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Stefan Scheurer
Stefan Scheurer (Foto: SWR3)

Die EU hat entschieden: Whatsapp muss sich anderen Messengern öffnen. Damit könnte es in Zukunft egal sein, mit welcher App du chattest – aber ist das dann auch sicher?

Das hat sogar Insider überrascht: Die EU will Whatsapp zwingen, sich anderen Messengern zu öffnen. Zukünftig soll es egal sein, welchen Messenger man nutzt, Signal, Threema, Telegram & Co. Die Messenger-Betreiber haben zwei Jahre Zeit, dann muss es funktionieren.

Whatsapp: Neue Funktion für alle, die sich die Chat-App gerne aussuchen

Das wird super für uns alle, denn die meisten Menschen nutzen ja die Chat-App, die auch die Freunde nutzen. Da Whatsapp mit großem Abstand Marktführer in Deutschland ist, führt im Alltag kein Weg dran vorbei, auch wenn man Whatsapp nicht mag. Sogar unser SWR3-Radiostudio „muss“ neben anderen Chat-Möglichkeiten Whatsapp über 07221-2011 nutzen, da die SWR3-Hörer das gerne so wollen.

Damit ist Schluss: Zukünftig werden Whatsapp-Nutzerinnen und Nutzer gefragt, ob sie beispielsweise eine eingehende Verbindung von Signal annehmen wollen oder nicht. Unklar ist allerdings, wie sicher das ist, denn wenn Nachrichten die eigene Lieblings-Chat-App verlassen, können sie mitgelesen werden.

Wie sicher Whatsapp ist und warum ihr Telegram auf keinen Fall nutzen solltet lest ihr hier im großen

SWR3-Ratgeber: Welcher Messenger ist der beste?

Warum man Telegram nicht verwenden sollte

Als Facebook, Whatsapp und Instagram im Oktober 2021 gleichzeitig ausfielen, verzeichnete Telegram nach eigenen Angaben einen Zuwachs von weltweit 70 Millionen Usern in nur sechs Stunden! Die Sicherheitsstandards des Messengers können aber nicht der Grund dafür gewesen sein, denn die sind bedenklich.

Alle privaten Chats können mitgelesen werden und intime Inhalte in sehr dubiosen Ecken der Welt landen. Telegram ist der unsicherste Messenger, der derzeit herumgereicht wird, Sicherheit wird nur vorgegaukelt. Denn bis heute ist unklar, wer die Telegram-Server wo betreibt. Sicher ist, dass alle Chats und selbst Tastatureingaben auf Telegram-Servern landen und ausgewertet werden können, wie ein Test von Heise-Security belegt.

Telegram erschwert Nutzern Verschlüsselung

Das ist besonders deshalb erwähnenswert, da Telegram theoretisch verschlüsselte Chats anbieten kann. Telegram nennt diese dann „geheime Chats“. Diese muss der Nutzer aber immer über Umwege aktiv anschalten, außerdem sind diese „geheimen Chats“ nur sehr eingeschränkt nutzbar. Der Verdacht liegt nahe: Verschlüsselte Chats sollen schlicht keinen Spaß machen. In der IT-Welt gibts dafür nur eine Erklärung: Die unbekannten Betreiber der Telegram-Server wollen alles mitlesen können.

Das führt im Ergebnis dazu, dass Telegram fast ausschließlich Chats in der Cloud liegen hat, die zugänglich sind für alle, die die Server übernehmen können – ob mit oder ohne Erlaubnis von Telegram. Ein Beispiel zeigt das Problem: Wer beim Wendler in der großen Gruppe ist, macht das aus Sicht eines Telegram-Servers nie anonym – und das gilt im Umkehrschluss auch für alle anderen normalen Telegram-Chats dieses Nutzers. An dieser Stelle darf jeder selbst entscheiden, ob er Telegram vertraut.

Baden-Baden

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Verschlüsselung bei Telegram oft gar nicht aktivierbar

Grundsätzlich nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind außerdem alle Zusatzfunktionen von Telegram: Bots, Geschäftsanwendungen oder Gruppen. Ein Beispiel: Wer uns eine Whatsapp-Nachricht ins Studio an 07221/2011 schickt, der hat eine sichere Ende-zu-Ende-Kommunikation. Würden wir diesen Dienst mit Telegram anbieten, könnten wir nicht einmal dann eine Verschlüsselung anbieten, wenn wir es wollten.

Wer Telegram auf dem Handy nutzt, holt sich einen echten Datenschutz-Albtraum aufs Handy – komplett ohne Not, denn es gibt Alternativen. Daher kann unser Rat nur heißen: Whatsapp-Alternative Telegram auf keinen Fall verwenden.

Wie sicher ist ICQ? Ist ICQ empfehlenswert? Unser Tipp:

Der Messenger ICQ erfährt ein nostalgisches Revival - einige Nutzer springen da wieder auf, um Whatsapp zu entkommen. Leider ist ICQ nicht mehr so cool wie in unserer Jugend: Das Blümchenimage hat ICQ lange verloren, denn seit Jahren gehört es zur russischen Firma Mail.ru. Immer wieder gibt es ernstere Probleme beim Datenschutz. Außerdem ist ICQ eine sehr undurchsichtige Plattform: Wie sicher sind Server und die App? Was passiert mit den eigenen Kontakt- und Nutzungsdaten? Nichts davon beantworten die Betreiber, insofern kann man ICQ auf keinen Fall empfehlen. Wir ordnen die Sicherheit von ICQ etwa auf dem Niveau von Telegram ein.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Highlights anhören Warum Telegram keine gute WhatsApp-Alternative ist

Dauer

Ist Whatsapp sicher?

Die meisten Deutschen sind glücklich mit Whatsapp. Aber die Änderung in den Datenschutzbestimmungen 2021 hat vielen ein mulmiges Gefühl beschert. Spätestens seit dem großen Ausfall von Facebook, Instagram und eben auch Whatsapp im Oktober 2021 fragen sich viele Menschen, wie sicher der Messengerdienst ist. Was greift Facebook wirklich ab? Und funktioniert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu jeder Zeit? Whatsapp nutzt die sehr sichere Verschlüsselung, die auch unser App-Tipp Signal verwendet. Alle Tests zeigen, dass Chats nur auf dem jeweiligen Handy liegen.

Da der amerikanische Staat aber per Gesetz Hintertürchen einfordern kann, muss klar sein, dass Whatsapp nicht auf Dauer sicher sein kann. Hintertüren könnten beispielsweise direkt auf dem Handy eingebaut sein und nur bei Bedarf aktiviert werden. Das macht Whatsapp nicht sicherer oder unsicherer wie andere Apps auf dem Handy.

Wie sicher ist die Whatsapp-Weboberfläche?

Sicher. Wer die Whatsapp-Weboberfläche nutzt, bekommt auch nur zu sehen, was auf dem Handy vorhanden ist (Telegram zieht die Chats vom Server, über dessen Sicherheit nichts bekannt ist). Als sicher gilt ebenfalls, dass ein Ausspionieren anderer Daten von Whatsapp und das darauffolgende Teilen mit anderen Diensten des Facebook-Imperiums im Geltungsbereich der EU juristisch verhindert sein soll. Die Neuregelung des Datenschutzes kann dann zumindest theoretisch keine Auswirkungen haben – nur überprüfen kann man nicht, wie Facebook Whatsapp-Daten innerhalb der eigenen Dienste austauscht.

Facebook darf Whatsapp-Daten mit Instagram verbinden. Theoretisch.

Und der neue Passus macht einem klar, dass Whatsapp schon formal sehr unsympathische Seiten hat: „Als Teil der Facebook-Unternehmen erhält Whatsapp Informationen von anderen Facebook-Unternehmen und teilt auch Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen.“ Geteilt werden könnten damit beispielsweise das Telefonierverhalten, die Nutzungsdauer, die Kontaktdaten und so weiter.

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Auf kurz oder lang sollte sich wirklich jeder einen anderen Messenger suchen, aber welchen? Die einzigen ernst zu nehmenden Alternativen sind Signal und Threema.

Der beste Messenger heißt Signal

Der Punktsieg für Komfort geht trotzdem noch knapp an Whatsapp: einfach, zuverlässig, alle deine Freunde sind da. Wenn da nur das Facebook-Imperium mit all seinen Datenschutz-Problemen nicht wäre. Hier kommt Signal ins Spiel: Ein top Messenger, sicher, ohne Stolperfallen, für 0 Euro. Wie kann das sicher sein? Da Signal als Open-Source programmiert wird, können Experten bewerten, wie sicher Signal wirklich ist. Und in diesem Punkt ist Signal über jeden Zweifel erhaben. Der Tesla-Chef Elon Musk empfiehlt deshalb den Messenger und auch CIA-Whistleblower Edward Snowden erklärt, warum er Signal seine Daten anvertraut:

Hier ist ein Grund: Ich nutze es jeden Tag und ich bin noch nicht tot.

Der Signal-Verschlüsselungsstandard ist derselbe, den auch Whatsapp nutzt, nur eben ohne Datenschutz-Probleme. Die Finanzierung wird von einer Stiftung und Spenden sichergestellt – die Verbreitung bei Deutschen ist gut, besser als bei dem ebenfalls sehr guten Threema.

Messenger Threema sehr gut – aber noch zu wenig Nutzer

Threema, geboren in der Schweiz, hat inzwischen ebenfalls einem großen Open-Source-Anteil. Threema verfolgte als erster Messenger den Ansatz, so sicher wie möglich zu sein, aber das kostet eben bis heute auch Geld: derzeit 5 Euro. Threema ist jeden Cent wert, ein sicherer, guter Messenger, der alle Sicherheitsstandards erfüllt, aber Threema ist vor allem aufgrund der Einmal-Kosten kaum verbreitet – und was willst du bei einem Messenger, bei dem deine Freunde nicht sind? 10 mal weniger Downloads als Signal kann Threema vorweisen. Trotzdem gehört er in die Riege der besten Messenger, wenn es um Privatsphäre geht.

Threema im App Store; Bild: Apple, das Apple-Logo, Apple Watch und das iPhone sind Marken von Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen sind. App Store ist eine Dienstleistungsmarke der Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen ist. Threema im Play Store; Bild: Google Play und das Google Play-Logo sind Marken von Google LLC.

Unser Tipp: Erstmal Whatsapp UND Signal nutzen

Ja, alle deine Freunde nutzen Whatsapp. Das bedeutet ganz praktisch, du wirst so ohne Weiteres nicht darauf verzichten können. Und viele deiner Freunde werden nicht akzeptieren, dass sie Whatsapp aufgeben sollen wegen „dem bisschen Datenschutz“. Aber hey, wir brauchen mehr als nur WhatsApp. Signal als Messenger boomt bei Deutschen. Die zusätzliche App kostet praktisch nicht mehr Akku, und du wirst überrascht sein, wie viele deiner Freunde schon da sind.

Signal im App Store; Bild: Apple, das Apple-Logo, Apple Watch und das iPhone sind Marken von Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen sind. App Store ist eine Dienstleistungsmarke der Apple Inc., die in den USA und anderen Ländern eingetragen ist. Signal im Play Store; Bild: Google Play und das Google Play-Logo sind Marken von Google LLC.

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