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Tiere gehören für viele Menschen zum Leben dazu. Kuscheln und Knuddeln ist auch in den meisten Fällen kein Problem, erklärt uns ein Tierpathologe im Interview. Aber manchmal kann schon ein Küsschen für Tiere und Menschen gefährlich werden – teilweise sogar tödlich.

Achim Gruber ist Tierpathologe an der Freien Universität Berlin. Er erklärt seinen Job so, wie wir das beispielsweise vom Tatort Münster kennen – was Jan Josef Liefers dort in seiner Rolle macht, tut er auch. Nur statt am Menschen eben an Tieren.

Achim Gruber - Tierpathologe in Berlin (Foto: dpa)
Achim Gruber, Tierpathologe an der Freien Universität Berlin, hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben: Das Kuscheltierdrama. dpa

Bei ihm landen also tote Haus- und Zootiere. Er will herausfinden, was der Grund für ihren Tod war. Er schneidet die Tiere auf, nicht mit dem sogenannten Y-Schnitt, den wir von menschlichen Sezierungen vielleicht aus Filmen kennen – denn Tiere haben einen ganz anderen Körperbau. Manchmal wird er auch von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft beauftragt, erzählt er im SWR3-Interview mit Sabrina Kemmer. Das sei vor allem dann der Fall, wenn es den Verdacht gebe, dass gegen den Tierschutz verstoßen wurde. Das sind dann richtige Kriminalfälle, bei denen Tiere vorsätzlich getötet wurden.

„Tiere werden nach dem Tod wie Sachen betrachtet“

Manchmal ginge es aber auch um ganz praktische, materielle Bedürfnisse: „Tiere werden nach dem Tod wie Sachen betrachtet“, berichtet der Tierpathologe. „Rückerstattung von Kaufverträgen, wenn Tiere gekauft werden, die kurz danach versterben“ sei da durchaus ein Thema. Aber auch die Wissenschaft habe ein Interesse an der Untersuchung der Tiere, um mehr über bestimmte Erkrankungen herauszufinden.

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„Wir untersuchen viele Tiere, um Infektionskrankheiten zu erkennen, die möglicherweise auch auf den Menschen übertragen werden könnten. Manchmal sehen wir auch, dass Tiere von Killerkeimen getötet wurden, die vom Menschen auf das Tier übertragen wurden.“ Hierbei sieht Gruber, dass Infektionskrankheiten zu Hause öfter übertragen werden, „bei engerem Verhältnis, bei der Vermenschlichung, bei zu viel Nähe von Tieren.“ Erst einmal aber die gute Nachricht: „Die meisten von uns kuscheln schon ganz richtig und für viele Tiere ist das eine Win-Win-Situation, genau wie für den Menschen.“ Aber: „Es gibt aber eine ganze Reihe von Fällen, in denen übertriebene Liebe auch schlimme Folgen haben kann für die Tiere oder auch manchmal für die Menschen.“

Diese Krankheiten können gefährlich werden für das Tier

  • Lippenherpes kann bei Chinchillas und Kaninchen eine tödliche Gehirnentzündung hervorrufen. Deshalb die Tiere nicht „zu Tode küssen“, sie können daran innerhalb weniger Tage an der Infektion sterben. Absolutes Kuschelverbot, bis der Herpes weg ist! Das gilt übrigens NUR für diese Tiere, beispielsweise NICHT für Hunde und Katzen.
  • Bei einer offenen Tuberkulose ist die Ansteckungsgefahr hoch – diese Erkrankung kann sich ebenfalls vom Menschen auf Tiere übertragen. Es kommt ein bisschen darauf an, welches Tier. Aber manche sind so anfällig, dass sie schnell daran sterben.
  • Schnupfen ist kein Problem, es sei denn bei einem Besuch im Menschenaffen-Gehege im Zoo. Denn Menschenaffen seien oft anfällig für dieselben Krankheiten wie Menschen, so der Experte.
  • Entwarnung übrigens bei Hunden: Die Infektionsgefahr durch den Menschen ist relativ gering.

Diese Krankheiten können für den Menschen gefährlich werden

  • Katzen und Hunde sollten unbedingt entwurmt werden, rät Gruber. Der Fuchsbandwurm würde sich aktuell enorm ausbreiten. Erkrankungen können sowohl für das Tier, als auch für den Menschen tödlich verlaufen.
  • Wichtig: Nach den Kuschel-Sessions unbedingt die Hände waschen und mögliche Parasiten gründlich wegschrubben. Insbesondere, bevor man etwas isst. „Wir sehen leider, dass die Hygiene gerade beim Kuscheln zunehmend vernachlässigt wird.“

Ganz grundsätzlich findet der Tierpathologe es nicht verwerflich, dass Haustiere vermenschlicht und teilweise als richtiges Familienmitglied wahrgenommen werden. „Bei der Vermenschlichung von Tieren kann bei Menschen und bei Tieren auch eine Nähe entstehen, die nicht immer als schlecht zu verteufeln ist.“ Dagegen sei unter Einhaltung von Hygiene nichts zu sagen. Insbesondere bei Hunden hat er keine Bedenken.

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Die Liebe vom Menschen zum Tier habe aber noch andere Folgen, die durchaus zu Schäden und Leid bei den Tieren führen könnten. „Bei der Vermenschlichung sehen wir eine Reihe von Problemen. Beispielsweise starke Zuchtfolgen. Wir sehen, dass viele Tiere menschenähnlicher gezüchtet werden, dass die Schnauzen immer kürzer gezüchtet werden, die Stirn wird hoch und flach, die Augen schauen nach vorne. Bei manchen Hunde- und Katzenrassen können extreme gesundheitliche Probleme entstehen, weil sie nicht mehr richtig atmen können.“ Die Tiere könnten außerdem oft nicht mehr richtig schlafen, schnarchen im Schlaf und seien körperlich nicht belastbar.

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Hat der Nachbar das Tier getötet? Selten!

Übrigens: Gruber berichtet aus der Praxis, dass es nur selten vorkommt, dass Nachbarn ein Tier vergiftet haben. „Ganz oft werden tote Tiere zu uns gebracht mit dem Verdacht, dass irgendwelche Nachbarschafts- oder familiäre Streitigkeiten dazu geführt haben, dass das Tier verstorben ist. Aber tatsächlich finden wir in der weit überwiegenden Zahl der Fälle natürliche Todesursachen.“ Meist seien das Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen, die nicht rechtzeitig erkannt wurden.

Und eines will der Tierpathologe noch klarstellen: Er untersucht nicht ausschließlich tote Tiere, sondern auch oft Gewebeproben von lebenden Tieren, um ihre Krankheiten zu erforschen und herauszufinden, unter was sie leiden. Daraus gewinnt er Erkenntnisse, mit denen er hoffentlich das Leben der Tiere verlängern oder jedenfalls anderen Tieren helfen kann.

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