ideale Bedingungen im Kampf gegen Corona in Entwicklungsländern.

Lauterbach spricht in den ARD-Tagesthemen davon, dass der Impfstoff ein sehr nobles Anliegen gehabt hätte. Doch falls die über 400 Millionen Curevac-Impfstoffdosen, die die EU vor allem für ärmere Länder einkaufen wollte, wegfielen, sei dies eine Tragödie.

Der Ausfall des Impfstoffes von @CureVacRNA ist mitverantwortlich dafür, dass zwei bis drei Wochen an Impfgeschwindigkeit verloren geht, sagt @Karl_Lauterbach #SPD im Interview mit den #tagesthemen. https://t.co/1YMCqYoFDd

Was sagt Curevac zu den Studienergebnissen?

Der Curevac-Vorstandsvorsitzenden Franz-Werner Haas sieht das Unternehmen zu Unrecht in der Kritik. Kein anderes Vakzin sei an so vielen Virusvarianten getestet worden. In der Studie zum Corona-Impfstoffkandidaten CVnCov seien 29 Virusvarianten enthalten. Das ursprüngliche Virus, der Wildtyp, spiele kaum mehr eine Rolle. „Die Zahlen zur Wirksamkeit der anderen Impfstoffe sähen vermutlich anders aus, wenn man deren Studien zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt hätte“, so Haas.

Fairerweise muss man sagen: Die bereits zugelassenen Impfstoffe werden auch immer wieder auf die Wirksamkeit gegen die Corona-Virusvarianten getestet – aber eben nur auf die bekanntesten – und auch hier nimmt die Wirksamkeit etwas ab, ist aber immer noch sehr überdurchschnittlich stark vorhanden.

Studienleiter Kremser geht davon aus, dass die Varianten nicht die Hauptursache für die niedrige Wirksamkeit sind, sondern die schon erwähnte Dosis an mRNA – und erklärt das im Audio.

Wie geht es weiter bei Curevac?

Curevac will den bislang nicht zugelassenen Impfstoff trotzdem durch das europäische Genehmigungsverfahren bringen – weil er bei unter 60-jährigen etwas besser wirkt. „Wir haben die Daten mit der EMA geteilt. Das rollierende Verfahren wird fortgesetzt mit Hinblick auf eine Zulassung des Impfstoffs“, erklärte Fakih.

Schon vor zwei Wochen hatte der Curevac-Vorstandsvorsitzende Haas gesagt, dem solle auch eine möglicherweise relativ geringe Wirksamkeit nicht im Weg stehen. „Angesichts der Pandemie kann es nur heißen: Wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt, sollte dieser auch zum Einsatz kommen.“ Haas verwies dabei auch auf die zahlreichen Entwicklungsländer, in denen bislang kaum oder gar keine Corona-Impfstoffe verfügbar sind.

Gesundheitsministerium plant ohne Curevac

In den Planungen des Bundesgesundheitsministeriums für 2022 ist der Impfstoff von Curevac nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters und des Handelsblatts indes nicht eingeplant – ebenso wenig wie das Vakzin von Astrazeneca.

Wird es ein Impfstoff der zweiten Generation?

Die EMA werde in den nächsten Wochen entscheiden, wie es jetzt mit dem Curevac-Impstoff weitergehe. Es werde sicher gelingen, das Vakzin noch einsatzfähig zu machen, sagte Studienleiter Kremsner: „Aus meiner Sicht wird das nicht in den nächsten Wochen gelingen. Aber es wird möglich sein, den Impfstoff so aufzubereiten, dass er sehr wirksam sein kann.“ Möglicherweise kommt der Curevac-Impfstoff dann im kommenden Jahr für die Auffrischungsimpfungen an den Start. 

Baden-Baden

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