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Vitamine oder Mineralstoffe könnte man über Lebensmittel auf den Teller kriegen – es gibt sie aber auch in der praktischen Pillenform. So einfach für den gesundheitsbewussten Lebensstil! Aber was bringen die Vitamin-Tabletten wirklich?

Eines vorweg: Es heißt Nahrungsergänzungsmittel. Das bedeutet, dass jegliche Pillen und Brausetabletten nicht dafür gemacht sind, einen gesunden Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung komplett zu ersetzen. Das behaupten nicht einmal die Hersteller. Aber können die Vitaminpillen überhaupt einen zusätzlichen Nutzen bringen?

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Eine aktuelle Studie aus den USA sagt: Die Mineralien und Vitamine aus Nahrungsergänzungsmittel helfen nicht, das Leben zu verlängern. Tatsächlich könnten sie sogar schaden.

Und zwar dann, wenn man die Höchstdosierung einzelner Stoffe überschreitet. Die Überdosierung einzelner Vitamine steht zum Beispiel im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen. Gleiches gilt, wenn man den Körper mit Kalzium überfrachtet.

Über das Essen kann so eine Überdosierung kaum passieren, bei Nahrungsergänzungsmitteln hingegen sehr leicht. Auch weil es weder auf nationaler noch EU-Ebene eine verbindliche Höchstmenge für die in Nahrungsergänzungsmitteln enthaltene Stoffe gibt.

Vitamine sind nicht gleich Vitamine

Die Forscher aus Bosten sammelten über zehn Jahre Daten von mehr als 30.000 Amerikanern. Deren Angaben zu Ernährung und der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wurden dann mit Todesursachen abgeglichen.
Ein Ergebnis der Studie: Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin A und K und Mineralien senkt das Krebsrisiko – allerdings nur, wenn die Nährstoffe über die Nahrung aufgenommen werden. Menschen, die regelmäßig Vitaminpräparate einnahmen, hatten mit Blick auf die Sterberate hingegen keine Vorteile. Tatsächlich hatten sie unter bestimmten Bedingungen sogar ein erhöhtes Krebsrisiko.

Nahrungsergänzungsmittel: völlig unnötig?

Von Vitamin A bis Zink – nicht nur in den USA sind Nahrungsergänzungsmittel beliebt. Die Deutschen geben jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro für Nahrungsergänzungsmittel aus. Geld, das man sich offenbar sparen kann. Denn weltweit sagen fast alle Experten: Für gesunde Menschen sind Nahrungsergänzungsmittel überflüssig. Wer unter einer Krankheit leidet, bei der wirklich ein erhöhter Bedarf herrscht oder bestimmte Mineralstoffe oder Vitamine benötigt werden, kümmert sich der Arzt darum. Dann werden bestimmte Präparate empfohlen oder verordnet – das hat mit den Brausetabletten aus dem Drogeriemarkt oder den Pillen aus dem Supermarkt wenig zu tun.

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Wichtig aber auch hier: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine Medikamente. Wer krank ist, sollte sich nicht zu viel versprechen von Pillen und Pülverchen aus dem Internet. Hier warnen Experten besonders: Denn bei diesen Produkten fehlt die Qualitätssicherung, das kann richtig gefährlich werden, wenn Produkte mit gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen gepanscht sind.

Zwei weitere Ausnahmen, neben Erkrankungen, gibt es: Schwangere oder Menschen, die sich vegan ernähren, können ebenfalls einen erhöhten Bedarf an bestimmten Vitaminen oder Mineralstoffen haben, aber auch hier empfiehlt sich eine Beratung durch einen Arzt, welche Möglichkeiten wirklich helfen.

Deshalb bringt es nichts, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen

Alle Vitamine und Mineralien, die der Körper braucht, nimmt man über eine ausgewogene Nahrung auf. Zusätzlich noch Einzelstoffe in Tablettenform zu sich zu nehmen, macht da wenig Sinn, sagen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Auch, weil sie in unserem Körper dann nicht so wirken, wie wenn wir sie über Gemüse und Obst zu uns nehmen, wo sie in Kombination mit zahlreichen anderen Stoffen stehen.

Aber: Viele Menschen nehmen Vitaminpräparate

Obwohl viele der Risiken lange bekannt sind, nehmen viele Leute Nahrungsergänzungsmittel. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale gab jeder Dritte an, zu Vitaminpille oder Mineralpulver zu greifen. Grund sei das offensive Marketing vieler Firmen und die oft unrealistischen Versprechungen. Inzwischen hat die Verbraucherzentrale diesen Markt ins Auge genommen und geht gegen unrealistische Werbeversprechen vor.

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