Deutschland – Autoland. So war’s eigentlich schon immer. Aber in Sachen Elektroautos hängen wir ein bisschen nach. Gerade mal eins unter tausend Autos in Deutschland ist komplett elektrobetrieben. Wir haben nachgeschaut, wer’s besser macht.

China: Der größte Markt für E-Autos

Ausgerechnet China! Chinesische Millionenstädte kämpfen mit Smog – und die Antwort sollen E-Autos sein. Allein im letzten Jahr wurden fast eine halbe Million Elektroautos und Nutzfahrzeuge wie Busse oder LKW in China zugelassen. Das ergab eine Studie des Auto-Institutes an der Fachhochschule Bergisch-Gladbach. Und: Die meisten E-Autos, die in China verkauft werden, sind auch von chinesischen Herstellern. Damit liegt China ganz weit vorne in Sachen E-Mobilität.

Steffen Wurzel; Foto: SWR, Steffen Wurzel

Steffen Wurzel und Li Hongpeng vor einem Elektrolaster.

SWR, Steffen Wurzel

Einer der Gründe für den E-Auto-Boom in China: Benziner und Diesel dürfen wegen den Smog-Problemen in vielen Städten nur noch begrenzt fahren. Und es gibt saftige Vergünstigungen für Elektroautos. Nächstes Jahr wird zusätzlich eine E-Auto-Quote für Hersteller eingeführt. Heikel für die deutschen Hersteller, denn die müssen ziemlich Gas geben, um der chinesischen Quote zu entsprechen. Deutsche Politiker kämpfen darum, die Quote etwas zu mildern.

Unser Shanghai-Korrespondent Steffen Wurzel hat chinesische Hersteller getroffen.

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Diverses

„Zukunft des Autos“

Norwegen: Die Europameister

Norwegen ist der europäische Spitzenreiter in Sachen E-Mobilität. Laut der Bergisch Gladbacher Studie ist ungefähr jedes dritte der im letzten Jahr neu zugelassenen Autos ein E- oder Hybrid-Auto. Ziemlich beeindruckend im Vergleich zu den Deutschen. Gerade einmal 0,7 Prozent waren es hier.

Zugegeben: Norwegen hat viel weniger Einwohner als Deutschland und ist eines der reichsten Länder der Welt. Vielleicht leistet es sich die norwegische Regierung deswegen, E-Mobiltät so stark zu fördern. Norweger, die sich ein E-Auto kaufen, müssen viel weniger Steuern zahlen, als Benzin- oder Diesel-Käufer. Und es kommt noch besser: Elektroautos dürfen in Norwegen teilweise die Busspuren mitbenutzen und so den nervigen Feierabendstau einfach mal umfahren. Viele kritisieren aber auch, dass sich die norwegische Regierung mit der Unterstützung finanziell viel zu viel aufgehalst hat. Trotzdem diskutiert die norwegische Politik, dass ab 2025 nur noch Elektroautos zugelassen werden dürfen. Darüber denken übrigens auch die Niederlande und Indien nach. Die Grünen fordern eine ähnliche Regelung für Deutschland.

Die USA: Es ist kompliziert.

Das mit den USA ist immer so eine Sache. Eigentlich waren sie lange Vorreiter in der E-Mobilität. Gerade das kalifornische StartUp Tesla hat den Hype um Elektroautos genutzt. In Kalifornien werden besonders viele E-Autos gekauft, denn der Bundesstaat steckt viel Geld in emissionsfreie Autos. Auch im Export sind die US-Amerikaner gut - Tesla ist die einzige nicht-chinesische Marke, die es unter die Top 20 der meistverkauften E-Autos in China geschafft hat. Die Nachrichtenfirma Bloomberg berichtet, dass 30 US-Städte, darunter New York und L.A. angekündigt haben, für insgesamt zehn Milliarde Dollar Elektroautos und -Lastwagen zu kaufen. Aber: Es gibt auch ziemlich viele Probleme. Auch in den USA haben Elektroautos gerade mal einen Marktanteil um die ein Prozent. Die niedrigen Reichweiten und fehlende Ladestationen sind in einem so großen, weitläufigen Land wie den USA ein Problem. Außerdem ist das Benzin dort immer noch deutlich günstiger als Stromladungen.

Und: Umweltschutz ist definitiv keine Priorität für Präsident Trump, er stellt sogar den Klimawandel in Frage. Trump plant, das Budget für das Department of Energy, also das Energieministerium, massiv zu kürzen. 900 Millionen Dollar könnten dem Ministerium gestrichen werden, falls es der Budgetvorschlag durch den Kongress schafft. Geld, das vorher unter anderem in die Förderung von E-Autos gesteckt wurde. Also: Der Markt in den USA ist groß, hat es momentan aber nicht leicht.

Und das heißt?

Auch wenn der Markt in China stark wächst und Norwegen Europameister im E-Auto-Fahren ist: In sehr wenigen Ländern schafft es der Anteil von Elektroautos über die Ein-Prozent-Marke. Noch sind den Käufern E-Autos zu teuer, Reichweiten zu kurz und die Infrastruktur zu wenig ausgebaut. Es dauert noch, bis der Traum vom sauberen Autofahren wirklich erfüllt ist.