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Die Zahl der Infizierten steigt – die Zahl der Todesfälle aber nicht. Warum ist das so? Und sind wir eigentlich schon in der zweiten Welle?

Das Robert-Koch-Institut kann aus den von den Gesundheitsämtern übermittelten Daten herauslesen, welche Altersgruppen gerade besonders von der Infektion mit dem neuen Coronavirus betroffen sind. Aktuell sind es vor allem die jüngeren Altersgruppen, die sich im Urlaub anstecken, weil wahrscheinlich die Hygieneregeln nicht so ernst genommen wurden.

Junge Menschen sterben seltener an Covid-19

Die Jüngeren sind aber nicht diejenigen, die gleich schwer erkranken oder an der Infektionen sogar sterben. Seit Beginn der Pandemie gab es laut Robert-Koch-Institut nur drei Todesfälle in der Altersgruppe unter 20 Jahren. Und deshalb sehen wir auch jetzt in der Todesfall-Statistik keinen besonderen Anstieg.

Das kann sich aber ändern, wenn die Infektion von den Jüngeren wieder vermehrt auf die Älteren überspringt. Sobald sich wieder vermehrt ältere Menschen mit dem neuen Coronavirus infizieren, muss auch mit einem Anstieg der Krankenhausbehandlungen und der Todesfälle gerechnet werden.

SWR3-Faktencheck Gibt es nur mehr Corona-Fälle, weil mehr getestet wird?

In den vergangenen Wochen ist die Zahl der registrierten Neuinfektionen in Deutschland gestiegen, die Zahl der Corona-Tests ebenfalls. In sozialen Netzwerken wird das gern als Argument genommen, um die Pandemie zu relativieren.  mehr...

Ist Deutschland in der zweiten Corona-Welle?

„Wir befinden uns in einer Welle, aber nicht in einer zweiten, sondern in den Nachwehen der ersten Welle“, erklärt SWR-Wissenschaftsredakteur Uwe Gradwohl.

Das Virus hat's wieder leichter in Deutschland

Daher sei ein gewisser Pool an Infizierten in der Bevölkerung immer vorhanden, so Gradwohl. Das Virus suche gewissermaßen aus diesem begrenzten Pool heraus ständig nach neuen Opfern – im Mai und Juni mit wenig Erfolg. Das konnte man daran erkennen, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland recht gleichmäßig auf niedrigem Niveau vor sich hin köchelte. Die Intensität des Köchelns nimmt aber seit Mitte Juli beständig zu. 

Wichtig ist die lokale Nachverfolgbarkeit

Aus diesem immer stärkeren Infektionsgeschehen heraus gebe es immer wieder mal lokal aufflackernde Infektions-Cluster. Solange die lokal – also örtlich – begrenzt bleiben und nachverfolgt werden können, wer da wen angesteckt hat, sprechen Epidemiologen immer noch nicht von einer zweiten Welle, erklärt Gradwohl weiter.

Das ändere sich dann, wenn aus einzelnen lokalen Ausbrüchen nicht mehr nachvollziehbare Infektionsketten entstünden und die Anzahl der Infizierten landesweit sprunghaft, also exponentiell, anstiege. Dann wäre das eine zweite Welle.

Wie wahrscheinlich ist eine zweite Welle?

Die Gefahr, dass wir eine zweite Welle auslösen, steigt mit mit der Erhöhung des – im Moment noch kontrollierbaren – Infektionsgeschehens. Und der „Zündstoff“, der aus dem gleichmäßigen Schwelen einen zerstörerischen „Brand“ machen könnte – das ist laut Gradwohl die Sorglosigkeit im Umgang mit der Ansteckungsgefahr. 

In Deutschland steigen die Fallzahlen aktuell wieder an. Wie die aktuelle Lage zu deuten ist, erklären die SWR-Datenjournalisten.

maiLab: Können Corona-Schnelltests unseren Herbst retten?

Was tun, wenn die eine große zweite Corona-Welle in Deutschland kommt? Die funk-Youtuberin und promovierte Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim erklärt in ihrem neuen Video: Immer mehr Forscher sprechen sich für Corona-Schnelltests aus. Diese könnten die gängigen PCR-Tests beim Arzt ergänzen.

PCR-Tests sind Corona-Tests, die relativ verlässlich sind. Allerdings hinken sie dem Infektionsgeschehen hinterher. Denn: Infizierte sind kurz bevor sie Symptome haben besonders ansteckend. Zu diesem Zeitpunkt wissen aber viele Menschen noch nicht, dass sie sich mit dem Coronavirus angesteckt haben und infizieren weitere Menschen, bevor sie sich testen lassen.

Für Mai Thi Nguyen-Kim könnten deshalb Schnelltests ein „Gamechanger“ für den Herbst und Winter sein – warum, erfahrt ihr im Video. Außerdem erklärt Mai Thi die Vor- und Nachteile der beiden Testmethoden – und warum es wichtig ist, dass wir Teststatistiken verstehen:

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