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Sabine Schütze, Christine Langer

Fair, bio, öko. Das ist für viele inzwischen nicht nur bei Lebensmitteln zunehmend wichtig. Sondern auch bei Mode. Aber was steckt denn genau hinter „fairer“ Kleidung?

Fair, bio, öko: Wo liegt bei Kleidung der Unterschied?

Fair“ bedeutet: keine ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, also normale Arbeitszeiten (8 statt 12 Stunden), keine Kinderarbeit, anständige Entlohnung, Verbot von Diskriminierung – insgesamt stehen also die sozialen Aspekte im Mittelpunkt.

Bio“ bedeutet: Die Baumwolle, aus der ein T-Shirt produziert worden ist, wurde ohne Spritzmittel – also nach den Bio-Richtlinien – angebaut.

Öko“ bedeutet, dass bei der Verarbeitung zu Garn und Stoff möglichst wenige Chemikalien verwendet wurden und vor allem nur solche, die unproblematisch für die Umwelt oder die menschliche Gesundheit sind.

Neben Bio-Baumwolle kommen bei Öko-Kleidung oft auch weitere ökologische Rohstoffe zum Einsatz, wie zum Beispiel Bio-Leinen, recycelte Materialien oder auch Hanf. Tierische Rohstoffe wie Wolle werden ebenfalls umweltschonend verarbeitet.

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Gibt es bei großen Mode-Ketten faire Kleidung?

Nein, bisher nicht. Im Angebot von Modekonzernen wie C&A oder H&M sind zwar Basic-Shirts und Unterwäsche aus Bio-Baumwolle. Aber das bedeutet zunächst mal nur, dass die Baumwolle ohne synthetische Dünger und Pestizide angebaut worden ist. „Bio“ bedeutet aber nicht, dass die Verarbeitung der Baumwolle zu Garn, Stoff und Shirt auch entsprechend nachhaltig passiert ist. Da können genauso problematische Chemikalien eingesetzt worden sein wie bei jeder anderen Mode auch.

Etliche Modeketten sind hier aber Selbstverpflichtungen eingegangen und wollen bis zum kommenden Jahr problematische Chemikalien aus ihrer Produktion verbannen. Dafür gab es vor acht Jahren auch einen ziemlich kräftigen Anstupser, nämlich die Detox-Kampagne von Greenpeace. 80 Unternehmen weltweit machen mit, darunter H&M, C&A, Esprit, Puma, Adidas, G-Star und weitere.

Erste Ansätze für nachhaltigere Mode sind da

Öko-Ansätze sind also auch bei den großen Modeketten da. Das kommunizieren sie auch gern. H&M etwa hat ja seit Jahren eine Conscious-Kollektion, also eine Arte bewusste Kollektion. Es werden etwa gezielt Bio-Fasern eingesetzt oder recyceltes Nylon aus alten Fischernetzen oder Fasern aus Holz.

C&A ist der weltweit größte Abnehmer für Bio-Baumwolle, will demnächst nur noch nachhaltige Materialien einsetzen und setzt auch auf Kreislauf-Shirts, die komplett umweltverträglich und mit schadstofffreien Farben hergestellt worden sind. Die sind kompostierbar und natürlich auch recyclefähig.

Siegel sind bei den großen Ketten noch Fehlanzeige

Es ist aufwändig, sich darüber zu informieren, was jeweils hinter firmeneigenen Kampagnen der großen Mode-Ketten steht. Da ist ein Siegel natürlich transparenter. Bei den großen Ketten findet man das allerdings nicht. Kleidung mit solchen Siegeln gibt es bisher meist nur in Läden, die sich auf nachhaltige Mode und Labels spezialisiert haben.

Es gibt inzwischen verschiedene Siegel, zum Beispiel GOTS, Naturland, EU Ecolabel, Blauer Engel oder Naturtextil. Die Initiative siegelklarheit.de stellt die verschiedenen Siegel gegenüber und zeigt, welches genau wofür steht. Siegelklarheit bietet auch eine App an, mit der man die Siegel unterwegs prüfen kann. Die Verbraucherzentrale gibt ebenfalls eine Übersicht über Fair-Fashion-Siegel – und weitere Tipps für Nachhaltigkeit.

Siegel drauf = alles super?

Kathrin Krause von der Verbraucherzentrale sagt im SWR3-Interview, dass ein Siegel nicht bedeutet, dass mit dem Kleidungsstück alles tiptop ist:

Ein Siegel sollte nie den Eindruck vermitteln, dass alles okay ist. Die textile Produktion ist so komplex – bei einem Herrenhemd sind zum Beispiel 140 Produktionsschritte dabei. Da kann es nie hundertprozentige Sicherheit geben.

Ein Siegel sei aber ein guter Indikator, damit wir erkennen können, dass wir es mit einem nachhaltiger produzierten Textil zu tun haben. Trotzdem gilt: Wir müssen uns selber nochmal informieren. Wofür steht eigentlich das Siegel, welchen Produktionsschritt deckt es ab?

Das Siegel GOTS, ein grüner Kreis mit weißem T-Shirt drin, achtet beispielsweise vor allem auf ökologische Aspekte. Die Fair Wear Foundation, ein roter Kleiderbügel, schaut vor allem auf faire Arbeitsbedingungen.

Wie kommt so ein Siegel auf die Kleidung?

Um ein Siegel zu bekommen, müssen Produzenten einiges tun. Und zwar nicht nur Bio-Baumwolle einkaufen, die schon mal etwa 5% mehr kostet, sondern auch noch die Produktionskette entsprechend gestalten: bestimmte Standards bei der Kläranlage sicherstellen, nur auf ungiftige, teurere Farben zurückgreifen usw. Das alles schauen sich Inspektoren genau an. Deren Arbeitslohn trägt das Unternehmen. Das sind die Zertifizierungskosten, die bei 1000 Euro anfangen, je nach dem wie umfangreich die Arbeit des Zertifizierers ist. Dazu noch 200 Euro Lizenzgebühren.

Vorurteile gegen Fair Fashion – Interview mit Modebloggerin Marie Nasemann

Tipp: So kaufst du nachhaltiger ein

Der durchschnittliche Deutsche kauft 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Viel zu viel für einen Kleiderschrank, sagt Kathrin Krause weiter.

Ich glaube, wir müssen uns alle ein bisschen selbst hinterfragen, ob wir das fünfte T-Shirt im Monat brauchen oder ob wir nicht einfach weniger kaufen und dafür auf Qualität achten. Und vielleicht auch einfach mal Second Hand kaufen. Es gibt wahnsinnig viel Fashion auf dem Second-Hand-Markt. Die muss einfach nur gefunden werden.

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